Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Das israelische Presseamt hat mit einer Werbe-E-Mail für Aufregung gesorgt: Mit der Botschaft "Es gibt keine humanitäre Krise in Gaza" verwies das Amt auf ein Luxusrestaurant in Gaza-Stadt und sandte die Botschaft an Korrespondenten aus aller Welt.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
[Bildunterschrift: Das israelische Presseamt empfahl das "Roots" in Gaza-Stadt internationalen Korrespondenten. (Bildquelle: http://www.rootsclub.ps) ]
Der Werbefilm für das Restaurant "Roots" in Gaza zeigt bunte Fruchtshakes, üppige Fleischplatten, fette Sahnetorten und Kellner, die dampfende Teller servieren. Strahlende Gäste, unter ihnen Palästinenserpräsident Machmud Abbas und Hamas-Chef Ismail Hanija, treffen sich in harmonischer Atmosphäre in der edelsten Gaststätte, die Gaza zu bieten hat.
Auf dieses Video über den scheinbaren Wohlstand und die vermeintliche Normalität des Lebens in Gaza machte kürzlich das Presseamt der israelischen Regierung aufmerksam. Die Botschaft lautete: "Es gibt keine humanitäre Krise in Gaza", sagte Daniel Seaman, der Chef des Regierungs-Presseamtes. Er steckte hinter der sonderbaren Empfehlungs-E-Mail an die Korrespondenten aus aller Welt in Israel. Gegen Vorlage eines gültigen Presseausweises erhalte man in der Gaststätte Rabatt, schreibt das Presseamt obendrein.
Tatsächlich ist das "Roots" eine Oase in Gaza-Stadt. Frische grüne Hecken und leuchtende Girlanden schmücken den Hof. Kellner erscheinen im frisch gebügelten weißen Hemd. "Wir haben ein ausgezeichnetes Angebot, einen hervorragenden Service und Umgang mit den Gästen und bieten ein besonderes Flair", sagt beispielsweise Kellner Mohammad. "Unsere Gäste sind Touristen, berühmte reiche Familien und VIPs."
Das "Roots" ist ein Ort für Reiche. Der normale Mensch in Gaza kann sich einen Besuch in dem Edelschuppen nicht leisten. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mindestens 50 Prozent. Die Palästinenser in Gaza hungern nicht, aber sie leben in Armut und Isolation.
[Bildunterschrift: Sowohl Hamas-Chef Ismail Hanija wird als Gast des Lokals "Roots" gezeigt, ... ]
Was soll also die Reklame des Presseamtes? Macht ein israelisches Amt wirklich mit Zynismus Stimmung für die Sache der Regierung? Warum wirbt er für das Luxus-Restaurant in Gaza, fragten wir den Direktor des Presseamtes, Seaman, in seinem Büro in Jerusalem. "Das belegt ein bisschen die Tatsache, dass es keine humanitäre Krise in Gaza gibt, die manche Leute gezielt und politisch vorführen wollen", antwortete Seaman. "Und das hatte Erfolg. Es gab Journalisten, die gelacht haben und wirklich den Zynismus der Sache verstanden haben. Und es gab andere Journalisten. Wir haben damit Aufmerksamkeit erregt. Wir wollten weg davon, dass die Lage in Gaza so sei, wie die Palästinenser das darstellen und die, die ihre Interessen vertreten. Wir wollten da einen etwas anderen Akzent setzen."
Er habe es versucht mit Statistiken über die Einfuhr von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern nach Gaza, sagt Seaman. Aber die Journalisten habe es nicht interessiert. Erst der zynische Hinweis auf den üppigen Reichtum in Gaza habe ihm die nötige Aufmerksamkeit gebracht. "Wir haben Interesse geweckt bei Leuten, die das wirklich überprüfen wollen, auf glaubwürdige und anständige und wirklich journalistische Weise - und nicht mit einer politischen Agenda", sagt Seaman.
"Damit sich diese Leute dann fragen: Moment mal, wenn das wirklich so ist, warum reden wir dann über eine humanitäre Krise? Insofern haben wir erreicht, was wir erreichen wollten." Ob Seaman und das Regierungs-Presseamt mit ihrer Methode Erfolg haben, sei dahingestellt. Viele Journalisten in Israel empfanden die Werbe-Idee als geschmacklos. Im Kern des Gaza-Konflikts geht es nicht um knurrende Mägen, sondern um den Hunger der Menschen nach Freiheit.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW