Kim Jong Nam auf dem Flughafen in Peking (Aufnahme aus dem Jahr 2007) | Bildquelle: AP

Tod von Kim Jong Nam Mysteriöser Giftmord vor Gericht

Stand: 02.10.2017 10:43 Uhr

13. Februar, Flughafen Kuala Lumpur. Zwei Frauen greifen einen Mann mit einem nassen Lappen an. Der Mann stirbt. Später wird klar: Der Tote ist der Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim. Er starb am Nervengift VX. Ein Auftragsmord? Nun hat der Prozess begonnen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Südostasien

Mit gesenktem Kopf, in Handschellen und schusshemmenden Westen sind die beiden Frauen an Dutzenden Reportern vorbei in den Gerichtssaal in einem Vorort Kuala Lumpurs geführt worden. Der 25 Jahre alten Indonesierin und der 29-jährigen Vietnamesin drohen bei einer Verurteilung wegen Mordes die Todesstrafe. Die Frage ist dabei nicht, ob sie Kim Jong-Nam töteten - es steht fest, dass sie dem Halbbruder des nordkoreanischen Diktators auf dem Flughafen von Kuala Lumpur das Nervengift VX ins Gesicht rieben. Die Frage ist, ob sie wussten, was sie taten.

Auftakt im Giftmordprozess
tagesschau 12:00 Uhr, 02.10.2017, Sandra Ratzow, ARD Singapur

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Anwalt plädiert auf "nicht schuldig"

Die Angeklagten behaupten, an einen Fernsehstreich geglaubt zu haben, ähnlich der versteckten Kamera. Ein angeblicher TV-Produzent habe ihnen 100 Dollar gegeben, damit sie Männer mit einem nassen Waschlappen erschrecken. Ihr Anwalt plädierte daher heute auf "nicht schuldig".

Mehr als 100 Zeugen sollen vom Gericht gehört werden, Videoaufzeichnungen der Flughafen-Überwachungskameras vorgeführt werden. Selten ist ein Tathergang so gut dokumentiert - und selten sagt das so wenig über die tatsächlichen Hintergründe, Planungen und beteiligten Täter.

Auftragsmord aus Pjöngjang?

Alle Spuren weisen nach Pjöngjang. Malaysias Premierminister Najab Razak geht davon aus, dass Nordkoreas Machthaber den Mordbefehl erteilt hatte. Auch Geheimdienstexerten sind von einem Auftragsmord aus Pjöngjang überzeugt. Dabei war Kim Jong Nam keine Gefahr für seinen mächtigen Bruder. Der gemeinsame Vater Kim Jong-Il hatte den unehelichen Sohn schon früh von der Machtfolge ausgeschlossen, nachdem dieser in Tokio mit einem gefälschten Pass erwischt worden war. Er habe Disneyland besuchen wollen, sagte Kim Jong Nam damals. Vor allem aber hatte er das Regime blamiert.

Kim Jong Nam ging ins Exil nach Macau, und er schien nicht unglücklich zu sein über die Entscheidung des Vaters. "Ehrlich gesagt, ich interessiere mich nicht für Politik", gab er einem Reporter gegenüber zu.

Allerdings machte er keinen Hehl daraus, dass er den kleinen Bruder in Pjöngjang für unfähig hielt, und Kim Jong Un hatte schon öfter gezeigt, dass er wenig Skrupel hat, verwandtes Blut zu vergießen. Vor Jahren trachtete er Kim Jong Nam schon einmal nach dem Leben, seine Agenten wurden jedoch in Südkorea enttarnt und verhaftet.

Kim Jong Nam | Bildquelle: AP
galerie

Kim Jong Nam (Archivfoto von 2001) lebte mit seiner Familie in Macau im Exil.

Kims Halbbruder tauchte unter

Kim Jong Nam schrieb daraufhin einen Brief an den jüngeren Bruder, in dem er ihn anflehte, seine Familie zu verschonen. Er muss geahnt haben, dass sein Bruder sich nicht würde erweichen lassen, denn er lebte mit seiner Familie ein Leben im Verborgenen. "Irgendwann kam er nicht mehr zu unseren Verabredungen", erzählt sein Freund Alex Hwang. "Er ist komplett untergetaucht, weil er sich vor der Rache seines Bruders fürchtete. Warum tötet Kim Jong Un? Weil sein Regime nicht stabil ist, weil er niemandem traut, weil er Angst hat."

Am 13. Februar dieses Jahres war der 45-Jährige dann am Flughafen in Kuala Lumpur. Mit einem Billigflieger wollte er nach Macau. Es dauerte seine Zeit, bis die Leiche identifiziert wurde, denn Kim Jong Nam reiste mit falschem Pass.

Sein Tod führte zu ernsthaften diplomatischen Verwerfungen zwischen Nordkorea und Malaysia, die bis heute anhalten. Beim Prozess gegen die mutmaßlichen Mörderinnen sitzt der nordkoreanische Diktator quasi unsichtbar mit auf der Anklagebank. Eine Verbindung zwischen dem Regime in Pjöngjang und den beiden Frauen wird sich aber kaum belegen lassen.

Spionagethriller im Gerichtssaal
Holger Senzel, ARD Singapur
02.10.2017 10:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2017 um 05:00 Uhr.

Korrespondent

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Holger Senzel, NDR

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