Ein Bauer besprüht mit Unkrautvernichtungsmittel sein Feld. | Bildquelle: dpa

EU-Gutachten Wie geht es weiter mit Glyphosat?

Stand: 25.01.2017 02:46 Uhr

Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. Und einer der umstrittensten. Ein EU-Gutachten soll nun klären, ob er krebserregend ist oder nicht.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Helsinki, Annastraße 18. An der schmalen Straße steht ein riesiges Gebäude aus rotem Backstein. Das ist die Europäische Chemikalienagentur, kurz ECHA. Hier entsteht ein neues Gutachten über Glyphosat. Die Wissenschaftler sollen die Frage beantworten: Ist Glyphosat krebserregend - ja oder nein?, so Jack de Bruijn, der Leiter des Risiko-Managements.

Jack de Bruijn | Bildquelle: Karin Bensch
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Jack de Bruijn leitet das ECHA-Risiko-Management.

Chemielabore mit rauchenden Reagenzgläsern und farbigen Fläschchen gibt es hier allerdings nicht. Die Mitarbeiter arbeiten mit Papier: Sie vergleichen, analysieren und bewerten Studien. Wäre es nicht unabhängiger, eigene Laboruntersuchungen durchzuführen?

Wissenschaftler interpretieren Beweise neu

ECHA ist nicht dafür ausgelegt, eigene Studien zu machen, sagt Arunas Vinciunas, zuständig für Gesundheit bei der EU-Kommission. Darüber hinaus bestehe der Wert nicht darin, eine weitere neue Untersuchung durchzuführen. Die wichtige Frage für die Wissenschaftler sei vielmehr, welche Beweise es gebe und wie diese Beweise interpretiert werden können.

"Im Moment sind wir dabei, uns aus all den vielen Informationen und Bewertungen eine Meinung zu bilden, die wir bald vorlegen werden", sagt Ari Karjalainen, der wissenschaftliche Leiter bei ECHA. Der erste Entwurf soll im März auf dem Tisch liegen, das Ergebnis im Sommer.

Schild der Echa | Bildquelle: Karin Bensch
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Die Europäische Chemikalienagentur sitzt in Helsinki.

Glyphosat könnte verboten werden

Sollte die Europäische Chemikalienagentur zu dem Ergebnis kommen, dass Glyphosat nicht krebserregend ist, dann könnte die Zulassung für den Unkrautvernichter in der EU verlängert werden. Sollte ECHA aber zu dem Schluss gelangen, dass Glyphosat tatsächlich krebserregend ist, dann dürfte der Wirkstoff in der Europäischen Union nicht mehr verwendet werden. Nachweislich krebserregende Stoffe sind in Europa verboten, sagt Arunas Vinciunas von der EU-Kommission.  

Die Frage, ob Glyphosat tatsächlich Krebs auslösen kann, wird seit Jahrzehnten diskutiert. Seitdem türmen sich Studien über Studien. Ein eindeutiges Ergebnis haben sie alle bislang nicht gebracht. Die Klarheit fehlt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Italien sind der Ansicht, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Dagegen sagt die Internationale Behörde für Krebsforschung in Frankreich, Glyphosat ist "wahrscheinlich krebserregend".

Parkinson und Krebs durch Pflanzenschutzmittel?

Dieser Ansicht ist auch Juha Aromaa von Greenpeace in Helsinki. Parkinson und Alzheimer seien Krankheiten, die mit Pflanzenschutzmitteln in Verbindung gebracht werden, sagt der Umweltschützer. Aber Krebs sei die erheblichste Erkrankung.

Juha Aromaa | Bildquelle: Karin Bensch
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Juha Aromaa von Greenpeace hält Glyphosat für krebserregend.

Wie will die Europäische Chemikalienagentur in Helsinki nun das schaffen, was anderen renommierten Instituten zuvor nicht gelungen ist? Wie will ECHA zu einem eindeutigen "Ja" oder "Nein" zur Krebsgefahr von Glyphosat gelangen?

Milliardenumsätze mit Glyphosat

"Das ist genau die Herausforderung, der wir uns jetzt stellen müssen", sagt der finnische Wissenschaftler Ari Karjalainen. Das Ergebnis von ECHA werde eine ausbalancierte Einschätzung.

Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. Und einer der umstrittensten. Chemiekonzerne machen Milliardenumsätze im Jahr mit der Chemikalie. "Viele erwarten gespannt das Ergebnis", sagt Jack de Bruijn, der Leiter des Risiko-Managements bei ECHA.

Zukunft von Glyphosat ungewiss
K. Bensch, ARD Brüssel
24.01.2017 13:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Januar 2017 um 13:09 Uhr

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