Firmenzentrale von Google in Kalifornien | Bildquelle: REUTERS

Datensicherheit "Google duckt sich weg"

Stand: 08.05.2018 11:47 Uhr

Google kennt seine Nutzer intim - daran kann es keinen Zweifel geben. Doch bislang ist der Konzern von Datenschutzskandalen wie bei Facebook verschont geblieben. Dabei ist Google genauso exponiert.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Die spannende Frage lautet: Sagt er es oder sagt er es nicht? Wird sich Google-Chef Sundar Pichai in seiner Rede vor den 5000 Entwicklern weiter wegducken vor der Frage, wie es das Unternehmen mit der Privatsphäre seiner Nutzer und dem Datenschutz hält? Gibt es sogar ein klares Bekenntnis, so wie es gestern ein anderer Vorstandsvorsitzender vorgemacht hat?

Satya Nadella, der Chef von Microsoft, stellte sich bei der hauseigenen Konferenz in Seattle auf die Seite der Nutzer. "Privatsphäre ist ein Menschenrecht", erklärte er. "Wir als Unternehmen verpflichten uns, dieses Recht zu schützen. Wenn wir Daten verwenden, sollen sie dem User nutzen. Oberstes Gebot ist es, dass der Nutzer immer die Kontrolle über seine Daten und deren Gebrauch haben soll."

Google, so sagen Experten, sammelt deutlich mehr Daten als Konkurrent Facebook. Stichwort: Schattenprofile. Google erfasse auch User, die nicht einmal die Suchmaschine des Unternehmens verwenden. Der Trick: Viele Internetseiten haben ein Analyse-Werkzeug von Google eingebaut. Das misst die Zahl und die Herkunft der Besucher einer Website. Tatsache ist, dass sich Google während des Cambridge-Analytica-Skandals um Facebook auffällig still verhalten hat.

Der Google-Schriftzug auf einem iPad | Bildquelle: dpa
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Viele Internetseiten haben ein Analyse-Werkzeug von Google eingebaut.

Wie weiter mit dem Android-Betriebssystem?

Stephen Levy schrieb 2011 das Buch "In the Plex", einen Insider-Bericht über die Anfangszeit des Unternehmens. Kaum einer kennt Google besser als er. "Wenn jemand für ein Problem die ganze Schelte bezieht, ist es das Klügste, sich einfach wegzuducken", sagt er. "Es gibt viele Gründe, weshalb Google genauso exponiert ist wie Facebook. Wenn alle mit dem Finger auf einen zeigen, hebt man nicht die Hand und sagt, wir haben die gleichen Schwächen."

Bei der Entwicklerkonferenz steht aber ein weiteres Thema auf der Tagesordnung. Google will die neueste Version seines Betriebssystems vorstellen: Codename "P". Die meisten Programmierer kommen dorthin, weil sie wissen wollen, wie es mit dem Android-Betriebssystem weitergeht.

Florian ist extra aus München angereist. Der 23-Jährige entwickelt Apps für Android-Handys: "Egal, ob man hier dabei ist oder via Video zuschaut, die Wichtigkeit ist so groß, dass man sich informieren muss", sagt er. "Natürlich ist auch der direkte Austausch vor Ort mit den Google-Leuten spannend."

Google-Thema Künstliche Intelligenz

Das Problem von Android: Zu wenige Handy-Hersteller setzen die jeweils aktuellste Version des Systems auf ihren Geräten ein. Die aktuelle Version mit dem Namen Oreo läuft zum Beispiel nur auf weniger als fünf Prozent aller Android-Geräte. Auch bei den sprechenden Assistenten für zu Hause schwächelt Google. Amazon soll deutlich mehr schlaue Lautsprecher und Assistenten verkauft haben.

Nur beim Thema künstliche Intelligenz liegt Google vorn. Doch genau da ist der Knackpunkt: Wer gebietet den selbst denkenden Maschinen Einhalt? Google ist da bis jetzt Antworten schuldig geblieben.

Und das wirft erneut die Frage nach dem Datenschutz auf. Google-Versteher Levy meint, der Konzern habe bisher schlicht Glück gehabt. Die Unzufriedenheit der Öffentlichkeit mit Facebook habe sich bereits während der Wahl 2016 aufgebaut und sich dann mit dem Cambridge-Analytica-Skandal entladen. "Aber für Google könnte sich das Blatt wenden. Ich glaube nicht, dass man dort denkt, wir haben alles richtig gemacht. Ich glaube, sie sind erleichtert, dass sie bisher nicht unter Beschuss stehen", sagt er.

Google-Entwicklerkonferenz
Markus Schuler, ARD Los Angeles
08.05.2018 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Mai 2018 um 11:41 Uhr.

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