Ortsschild von Chan Scheichun | Bildquelle: AFP

Syrisches Chan Scheichun Russland will neuen UN-Bericht zu Giftgasangriff

Stand: 03.11.2017 05:05 Uhr

Ein UN-Expertenbericht wirft dem syrischen Militär vor, für den Giftgasangriff in der Stadt Chan Scheichun verantwortlich zu sein. Dagegen protestiert Syriens Verbündeter Russland und will nun offenbar erwirken, dass die UN einen neuen Bericht anfertigen.

Russland will offenbar erwirken, dass die Vereinten Nationen einen Expertenbericht zu einem verheerenden Giftgasangriff in Syrien zurücknehmen und neu anfertigen lassen. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte aus einem Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat, der vom Ermittlerteam verlangt, seine Erkenntnisse zum Angriff auf Chan Scheichun im April zurückzunehmen, bis eine "umfassende und hochqualitative Ermittlung" vor Ort möglich werde.

Zuvor hatte Russland bereits seine Kritik an dem internationalen Bericht bekräftigt und das Vorgehen der Ermittler scharf verurteilt. Die Untersuchungen seien ausschließlich aus der Ferne erfolgt und nicht vor Ort, sagte der Beauftragte für Rüstungskontrolle im Außenministerium, Michail Uljanow. Das Gutachten sei daher "sehr oberflächlich, unprofessionell und amateurhaft". "Statt einer ernsthaften Untersuchung sehen wir eine Simulation."

"Indizien nicht aussagekräftig"

Vor wenigen Wochen hatte der sogenannte Joint Investigative Mechanism (JIM) dem syrischen Militär einen Chemiewaffenangriff auf die Stadt Chan Scheichtun am 4. April mit mehr als 80 Toten vorgeworfen. JIM ist das gemeinsame Untersuchungsteam der Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW).

Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete mehrere Indizien aus dem Bericht als nicht aussagekräftig. Es hielt den Ermittlern vor, nicht auf die Möglichkeit einzugehen, dass damals eine selbstgebaute Bombe explodiert sei. Das Ministerium verwies dabei unter anderem auf die Analyse von Fotos.

Der Giftgasangriff auf die von Rebellen gehaltene nordwestsyrische Ortschaft Chan Scheichun, hatte weltweit für Empörung gesorgt. US-Präsident Trump reagierte kurz nach dem Chemiewaffeneinsatz mit einem Vergeltungsangriff auf einen syrischen Militärflughafen, von dem aus der Giftgasangriff gestartet worden sein soll.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. November 2017 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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