Mattarella | Bildquelle: dpa

Staatspräsident Mattarella Eine wohlüberlegte Entscheidung

Stand: 11.12.2016 18:10 Uhr

In erstaunlicher Unaufgeregteheit hat Italiens Staatspräsident Mattarella einen Nachfolger für Ministerpräsident Renzi gefunden. Warum die Entscheidung für Außenminister Gentiloni eine Entscheidung zum Wohl Italiens ist, analysiert T. Forchheimer.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Verglichen mit vielen seiner Vorgänger ist der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella nicht wirklich eine charismatische Figur. Aber wenn es darauf ankommt, dann hat er die Lage im Griff. Das kann ihm nun keiner mehr absprechen.

Die Suche nach einem neuen italienischen Ministerpräsidenten hat Mattarella in erstaunlicher Unaufgeregtheit über die Bühne gebracht. In der Öffentlichkeit sprach er nur wenige, aber dafür wohlüberlegte Sätze, die von Anfang an deutlich machten, dass sich dieser Staatspräsident nicht treiben lässt, sondern dass da einer handelt, der das Wohl des Landes im Blick hat.

Italien - ein Land mit vielen Krisen

Eines Landes, das vom Rücktritt des Ministerpräsidenten in einem wirklich ungünstigen Moment erwischt wurde: Milliardenschäden in den Erdbeben-Gebieten, wacklige Banken und unklare Verhältnisse im Wahlrecht, dazu die fast schon gewohnten Probleme: hohe Staatsschulden und eine stagnierende Wirtschaft - das ist eine Gemengelage, die leicht zu einer echten Krise werden könnte, beispielsweise dann, wenn die Finanzmärkte das Vertrauen verlieren und die Zinsen für italienische Staatsanleihen massiv nach oben schrauben. Kaum etwas könnte Italien weniger gebrauchen. Danach sieht es im Moment aber nicht aus.

US-Außenminister John Kerry, sein italienischer Amtskollege Paolo Gentiloni sowie der deutsche Diplomat Martin Kobler während der Konferenz.
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Paolo Gentiloni mit seinem Amtskollegen John Kerry, und dem deutschen Diplomaten Martin Kobler.

Gentiloni genießt großes Vertrauen

Mit Paolo Gentiloni hat sich der Staatspräsident für einen Mann entschieden, der im Ausland großes Vertrauen genießt. Ganz ähnlich wie Finanzminister Pier Carlo Padoan, der im Vorfeld ebenfalls als künftiger Ministerpräsident gehandelt wurde, nun aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in Amt und Würden bleiben wird.

Auch das ist ein Signal an die Finanzmärkte: Läuft alles gut, hat Italien in wenigen Tagen eine komplette, neue Regierung, die von den bisherigen Parlamentsmehrheiten getragen wird. Deren Aufgabe wird es unter anderem sein, Neuwahlen vorzubereiten. Das ist nicht einfach in einem Land, in dem sich zumindest die Opposition in einem Dauerwahlkampf befindet - mit teilweise extrem schrillen und lauten Tönen.

Analyse: Gentiloni mit Regierungsbildung in Italien beauftragt
T. Forchheimer, ARD Rom
11.12.2016 16:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2016 um 06:18 Uhr.

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