Eisberge schwimmen im Nuup Kangerlua-Fjord (Grönland), nachdem sie von einem Gletscher im Südwesten Grönlands abgebrochen sind. | Bildquelle: dpa

Golfstrom schwächt sich ab Wärmer, kälter und langsamer

Stand: 11.04.2018 20:48 Uhr

Der Golfstrom gilt als Wärmespender für Europa. Wissenschaftler können nun belegen, dass sich dessen Strömung abschwächt. Und sie haben dafür auch einen Verursacher ausgemacht.

Von Detlef Reepen, WDR

Im Grunde stammt der Golfstrom aus den Gefilden vor Westafrika, zieht einmal quer über den Atlantik, durchströmt die Karibik und sammelt dabei viel warmes Wasser ein, fließt anschließend entlang der Küste von Florida, kreuzt erneut den Atlantik Richtung Europa und erreicht schließlich den Nordatlantik südlich von Grönland.

Verlauf des Golfstroms | Bildquelle: WDR
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Im Grunde stammt der Golfstrom aus den Gefilden vor Westafrika.

Dort sinkt der Golfstrom normalerweise in tiefere Wasserschichten ab. In der Tiefsee verlässt er an der Ostspitze Kanadas die Küstenregionen und erreicht in einem Zickzackkurs wieder den Südatlantik, wo er erneut in oberflächennahe Wasserschichten aufsteigt.

Absinken im Norden gestört

Die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der US National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA und der Universität Madrid fanden nun den "Fingerabdruck einer Abschwächung dieser Meeresströmungen", sagt die Hauptautorin Levke Caesar vom PIK: Der Ozean südlich von Grönland habe sich deutlich abgekühlt, die Meeresregion entlang der US-Ostküste dagegen sei in den Messreihen ungewöhnlich warm gewesen.

Denn der warme Golfstrom entlang der US-Küste habe sich nach Norden verlagert und bleibe länger in Küstennähe als die letzten tausend Jahre zuvor. Um 15 Prozent sei der Golfstrom in den vergangenen rund 70 Jahren langsamer geworden, haben die Messungen ergeben.

Levke Casar | Bildquelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung | Bildquelle: Potsdam-Institut für Klimafolge
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Levke Casar ist Forscherin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und maßgeblich an der Studie beteiligt. | Bildquelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Ursache Temperatur, Salzgehalt, Dichte

Warmes Meerwasser schwimmt oben, aber wenn es in nördlichen Gewässern ankommt, wird es normalerweise stetig kälter und dichter und damit schwerer, es sinkt ab in tiefere Meeresschichten. Anschließend wird es wie von einer Pumpe tief unten im Atlantik wieder Richtung Süden gesaugt und im Südatlantik und in der Karibik wieder aufgewärmt.

Der Klimawandel aber stört dieses Golfstromsystem, indem er es verlangsamt. "Mit der globalen Erwärmung, verstärkten Regenfällen sowie Schmelzwasser aus dem arktischen Meereis und Grönlandeis wird das Wasser des Nordatlantiks verdünnt, sein Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser ist weniger dicht und damit weniger schwer - was es für das Wasser schwieriger macht, von der Oberfläche in die Tiefe zu sinken", erklärt Alexander Robinson von der Universität Madrid diese wahrscheinliche Ursache des verlangsamten Golfstroms. Und Stefan Rahmsdorf vom PIK nennt den Klimawandel die plausibelste Erklärung dafür. Auch weil die neuen Messungen mit zahlreichen theoretischen Berechnungen aus früheren Jahren übereinstimmten.

Der Golfstrom und die Regionen, in denen veränderte Wassertemperaturen gemessen wurden. | Bildquelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
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Der Golfstrom und die Regionen, in denen veränderte Wassertemperaturen gemessen wurden. | Bildquelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Meeresspiegelanstieg und Störung der Wettermuster

Frühere Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass ein verlangsamter Golfstrom den Meeresspiegel vor der US-Ostküste verstärkt ansteigen lässt und Küstenstädte wie New York und Boston vor Probleme stellen wird. Auch die Zugbahnen von Stürmen, die vom Atlantik kommen und Europa treffen, würden gestört: Der europäische Hitzesommer 2015 wird mit der Rekordkälte im Nordatlantikoberflächenwasser in Verbindung gebracht.

Klingt paradox, aber ein kalter Nordatlantik führt dazu, dass verstärkt warme Luft aus dem Süden nach Europa gelangt. Die Abkühlung des Nordatlantiks könne allerdings die überdurchschnittliche Erwärmung der Luft in der Arktis nicht kompensieren, sagt Stefan Rahmsdorf.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 12. April 2018 um 07:23 Uhr im "Morgenecho".

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