Der künftige Präsident Ghanas, Akufo-Addo | Bildquelle: AFP

Wahl in Ghana Neue Regierung, große Erwartungen

Stand: 10.12.2016 01:05 Uhr

Mit einer deutlichen Mehrheit hat der bisherige Oppositionsführer Nana Akufo-Addo die Präsidentenwahl in Ghana gewonnen - vor allem mit dem Versprechen, mehr Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen. Ob er das wirklich schaffen kann, ist fraglich.

Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

53 Prozent der abgegebenen Stimmen hat Herausforderer Nana Akufo-Addo bekommen - das bescherte dem 72-Jährigen einen deutlich klareren Wahlsieg als erwartet. Zweimal hatte Akufo-Addo bereits versucht, Präsident Ghanas zu werden. Jetzt hat er es geschafft. Und der neue Präsident wird an seinen Versprechungen aus dem Wahlkampf gemessen werden.

Gestern wiederholte er noch einmal die Ankündigung, die ihm wohl letztlich zum Wahlsieg in dem westafrikanischen Staat mit seinen knapp 26 Millionen Einwohnern verholfen hat: "Sehr bald wird es eine neue Politik geben und sie wird Ghana neue Arbeitsplätze und Wachstum bringen.“

Hohe Jugendarbeitslosigkeit

Das ist genau das, worauf viele Ghanaer hoffen: Mehr Wirtschaftswachstum und damit neue Jobs. Die Weltbank schätzt, dass jeder zweite Ghanaer zwischen 15 und 24 Jahren keine Arbeit hat. In den vergangenen zwei Jahren waren wegen sinkender Rohstoffpreise viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Inflationsrate liegt deutlich über 15 Prozent.

Und viele Menschen ächzen unter der alltäglichen Korruption. Auch dagegen will der künftige Präsident vorgehen. "Mich widert es an, dass Korruption im Staatssektor wie ein Kavaliersdelikt behandelt wird", sagte Akufo-Addo noch während des Wahlkampfes. Und er hatte den bisherigen Präsidenten John Dramani Mahama für diese Misere verantwortlich gemacht.

Anhänger von Nana Akufo-Addo | Bildquelle: REUTERS
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Anhänger von Nana Akufo-Addo feiern den Wahlsieger.

Sehr bald schon wird die grassierende Korruption im Staatssektor das Problem des neuen Staatschefs ein. Und er wird darauf Antworten finden müssen. Experten wie Wirtschaftsprofessor Godfred Bokpin von der Universität Ghana sehen in der Korruption das zentrale Hindernis für eine wirtschaftliche Erholung des Landes: "Ghanas Grundproblem ist der Grad an Ineffizienz bei den öffentlichen Investitionen. Das liegt vor allem an Korruption und Verzögerungen. Wenn wir da keine Effizienz hineinkriegen, dann nützen auch höhere Staatseinnahmen nichts."

Wende in zwei Jahren?

Akufo-Addo behauptet, er brauche knapp zwei Jahre, um die Wirtschaft Ghanas wieder flott zu machen. Und er warb mit dem griffigen Slogan, in jedem Ort Ghanas müsse es mindestens einen Betrieb geben. Wie diese Betriebe entstehen, wer die Investoren angesichts extrem hoher Zinsen im ghanaischen Bankensektor sein sollen - das wird der künftige Präsident noch erklären müssen.

60 Prozent der Bevölkerung Ghanas ist jünger als 35 Jahre. Und oft ohne Job. Das hatte den bisherigen Präsidenten Mahama noch kurz vor der Wahl zu der Erkenntnis gebracht: "Wenn wir nicht schnell genug für Arbeit sorgen, dann wird das hier ein Pulverfass." Ghana ist hoch verschuldet, die Wirtschaft wächst in diesem Jahr um etwas mehr als drei Prozent. Das ist definitiv viel zu wenig, um ausreichend Arbeitslätze für die nachdrängende Jugend zu schaffen.

Ein Teil dieser Jugend feierte den Wahlsieg des neuen Hoffnungsträgers ausgelassen auf den Straßen von Ghanas Hauptstadt Accra. Ihre Erwartungen an den künftigen Präsidenten des Landes sind hoch. Sehr hoch.

Machtwechsel in Ghana: Neue Regierung, große Erwartungen
J. Borchers, ARD Rabat
10.12.2016 00:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2016 um 12:00 Uhr und Deutschlandradio Kultur am 10. Dezember 2016 um 06:10 Uhr.

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