Stillgelegtes Gleis an der Bahnstrecke zwischen Walbrzych und Breslau | Bildquelle: dpa

Suche nach angeblichem Nazi-Schatz Geisterzug statt Goldzug?

Stand: 15.12.2015 17:05 Uhr

Sagenhafte 300 Tonnen Gold sollen die Nationalsozialisten mitsamt eines Panzerzuges in Polen vergraben haben. Seit Monaten erlebt das Land deswegen eine Schatzsuche. Wissenschaftler gießen nun Wasser in den Wein: Sie konnten bis zuletzt keine Spur des angeblichen "Nazi-Goldzugs" finden.

Es ist einfach zu verlockend: Was könnte man mit 300 Tonnen Gold nicht alles anfangen. Der Legende zufolge hatte die Wehrmacht auf ihrer Flucht vor der Roten Armee Anfang 1945 in Niederschlesien einen mit Gold beladenen Zug im Untergrund versteckt. Immer wieder wurde nach dem sagenumwobenen "Nazi-Goldzug" gesucht.

Piotr Koper und Andreas Richter sind überzeugt, dass sie den legendären Goldzug gefunden haben. | Bildquelle: dpa
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Piotr Koper und Andreas Richter sind überzeugt, dass sie den legendären Goldzug gefunden haben.

Bisher konnte für seine Existenz aber nie ein tatsächlicher Beweis gefunden werden. Zuletzt hatten sich ein deutscher und ein polnischer Hobbyhistoriker gemeldet und behauptet, den Zug in einem unterirdischen Versteck entdeckt zu haben. Auslöser für eine erneute monatelange Schatzsuche in Polen. Andreas Richter und Piotr Koper präsentierten jetzt ihre Untersuchungsergebnisse. Darin verwiesen sie auf Anomalitäten in Bodenradarbildern, die auf einen Schatz aus dem Zweiten Weltkrieg hindeuteten. "Hier ist ein Tunnel zu erkennen, der Eingang ist deutlich zu sehen", erläuterte Koper. Die beiden Männer beanspruchen zehn Prozent des Schatzes als Finderlohn.

Wissenschaftler als Spielverderber

Es haben sich jetzt aber auch polnische Wissenschaftler zu Wort gemeldet, die in Niederschlesien keine Spur des angeblichen Goldzugs finden konnten. "Nach unseren Erkenntnissen gibt es vielleicht einen Tunnel in dem Gebiet, aber keinen Zug", sagte der Geologe Janusz Madej von der Wissenschaftlich-Technischen Universität in Krakau.

Großer Andrang bei der Vorstellung der Suchergebnisse von Wissenschaftlern wie Hobbyhistorikern in Walbrzych. | Bildquelle: dpa
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Großer Andrang bei der Vorstellung der Suchergebnisse von Wissenschaftlern wie Hobbyhistorikern in Walbrzych.

Die polnische Eisenbahn PKP hatte zuletzt eigens ein Waldstück an einer Bahnstrecke nahe der Stadt Walbrzych (Waldenburg) gerodet, um die Untersuchungen zu ermöglichen. Die Forscher verwendeten für ihre Suche ein Messgerät, das winzige Verzerrungen im Erdmagnetfeld feststellen kann. Zusätzlich kamen Metalldetektoren und Bodenradar zum Einsatz. Die Geologen kamen aber zu dem Schluss, dass sich zu wenig Eisen im Boden befindet, um auf einen Zug schließen zu können.

Das alles wird die Legende aber sicher nicht sterben lassen. Denn kaum etwas ist verlockender als der Traum von 300 Tonnen glänzendem Edelmetall, die nur darauf warten, von einem tapferen Schatzsucher gehoben zu werden.

Dieser Beitrag lief am 03. Oktober um 17:41 Uhr im Deutschlandfunk.

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