Paolo Gentiloni | Bildquelle: AP

Porträt Paolo Gentiloni Der Besonnene

Stand: 12.12.2016 01:53 Uhr

Paolo Gentiloni wollte Bürgermeister von Rom werden. Er scheiterte bereits an der Vorwahl. Danach galt seine politische Karriere als beendet. Jetzt wird er neuer Ministerpräsident von Italien, auch wenn es wohl nur übergangsweise ist.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Vor ein paar Jahren wollte Paolo Gentiloni mal Bürgermeister von Rom werden - und scheiterte in der Vorwahl weit abgeschlagen. Viele sahen seine politische Karriere damals am Ende. Doch es kam anders. Statt Bürgermeister wird Gentiloni jetzt der Regierungschef Italiens. "Ich versuche, diese Aufgabe mit Würde und Verantwortung zu erfüllen", sagt er.

Ein bekennender Europäer

Das passt zu dem 62-jährigen Politikwissenschaftler mit den buschigen grauen Haaren und der Brille. Er gilt als besonnener, etwas farbloser Politiker. Als bisheriger Außenminister der italienischen Regierung ist er auch im Ausland bekannt und geschätzt, der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nennt ihn einen wunderbaren Kollegen.

Seine außenpolitische Erfahrung könnte ihm zugute kommen, wenn Italien im nächsten Jahr den G7-Gipfel ausrichtet und in den UN-Sicherheitsrat einzieht. Und, nicht zu vergessen: Gentiloni ist überzeugter Europäer, das betont er immer wieder: "Wir sind nicht nur von den außerordentlichen Resultaten in den Bereichen Frieden und Entwicklung überzeugt, die die Europäische Union in den letzten 60 Jahren zustande gebracht hat. Wir gehen auch in Zukunft davon aus,  dass die europäische Perspektive auch für unsere Länder wesentlich sein wird."

Paolo Gentiloni und Matteo Renzi | Bildquelle: dpa
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Vertraute: Paolo Gentilono und Matteo Renzi

Katholisch, links

Paolo Gentiloni entstammt einer römischen, streng katholischen Adelsfamilie, ist als Student in den frühen 1970er-Jahren als militanter Linker bei der außerparlamentarischen Opposition aktiv. Später setzt er sich für den Umweltschutz ein, findet dann seine politische Heimat bei der Mitte-Links-Partei Partito Democratico.

Unter Romano Prodi wird er 2006 Kommunikationsminister und bleibt es rund zwei Jahre. Als Matteo Renzi Ministerpräsident wird, ernennt der ihn zum Außenminister. Auf diesem Posten wirkt er kompetent, äußert sich meist differenziert, nüchtern und gemäßigt.

Egal, ob es um Flüchtlinge oder um den internationalen Terrorismus geht: "Mauern bauen, die Rollläden herunterlassen, denken, dass wir die Probleme der Welt von uns fernhalten können - das ist eine Illusion", so Gentiloni als Außenminister: "Wir müssen zweifellos den Terrorismus in einigen Regionen auslöschen, vor allem im Irak und in Syrien. Aber wir dürfen unsere Prinzipien und unsere Freiheit nicht für den Kampf gegen den Terrorismus opfern."

Gentiloni in Renzis Fußstapfen

Paolo Gentiloni steht für Kontinuität. Auch wenn er deutlich ruhiger und zurückhaltender ist als Matteo Renzi und auch einen anderen Führungsstil hat, wird er vermutlich den politischen Kurs seines Vorgängers fortsetzen. Gentiloni ist nicht nur Parteikollege, sondern auch ein enger Vertrauter des scheidenden Ministerpräsidenten, der über ein verlorenes Referendum stolperte.

Direkt, nachdem er von Staatspräsident Mattarella mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, sagte Gentiloni über Renzi: "In den Sondierungsgesprächen ist noch einmal deutlich geworden, dass Renzi nicht weitermachen wird. Das entspricht dem, was er vor dem Referendum mehrere Male versichert hatte. Und diese Übereinstimmung verdient unser aller Respekt."

Opposition: Renzis Marionette

Die Opposition in Italien sieht das ganz anders: Sie hält Gentiloni für eine Marionette Renzis, vermutet, dass der bisherige Regierungschef bei den nächsten Wahlen wieder antreten will und bis dahin einen loyalen Platzhalter braucht.

Klar scheint jedenfalls: Gentiloni wird nicht lange Ministerpräsident sein - seine Aufgabe ist es, das Wahlgesetz zu ändern. Dann dürfte es Neuwahlen geben.

Paolo Gentiloni - ein Portrait des designierten italienischen Ministerpräsidenten
Lisa Weiß, ARD Rom
11.12.2016 22:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2016 um 05:14 Uhr.

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