Blick auf den Aletsch-Gletscher in der Schweiz | Bildquelle: dpa

Studie von Schweizer Forschern Gletscher schmelzen in Rekordtempo

Stand: 03.08.2015 22:33 Uhr

Die Gletscher verlieren mehr Eis als jemals zuvor. Diese alarmierende Beobachtung veröffentlichten Schweizer Forscher auf Grundlage weltweit erhobener Messdaten. Weltweit schrumpft die Eisdecke demnach um bis zu einen Meter - mit fatalen Folgen.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Seit mehr als 120 Jahren sammelt der Welt-Gletscher-Beobachtungsdienst Daten über die Gletscher in aller Welt. Die Forscher bohren die Gletscher an, vermessen ihre Dicke, ihre Ausdehnung und registrieren die Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegen. Fast immer mussten die Wissenschaftler dabei feststellen, dass die aus Schnee entstandenen Eismassen abschmelzen. In den ersten 10 Jahren des 21. Jahrhunderts aber reduzierten sich die Gletscher mit einem ungewöhnlich hohen Tempo: "Wir haben kein Jahrzehnt gefunden, das wir mit Beobachtungen belegen können, das dieses toppt", erläutert Michael Zemp. Er ist der Direktor des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes und Autor der jetzt veröffentlichten Studie.

Weltweit schrumpft die Eisdicke der Gletscher demnach jedes Jahr um bis zu einen Meter. Um zu verdeutlichen, was das bedeutet, führt Zemp einen Vergleich an: "Wenn Sie das jetzt global zusammenzählen, verlieren wir jedes Jahr dreimal die Vergletscherung der gesamten Alpen."

Alpen sind besonders betroffen

Gerade die Alpen sind besonders betroffen von der großen Schmelze. Aber auch Gletscher in Alaska, Island, Grönland und an der nordamerikanischen Westküste verlieren mehr und mehr Eis.

Doch nicht überall auf der Welt schrumpfen die Gletscher - und vereinzelt konnte sogar ein Wachstum von Gletschern beobachtet werden. "Kürzlich hatten wir das in Norwegen. Die Küstengletscher Norwegens konnten in den 1990er-Jahren an Masse zulegen und sind ein Stück vorgestoßen, ein paar hundert Meter. Seit dem Jahr 2000 verlieren sie wieder an Masse und ziehen sich weiter zurück."

Gletscher Zugspitze | Bildquelle: dpa
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Der Zugspitzen-Gletscher wir alljährlich im Sommer gegen die Wärme mit Lkw-Planen geschützt. Man erhofft sich von dieser Aktion, Deutschlands einzigen Gletscher möglichst lange erhalten zu können.

Die Forderung: CO2-Ausstoß dringend reduzieren

Die Ursache für die Gletscherschmelze sei klar, berichtet Eisforscher Zemp: "Die Gletscheränderungen sind ohne Zweifel ein Resultat des Klimawandels." Um die Gletscher, die 70 Prozent des weltweiten Süßwassers speichern, zu retten, müsse der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids dringend reduziert werden, sagt der Schweizer Wissenschaftler, auch wenn das nicht sofort einen Effekt hätte. "Wir sehen leider jetzt schon, dass die Gletscher stark aus dem Gleichgewicht sind. Selbst wenn wir die Emissionen morgen sofort stoppen, per Beschluss oder wie auch immer, würden die Gletscher weiter schmelzen für die nächsten zehn bis 20 Jahre."

Gletscher gegen Wärme einwickeln

Trotzdem sei eine CO2-Reduzierung der richtige Weg, ergänzt Zemps Fachkollege Matthias Huss von der Technischen Hochschule Zürich ETH. Denn andere Methoden, sich gegen die Gletscherschmelze zu stemmen, seien auf weltweiter Ebene nicht praktikabel: "Es gibt die sehr punktuellen Maßnahmen, in dem man Gletscher mit Decken abdeckt. Das ist lokal sehr effizient, aber nicht machbar in einem größerem Rahmen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, der punktuell effizient ist, aber nicht auf größerer Skala."

Die Schweizer Forscher warnen: Werde das Schmelzen der Gletscher nicht gestoppt, steige der Meeresspiegel, und in den Bergregionen wächst die Gefahr von Erdrutschen.

Gletscher schmelzen schnell wie nie
D. K. Mäurer, ARD Zürich
03.08.2015 23:28 Uhr

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