Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

10.02.2010

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.tagesschau 04:55 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 02:05 Uhr
Inhalt
Ausland
Menschenkette Gaza-Streifen
Leid der Zivilisten im Gaza-Streifen so schlimm wie noch nie
Leid der Zivilisten so schlimm wie noch nie

Albtraum Gaza-Streifen

Rund 1,5 Millionen Menschen leben im Gaza-Streifen auf engstem Raum. Gewalt und Armut gehören seit Jahren zu ihrem Alltag. Mehrere internationale Hilfsorganisationen aber schlagen nun Alarm: So schlimm wie zurzeit war die Lage noch nie. Vor allem Kinder gehören zu den Leidtragenden. 

Von Bettina Marx, ARD-Hörfunk, Studio Tel Aviv

Junge im Gaza-Streifen (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Tägliche Gewalt im Gaza-Streifen: Die Lage der Menschen ist einer Studie zufolge so schlimm wie noch nie. ]
Amira ist nur einen Monat alt geworden. Vorgestern Abend wurde sie bei Kämpfen zwischen Israelis und Palästinenensern von einem Querschläger getroffen. Am Mittwoch wurde sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Gaza beigesetzt. Ihr Vater trug den kleinen Leichnam, eingebettet in einen Kranz aus Blumen. Amira ist das vorläufig letzte Opfer unter palästinensischen Kindern. Mehr als 20 Kinder und Jugendliche wurden bei der jüngsten Gewalt im Gazastreifen getötet. Sie sind die Leidtragenden eines Konflikts, dessen Ende nicht abzusehen ist.

John Ging, Direktor von UNRWA, dem Hilfswerk der Uno für die palästinensischen Flüchtlinge in Gaza, warnt vor den Konsequenzen von Gewalt und Elend. "Die Zivilbevölkerung von Gaza bezahlt den Preis für das politische Versagen - und das muss sofort geändert werden", fordert Ging. Sonst verpasse man den Punkt, an dem es keine Rückkehr mehr gebe. "Die Menschen werden sich einer Ideologie von Gewalt und Extremismus hingeben, und es wird immer schwieriger sein, das zu ändern." Ging gibt zu bedenken, dass die Hälfte der Bevölkerung unter 18 Jahre alt ist. "Diese jungen Leute verpassen ihre Ausbildung, denn wir können keine Kreide hereinbringen, keine Notizblöcke, kein Papier für Schulbücher." Diese Blockade, diese Bestrafung der Bevölkerung zerstöre den Prozess, der aus diesem Durcheinander führen könne.

So schlimm war es noch nie

So schlimm wie jetzt war es noch nie im Gaza-Streifen. Zu diesem Ergebnis kommen auch acht humanitäre und Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen Amnesty International, Care, Oxfam und Christian Aid. In Großbritannien haben sie einen Bericht vorgelegt, der die Lage in Gaza als humanitäre Implosion beschreibt. 80 Prozent der 1,5 Millionen Menschen, die in dem kleinen Küstenstreifen leben, sind demnach von Lebensmittelhilfe abhängig. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent, in der Privatwirtschaft sogar bei 70 Prozent. Die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung stehen vor dem Zusammenbruch, das Gesundheitssystem kann die medizinische Versorgung nicht mehr leisten.

John Ging, der UNRWA-Direktor, bestätigt den Bericht in einem Interview mit dem Fernsehsender Al Jazeera. "Die Lage in Gaza ist inhuman nach jedem Standard. Wir haben die Perspektive verloren", beklagt er. "Die Welt ist abgestumpft gegenüber dem Leid der Menschen von Gaza, die Politik ist gescheitert. Und das Ergebnis ist grauenhaftes Leid. Das befördert eine extremistische Ideologie und läuft allen Bemühungen um die Fortsetzung des Friedensprozess zuwider." Das Elend in Gaza sei beispiellos, so Ging. Und diese Situation dauere nun schon viel zu lange an. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie der Hilfsorganisationen. So schlimm wie im Augenblick sei es seit Beginn der israelischen Besatzung im Jahr 1967 nicht gewesen.  

Stand: 06.03.2008 15:49 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW