Eine Luftaufnahme von Gibraltar

Vorfall vor Gibraltar Britische Warnschüsse auf spanisches Schiff

Stand: 21.11.2016 18:09 Uhr

Neuer Zwischenfall vor Gibraltar: Die britische Marine hat Leuchtraketen auf ein spanisches Forschungsschiff abgefeuert. Die "Angeles Alvariño" soll unerlaubt in britisches Gewässer eingedrungen sein. Die Regierung in Madrid sieht das ganz anders.

Der Streit um die Halbinsel Gibraltar sorgt für neue Spannungen zwischen Großbritannien und Spanien: Ein spanisches Forschungsschiff soll ohne Erlaubnis in britische Gewässer eingedrungen sein, woraufhin die britische Marine Leuchtraketen in seine Richtung abfeuerte. Wie die Zeitung "The Guardian" berichtete, seien Versuche, die spanische "Angeles Alvariño" per Funk zu kontaktieren, zuvor fehlgeschlagen. Das Schiff untersuchte demnach den Boden der Algeciras-Bucht. Nach den Warnschüssen verließ das Schiff britische Gewässer.

Das britische Verteidigungsministerium kündigte an, wegen des Vorfalls, der sich bereits am Sonntag ereignet hatte, diplomatischen Protest bei der spanischen Regierung einzulegen. Der Regierungschef von Gibraltar, Fabian Picardo, kritisierte das "verantwortungslose Verhalten" von beteiligten spanischen Schiffen, wie der "Gibraltar Chronicle" berichtete. Er begrüßte es, dass die britische Marine "die uneingeschränkte Souveränität und Kontrolle über die britischen Territorialgewässer Gibraltars demonstriert" habe.

Karte von Gibraltar
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Die britische Exklave Gibraltar verfügt über einen Mittelmeerhafen und eine gemeinsame Grenze mit Spanien.

Britisch - spanisch - britisch?

Das spanische Außenministerium teilte auf Anfrage mit, man werde umgekehrt bei der britischen Regierung protestieren. Die Zeitung "El País" schrieb, nach Ansicht Spaniens gehörten die Gewässer, in denen sich der jüngste Konflikt ereignet habe, auch nach dem Vertrag von Utrecht zu Spanien. Der Vertrag sprach Gibraltar im Jahre 1713 Großbritannien zu.

Zwischen Spanien und Großbritannien - beides EU- und NATO-Mitglieder - gibt es immer wieder Streit um die Halbinsel. Gibraltar wirft Spanien regelmäßig vor, dass spanische Schiffe seine Hoheitsgewässer verletzten. Dass dabei die britische Marine Warnschüsse abfeuert, passiert allerdings selten. Nach Einschätzung des Ozeanographischen Instituts Spaniens (IEO) sei der Konflikt nicht schlimmer als frühere gewesen. Das Institut warnte allerdings vor einer nicht auszuschließenden Eskalation. 

Auf der kleinen Halbinsel an der Südspitze der iberischen Halbinsel leben derzeit rund 30.000 Menschen. Spanien wirft Großbritannien Kolonialismus und indirekt auch die Duldung von Schmuggel vor und fordert die Rückgabe.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. November 2016 um 11:13 Uhr.

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