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10.02.2012

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25 Jahre Wahl Gorbatschows zum KPdSU-Chef - ein Rückblick
25 Jahre nach Gorbatschows Wahl zum KPdSU-Chef

Vom "Mineralsekretär" zum Verfechter der Perestroika

Michail Gorbatschow hat Geschichte geschrieben: Er trug mit seiner Politik zum Ende des Kalten Kriegs und zur Wiedervereinigung bei. Heute vor 25 Jahren wurde er zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt und übernahm damit das Ruder in der UdSSR. Mit seinen Reformen erntete er von Beginn an Kritik.

Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Gorbatchow bei einer Rede im Jahr 1985. Dem Jahr, als er zum Generalsekretär der KPdSU gewählt wurde. (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Michail Gorbatschow wurde 1985 Generalsekretär der KPdSU. ]
"Der März ist für mich ein besonderer Monat", sagte Michail Gorbatschow. "Ich bin im März geboren. Ich bin im März Generalsekretär der Partei geworden. Ich bin im März zum Präsidenten der UdSSR gewählt geworden. Im März trat ich in die Kommunistische Partei der Sowjetunion ein. Meine jüngere Tochter ist ebenfalls im März geboren. All diese Daten besagen, dass es das Schicksal wollte, mich in verschiedenen Situationen auf die Probe zu stellen."

Gorbatschow steht für Reformen

Gorbatschow übernahm ein schweres Erbe seiner Vorgänger. Nach Jahren der Stagnation unter Leonid Breschnew, Juri Andropow und Konstantin Tschernenko war die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal. Das Wirtschaftssystem lag am Boden, die Staatskassen waren leer. Doch bevor er mit seiner Politik des Umbaus, der Perestroika, und der Offenheit, Glasnost, begann, zog er sich mit einer unpopulären Maßnahme den Unmut der Bevölkerung zu.

Gorbatschow hatte als Ursache der Misswirtschaft den hohen Alkoholkonsum seiner Landsleute ausgemacht. Er sagte der Trunksucht vieler Russen den Kampf an. Das Angebot alkoholischer Getränke wurde drastisch verringert. Doch die Kampagne war nicht von Erfolg gekrönt. Viele griffen zum Schwarzgebrannten. Spöttisch wurde Gorbatschow "Mineralsekretär" genannt. Ein Spitzname, der ihm auch heute noch anhängt. Viele Russen haben ihm seine Anti-Alkoholaktion nicht verziehen. "Wenn ich mich heute an diese Zeit erinnere, habe ich ein ungutes Gefühl. Der Begriff Alkohol-Reform hatte schon etwas anti-bürgerliches, das war doch gegen die Menschen gerichtet", erinnert sich ein Passant in Moskau.

Bilder:

Gorbatschow-Bilder
Bilderstrecke Zwischen Reformen und Scheitern Der Aufstieg und Fall des Michail Gorbatschow [mehr]

Die wirtschaftlichen Reformen scheitern 

Auch sein Bemühen, die Wirtschaft anzukurbeln, war vergeblich, obwohl er sich an marktwirtschaftlichen Konzepten orientierte. Für Alexander Schubin von der Akademie der Wissenschaften gehörten zu den wichtigsten Maßnahmen die Selbstverwaltung der Betriebe, die eigene Löhne festsetzen konnten, freie Direktorenwahlen oder die Reinvestition erwirtschafteter Gewinne. Schubin erklärt, warum es dennoch scheitern musste. "Es wurden sozusagen zwei Taschen miteinander vermischt – die staatliche Tasche und die private. Das bedeutet: Man hat damals das Recht bekommen, über Staatseigentum zu verfügen, aber keine Verantwortung dafür übernommen", so der Wissenschaftler.  

Jahrzehntelange Misswirtschaft ließ sich nicht von heute auf morgen umstellen. Das Vertrauen in eine funktionierende Marktwirtschaft war nicht vorhanden. Auf die weit verbreitete Schattenwirtschaft konnten sich die Menschen verlassen – der Schwarzmarkt florierte wie eh und je.

Gorbatschow stellte sich der Kritik

Doch Gorbatschow stellte sich der Kritik im ganzen Land, diskutierte mit Menschen in Fabriken und auf der Straße. Die neue Offenheit fand auch in den Zeitungen ihren Niederschlag. In Leserbriefen und Kommentaren wurden seine Reformen kritisch begleitet - die Auflagen vieler Blätter erreichten Rekordhöhen. Auch im westlichen Ausland staunte man über den neuen Kurs Gorbatschows. Außenpolitisch leitete er die nukleare Abrüstung ein. Auch aus der Gewissheit heraus, dass sich die Sowjetunion milliardenschwere Rüstungsprojekte nicht mehr leisten konnte.  

"Die Umgestaltungen, die bei uns begannen und alle grundlegenden Probleme des politischen Aufbaus aufdeckten, haben Dank der Transparenz in unserem Land riesigen Einfluss auf die westliche Öffentlichkeit gehabt. Unsere Politik von Perestroika und Glasnost wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt", so Gorbatschow im Oktober des vergangenen Jahres.

Gorbatschow und Honecker beim Bruderkuss (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gorbatschow und Honecker beim Bruderkuss ]
Großes Interesse erzeugte seine Politik auch bei den Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik. Der dortigen Führung war Gorbatschows Reformpolitik von Anfang an suspekt. Bei den Feierlichkeiten zum 40-Jährigen Bestehen der DDR gab er ein Interview, das in die Geschichte einging. "Ich glaube, Gefahren warten nur auf diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren. Und wer die vom Leben ausgehenden Impulse, die Impulse, die von der Gesellschaft ausgehen, aufgreift und in seine Politik integriert, der dürfte keine Schwierigkeiten haben. Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagte Gorbatschow.

Wichtiger Beitrag zur Wiedervereinigung

Ost- und Westdeutsche feiern 1989 Silvester vor dem Brandenburger Tor. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gorbatschow hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass Ost und West 1989 wieder gemeinsam Silvester feiern konnten. ]
Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Tausende DDR-Bürger über die Tschechoslowakei geflüchtet. Die Montagsdemonstrationen wurden von Woche zu Woche größer. Kurz darauf fiel die Mauer, Gorbatschow trug maßgeblich zur deutschen Wiedervereinigung bei. Sein Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht der Völker führte letztlich auch zum Ende des Warschauer Pakts. Auch die Autonomiebestrebungen innerhalb der Sowjetunion ließen sich nicht mehr aufhalten.

Einmal noch versuchten kommunistische Hardliner aus seinem engsten Umfeld, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Im August 1991 wurde gegen ihn geputscht, als er seinen Sommerurlaub auf der Krim verbrachte. Der Auftritt für den damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin, der die Bevölkerung erfolgreich zum Widerstand aufrief. Nach drei Tagen war der Umsturzversuch vorbei, doch Gorbatschow politisch erledigt. Jelzin übernahm das Ruder in Russland und beschloss im Dezember 1991 gemeinsam mit den Präsidenten der Ukraine und Weißrusslands die Gründung der Gemeinschaft unabhängiger Staaten GUS. Ein lockerer Staatenbund: Aus den Sowjetrepubliken wurden souveräne Staaten. Das Ende der UdSSR war besiegelt.

Gorbatschow blieb nur noch eine Möglichkeit - der Rücktritt, den er am 25. Dezember 1991 verkündete. "Unter den bestehenden Verhältnissen und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Gemeinschaft der unabhängigen Staaten gegründet wurde, höre ich mit meiner Tätigkeit als Präsident der UdSSR auf", erklärte Gorbatschow damals.

Stand: 11.03.2010 02:51 Uhr
 

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