Carles Puigdemont geht mit seiner Frau durch Girona. | Bildquelle: REUTERS

Katalonien Gemischte Gefühle in Girona

Stand: 30.10.2017 01:45 Uhr

In seiner Heimatstadt Girona ist der katalanische Regierungschef Piugdemont für viele ein Held, hier war er jahrelang Bürgermeister. Doch auch in der Separatistenhochburg sind viele entsetzt über den Streit mit Spanien.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Samstagnachmittag in Girona. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont schlendert mit seiner Frau durch die Stadt. Immer wieder klopfen ihm Menschen auf die Schulter. Oder machen ein Selfie mit ihm. Puigdemont genießt es sichtlich.

In Madrid mag Puigdemont für manche ein Putsch-Dämon sein. Hier in Girona ist er für viele ein Held. Immer noch. Auch für Jordi, der mit Frau und Kind einen Stadtbummel macht. Er sagt: "Ich finde ihn sehr gut. Mir gefällt es, was er macht und wie er es macht. Puigdemont hat doch immer versucht, einen Dialog hinzubekommen. Was er verspricht, tut er. So ist nicht jeder hier."

Girona ist jetzt auch für Puigdemont berühmt

Girona ist eine 100.000 Einwohner-Stadt im Nordosten von Katalonien, kurz vor der Grenze zu Frankreich. Sie ist berühmt für ihre verwinkelte Altstadt, ihre imposante Kathedrale - und neuerdings auch dafür, die Heimat von Carles Puigdemont zu sein. Kamerateams belagern das Rathaus, in dem er mehr als vier Jahre lang Hausherr war. Seit Freitag weht dort keine spanische Fahne mehr auf dem Dach.

An der Kasse der Buchhandlung "Libreria Les Voltes", die - direkt am Rathaus gelegen - damit wirbt, seit 50 Jahren für die Unabhängigkeit Kataloniens zu kämpfen, sagt eine Mitarbeiterin: "Jetzt, wo die Republik Katalonien ausgerufen worden ist, ist das, was Spanien macht, nicht mehr Sache der Katalanen. Ob sie Puigdemont jetzt absetzen oder nicht, ist uns doch egal. Ich fühle mich schon in der Republik Katalonien."

Girona-Fans feiern einen Sieg gegen Real Madrid | Bildquelle: dpa
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Die Menschen in Girona feierten nicht nur Puigdemont, sondern auch die Fußballer vom FC Girona. Denn der Klub feierte am Sonntag einen Überraschungsserfolg gegen Real Madrid. Die politische Situation in Katalonien war auch Thema im Stadion.

"Die Spanier haben verloren"

Sie erzählt, dass sie Puigdemont "vom Sehen und Grüßen" kennt. "Er war ein sehr zugänglicher Bürgermeister. Immer war er zu Fuß unterwegs und hat seine Kinder selbst zur Schule gebracht. Er wird weitermachen mit seinem Vorhaben, bis zum Schluss. Die Spanier haben die Schlacht schon verloren."

So wie sie denken viele in Girona. Die Stadt ist seit langem eine Separatisten-Hochburg. Bei den Regionalwahlen 2015 bekamen deren Parteien hier insgesamt fast zwei Drittel der Stimmen. An den Häusern hängen teils meterlange Separatistenflaggen. Den Beschluss, eine Republik Katalonien zu feiern, haben sie hier am Freitag heftig gefeiert.

Katalanen feiern dieser Tage ihre Kultur

Gefeiert wird in Girona dieser Tage auch die katalanische Kultur, beim Volksfest "San Narcís". Auf einem Platz halten sich Männer, Frauen und Kinder fest an der Hand. Sie klettern aufeinander, um meterhohe Menschenpyramiden zu formen, die sogenannten "Castells". Eine jahrhundertealte Tradition, die auch als Symbol für die Einheit Kataloniens gilt. Das Thema Unabhängigkeit spaltet die Katalanen.

Doch viele sind sich einig: "Wir wollen die Republik, aber die Zentralregierung lässt uns nicht! Sie will einfach nicht, dass wir uns abspalten. Deswegen sind wir schon ziemlich verärgert", sagt eine Frau. "Sie haben eben die Macht“, sagt ihre Begleiterin. "Aber mit der Zeit bekommen wir die Unabhängigkeit. Wenn auch vielleicht noch nicht jetzt."

Manche schütteln nur den Kopf

Enttäuschung ist bei vielen zu spüren. Tiefer Zorn dagegen kaum. Aber auch in Girona gibt es jene, die über all das nur den Kopf schütteln können. Rafael und Manuel Cruz zum Beispiel. Die beiden alten Herren stehen vor einem Antiquitätengeschäft. In altmodischer Uniform und mit Gewehr, um Touristen anzulocken.

Manuel ist vor über 50 Jahren aus Andalusien nach Girona gekommen. Längst fühlt er sich als Katalane. Aber die Sache mit der Unabhängigkeit will ihm nicht in den Kopf: "Die sind doch alle verrückt geworden, auf beiden Seiten. Uns geht es doch gut hier in Spanien, und besonders in Katalonien", sagt er. "Wir leben gut, da brauchen wir doch diese Probleme nicht." Das würde er auch seinen katalanischen Freunden sagen. "Aber die leben längst in einer anderen Welt!"

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 29. Oktober 2017 um 14:36 Uhr und NDR Info am 30. Oktober 2017 um 07:39 Uhr.

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