US-Interessen in Georgien Öl-Transitland von überragender Bedeutung

Stand: 13.08.2008 09:21 Uhr

Der rhetorische Schlagabtausch zwischen Moskau und Washington im Kaukasus-Konflikt erinnerte an den Kalten Krieg. So warf Russland den USA vor, Georgien sei ein Satellitenstaat. Konfliktstoff birgt vor allem Georgiens überragende Bedeutung beim Öl-Transit.

Von Ralph Sina, ARD-Hörfunkstudio Washington

Es klang wie eine klassische Phrase aus dem Wörterbuch des Kalten Krieges. Georgien sei ein Satellitenstaat der USA und Ministerpräsident Michail Saakaschwili bekanntlich ein Statthalter der Amerikaner, behauptete Russlands stellvertretender Ministerpräsident Ivanov gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN. 

US-Präsident Bush fordert von Russland ein Ende des Militäreinsatzes in Georgien | Bildquelle: REUTERS
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US-Präsident Bush kritisierte das Vorgehen der russischen Streitkräfte scharf.

Und noch eines steht für den stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten fest: Die Amerikaner hätten durch ihre intensiven Waffenlieferungen an Georgien die Regierung in Tiflis zumindest indirekt zu ihrem Eingreifen in Südossetien ermutigt: "Amerika hat Georgiens Regierung immer wieder mit Militärberatern und Waffen versorgt. Und so bei Georgiens Präsidenten die Illusion erzeugt, er könne machen, was er wolle. Die USA würden schon zu ihm halten."  

Rüstungsgüter für eine Milliarde US-Dollar

Tatsache ist: Die Bush-Regierung hat Georgien in den letzten acht Jahren intensiv mit Schützenpanzern, Granat- und Raketenwerfern, Schlachtflugzeugen und Kampfhubschraubern aufgerüstet. Der Wert dieser Waffenlieferungen beläuft sich auf rund eine Milliarde Dollar. Und für Georgiens mächtigen Präsidenten Saakaschwili, der vor vielen Jahren in New York Jura studiert und eine Zeitlang für amerikanische Ölgesellschaften gearbeitet hatte, war US-Präsident Bush stets voll des Lobes.

Saakaschwilii sei fest entschlossen, alle Voraussetzungen für einen Nato-Beitritt zu erfüllen, betonte Bush bei seinem letzten Georgien-Besuch. Entsprechend verärgert war der US-Präsident, als er beim Bukarester Nato-Gipfel mit seinem Vorschlag scheiterte, die Kaukasus-Republik in das Bündnis aufzunehmen. Aus Sicht der amerikanischen Regierung ist das Öltransitland Georgien, durch das die gigantische Pipeline vom aserbaidschanischen Baku ins türkische Ceyhan läuft, ein Schlüsselstaat für die Ölversorgung des Westens.

"Verdammt harte politische Bandagen"

Man habe den Bau der Öl-Pipeline durch Georgien gegen den energischen Widerstands Russlands durchgesetzt, betont der amerikanische Georgien-Experte und Militärstratege Sam Gardiner im Washingtoner Radiosender WPFW: "Die USA haben mit verdammt harten politischen Bandagen gekämpft, um diese Pipeline vom kaspischen Meer durch Georgien Richtung Türkei  laufen zu lassen. Russland sollte außen vor bleiben. Immerhin transportiert diese Pipeline ein Prozent der täglichen weltweiten Ölförderung."     

Die Vorstellung, dass die vier Milliarden Dollar teure Georgien-Pipeline, an der unter anderem der US-Konzern Chevron beteiligt ist, jetzt in die Hände Russlands fallen könnte, ist für die US-Regierung ein Albtraum. Denn Georgien ist die entscheidende Transitstation Richtung kaspisches Meer. Und die dortigen Ölvorkommen - mit geschätzten 40 Milliarden Barrel die drittgrößten der Welt - sind aus US- Sicht von überragender strategischer Bedeutung, weil sie weder von den unberechenbaren OPEC-Staaten noch von Russland kontrolliert werden.

"Verhängnisvoller Fehler"

Das will Moskau mit seinen Angriffen auf Georgien schon bald ändern. Nach Ansicht des Georgien-Experten Gardiner war die bedingungslose Unterstützung der georgischen Regierung durch die USA ein verhängnisvoller Fehler: "Die USA haben bei der georgischen Regierung fatalerweise die Illusion erweckt, sie könne in Südossetien machen, was sie wollen." 

Für den US-Ölkonzern Chevron ist schon jetzt eine Vertragsklausel mit Georgien hinfällig. Im Krisenfall würde die georgische  Armee die Öl-Pipeline schützen, heißt es dort. Der Krisenfall ist da, doch gegen Russland ist Georgiens Armee machtlos. Daran ändern auch die 2000 bisher im Irak stationierten georgischen Soldaten nichts, die die USA eilig zurück Richtung Tiflis flogen.

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