Google-CEO Sundar Pichai am Mittwoch auf der Entwicklerkonferenz I/O | Bildquelle: AP

Google-Entwicklerkonferenz Angriff mit künstlicher Intelligenz

Stand: 18.05.2017 09:59 Uhr

Google rüstet sich gegen Apple, Facebook und Amazon. Auf der Entwicklerkonferenz I/O stellt der Konzern neue Dienste und Assistenten mit künstlicher Intelligenz vor. Vor allem will er jedoch Daten sammeln und Kunden gewinnen.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Was hat Google vorgestellt?

Es war jetzt nicht der ganz große Wurf dabei, wir müssen nicht die Computergeschichte ab morgen neu schreiben. Aber es gibt schon ein paar kleine und größere Verbesserungen. Und zwar setzt Google voll auf das Thema künstliche Intelligenz. Zum Beispiel soll Google Fotos, also der Dienst, bei dem man alle seine Fotos hochladen kann, soll künftig automatisch erkennen, wenn man ein Konzertplakat fotografiert und dann die passenden Karten anbieten oder den Termin gleich in den Kalender eintragen.

Oder in einer Familie soll die Mutter vorgeschlagen bekommen, dass alle Fotos, die sie mit dem Smartphone von ihren Kindern macht, automatisch mit dem Vater der Kinder geteilt werden. Da sieht man aber schon: Google muss ganz schön viel über einen wissen, damit das funktioniert. Wer wessen Kind ist, wie die Kinder aussehen - das ist also im Grunde Googles altes Geschäftsmodell. Als Nutzer gibt man seine Daten preis - und dafür verspricht Google, das digitale Leben so einfach wie möglich zu machen. Das Wort "Datenschutz" habe ich aber bei der ganzen, fast zweistündigen Präsentation kein einziges Mal gehört.

Gab es auch neue Geräte zu sehen?

Nein, zu dem Thema gab nur Ankündigungen. Google will zum Beispiel mit Hardware-Herstellern zusammen neue Brillen für Virtuelle Realität entwickeln - und zwar so, dass man kein Smartphone mehr reinsteckt und noch nicht mal mehr einen Rechner dafür braucht.

Und Google will auch ein Stückchen vom Kuchen abhaben, den Amazon mit seinem vernetzten Echo-Lautsprecher gerade fast allein verspeist. Google hat ja auch einen Lautsprecher, Google Home heißt der, und der wird jetzt mit ähnlichen Funktionen aufgemotzt. Zum Beispiel soll er auf Zuruf die Mama anrufen. Das braucht natürlich auch wieder jede Menge Daten und Rechenpower, aber nicht im Gerät selbst, sondern in der Cloud, auf Googles Servern.

Der Lautsprecher muss also Stimme von dem erkennen, der da spricht. Er muss den Befehl verstehen, und er muss wissen, wer die Mutter ist und welche Telefonnummer sie hat. Das dringt also schon ziemlich in die Privatsphäre der Kunden ein - aber klar: Niemand wird gezwungen, das Gerät zu kaufen, wenn es auf den deutschen Markt kommt. Und die Telefonfunktion gibt es auch erst mal nur in Nordamerika.

Was gab es Neues zum mobilen Betriebssystem Android?

Das war überraschend wenig. Google hat das Thema in der Präsentation fast versteckt, und dann hat der zuständige Manager es eher "runtergerattert", dass der Akku länger halten soll und dass YouTube-Videos in einer Art Fenster im Fenster weiterlaufen, während man zum Beispiel Mails schreibt. Da gibt es sicher im Laufe des Sommers noch mehr zu sehen.

Spannend war eine neue Initiative, die Google startet, nämlich "Android Go". Android läuft laut Google auf zwei Milliarden Geräten, und jetzt ist die Frage, wie kommt der Konzern an die nächsten Nutzer, sprich Kunden? Gerade in Wachstumsmärkten wie Indien hat nicht jeder das Geld für das neueste, schickste und teuerste Gerät. Deshalb soll dieses "Android Go" eine Art abgespeckte Android-Version sein, die auch auf den eher schwachbrüstigen Smartphones gut funktioniert.

Es sind aber auch die App-Entwickler gefragt - vom großen Facebook bis zum kleinen Spieleprogrammierer. Sie müssen abgespeckte Versionen ihrer Apps entwickeln. Damit will Google dann - hieß es wörtlich - die nächsten Milliarden Nutzer gewinnen.

Künstliche Intelligenz in jeder Ritze
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
18.05.2017 08:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2017 um 05:23 Uhr.

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