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Konflikt im Kongo

"Wir mussten um unser Leben laufen"

Etwa 100.000 Menschen sind in den vergangenen Wochen vor den Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und Rebellen im Kongo geflohen. Rund um die Provinzhauptstadt Goma beginnt nun die Verteilung von Nahrungsmitteln. Doch die Versorgung der Flüchtlinge ist schwierig.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi, zzt. Goma

Flüchtlinge im Kongo bringen sich vor M23-Rebellen in Sicherheit
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Auf der Flucht: Salama Swaz aus der Stadt Sake im Kongo

Die Behausungen sind aus Stroh und ein paar Planen zusammengeschustert - nichts, was die Menschen wirklich vor dem Regen schützt, der im Moment in Goma fast jede Nacht runterkommt. Das Lager Muganga etwas außerhalb der Provinzhauptstadt ist einer der Anlaufpunkte für die Flüchtlinge, die sich vor den M23-Rebellen in Sicherheit bringen. Salama Swaz kam vor zwei Tagen mit ihren fünf Kindern hier an. Der Kleinste ist noch ein Baby - sie trägt ihn in einem Tuch auf dem Rücken. "Wir sind hier hergekommen, weil überall geschossen wurde. Uns blieb gar nichts anderes übrig, als um unser Leben zu laufen", sagt Salama.

Die junge Frau kommt aus Sake, einer Stadt etwa 30 Kilometer von Goma, die lange zwischen Regierungssoldaten und Rebellen umkämpft war. Jetzt hat aber auch hier die M23 die Kontrolle. Insgesamt sind in den vergangenen Wochen etwa 100.000 Menschen geflohen, schätzen die Vereinten Nationen. Ihre Versorgung ist schwierig, weil der Transport zum Teil gefährlich ist. Aber um Goma beginnt jetzt die Verteilung von Nahrungsmitteln, sagt der Leiter des Welternährungsprogramms hier, Wolfram Herfurth.

Kleine Rationen für 80.000 Menschen

"Heute werden in diesen Simultanaktionen ungefähr 80.0000 Leute mit kleinen Rationen unterstützt. Die kriegen eine Drei-Tages-Ration aus vier Produkten", sagt Herfurth. Maismehl, Öl, Salz und ein paar Bohnen - ein sehr überschaubares Paket.

Zehntausende nach Rebellen-Offensive im Kongo auf der Flucht
nachtmagazin 00:55 Uhr, 24.11.2012, Birgit Virnich, ARD Nairobi

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"Warum nur also diese kleine Menge? Das ist keine Frage der Großzügigkeit. Es ist einfach eine Frage des Schutzes. Erstens müssen die Leute das auf ihrem Kopf tragen. Und zweitens würden größere Mengen vielleicht dazu führen, dass Frauen vergewaltigt oder beraubt werden - es wäre ein Schutzproblem", so Herfurth.

Nur wenige Flüchtlinge wagen die Heimkehr

Das Welternährungsprogramm setzt darauf, dass zumindest ein Teil der Flüchtlinge wieder in die Heimatdörfer zurückkehrt. Nördlich von Goma habe sich die Lage entspannt, sagt Herfurth. Die Menschen bekommen noch einen Eimer für Wasser und Seife. Damit sollen sie den Heimweg antreten. Doch das werden wohl nur wenige wagen.

"Ich würde gern wieder nach Hause", sagt ein älterer Mann. "Aber das ist zu gefährlich. Jetzt wird es uns hier hoffentlich besser gehen, weil wir Essen bekommen."

Welternährungsprogramm verteilt Notrationen an Flüchtlinge im Kongo
A. Diekhans, ARD Nairobi zzt. Goma
24.11.2012 20:45 Uhr

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Über Lautsprecher werden die Flüchtlinge aufgefordert, sich zu registrieren und anzustellen. Das Welternährungsprogramm arbeitet mit Partnerorganisationen zusammen, um die Ausgabe der Nahrungsmittel zu organisieren. "Das hier ist die Verteilungsstelle", sagt Dominic Keyzer von World Vision. "Die Leute kommen und wir überprüfen, ob ihr Name auf der Liste steht. Dann stellen sie sich an, um ihre Essensration abzuholen."

Auch Salama reiht sich mit ihrem Baby auf dem Rücken in die Schlange ein. Der Kleine ist in einem anderen Lager geboren. Für die junge Frau ist es das dritte Mal in den vergangenen Monaten, dass sie geflohen ist. Aus dem Süden nach Goma, dann nach Sake, jetzt wieder nach Goma. Salama fürchtet die Regierungssoldaten genauso wie die M23-Rebellen.

Aber sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich die Situation irgendwann entspannt: "Ich wünsche mir für meinen Sohn, dass er in einem Land ohne Krieg aufwächst. Er soll gesund sein und genug zu essen bekommen. Er soll ein besseres Leben als ich haben."

Stand: 24.11.2012 21:27 Uhr

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