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21.11.2009

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Ausland
Gaza (Foto: AP)

Gazastreifen: Lage der Menschen wird immer verzweifelter

Situation der Menschen im Gazastreifen

"In den OP-Sälen liegen nur Zivilisten"

Die Lage der Menschen im Gazastreifen wird immer verzweifelter. 21.000 Palästinenser suchen nach einer Bleibe, für Operationen fehlen die einfachsten Hilfsmittel, Krebs- und Dialysepatienten gelingt es nicht mehr, in die Klinik zu kommen. Und nun droht auch noch Hunger.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Dieser Palästinenser hat bei einem israelischen Panzerangriff seine ganze Familie verloren. (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Dieser Palästinenser hat bei einem israelischen Panzerangriff seine ganze Familie verloren. ]
Angesichts der Kämpfe fliehen immer mehr Palästinenser aus ihren Häusern und Wohnungen. Allein in der Großstadt Rafah im Süden hätten 800 Familien ihre Bleibe über Nacht aufgeben, um in den provisorischen Notunterkünfte des UN-Flüchtlingswerks UNWRA sowie bei Verwandten und Freunden Zuflucht zu suchen, teilten die Vereinten Nationen in einem Bericht mit. Bis zur vergangenen Woche habe es nur wenige Hundert Flüchtlinge innerhalb des Gazastreifens gegeben - bis gestern Abend sei die Zahl jedoch auf mehr als 21.000 Menschen angeschwollen. In den UN-Notquartieren gebe es weder Schutzkeller noch andere Schutzräume.

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Dramatische Lage für Krebs- und Dialyse-Patienten

Zudem stehe das gesamte Gesundheitssystem im Gazastreifen unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Wegen der Kämpfe könnten zahlreiche Ärzte und Pfleger nicht in die Krankenhäuser gelangen. Die Angestellten, die es bis in die Hospitäler schafften, seien deshalb nahezu rund um die Uhr im Einsatz. In den Kliniken werden nach UN-Angaben nur noch die schwersten Fälle operiert.

Dramatisch sei die Lage auch für chronisch Kranke, wie etwa Krebs- und Dialysepatienten. Auch diese seien nicht mehr in der Lage, das Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt zu erreichen. Es ist die einzige Klinik in der Region, die die nötigen Behandlungen anbietet. Nierenpatienten in der Mitte und im Süden des von den israelischen Streitkräften durchtrennten Küstenstreifens könnten seit einer Woche mehr nicht behandelt werden und liefen deshalb Gefahr, an Blutvergiftung zu sterben.

"Herzerweichend schwere Verletzungen"

Der norwegische Arzt Mads Gilbert - einer von zwei Medizinern aus Norwegen, die seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes im Shifa-Krankenhaus zusammen mit palästinensischen Kollegen tätig sind - schilderte im arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira die dramatische Lage wie folgt: "Es fehlt die gesamte technische Ausrüstung, die man für den Betrieb eines großen Krankenhauses braucht. Die Ärzte in der Notfall-Chirurgie haben keine Ventilatoren mehr, anderen Abteilungen fehlt Verbrauchsmaterial. Die Apparaturen funktionieren sehr schlecht. Wir haben keine Einweg-Produkte wie Beatmungsmasken mehr, die man für die Anästhesie braucht." Er habe auf den Operationstischen nur Zivilisten gesehen, mit zum Teil "herzerweichend schweren Verletzungen".

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"Hunderte Anrufer, die um Hilfe bitten"

Der Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) in Gaza-Stadt, Iyad Nasr, beschreibt die Lage im Gazastreifen mit ähnlich dramatischen Worten. "Wir brauchen vollständigen Zugang zu den Opfern", sagte er ebenfalls im Sender Al Dschasira. "Wir erhalten ohne Übertreibung Hunderte Anrufe von Menschen, die von uns Nahrung und Getränke verlangen - und die uns vor allem darum bitten, ihr Leben zu retten, besonders das derjenigen, die bluten." Das IKRK hatte nach Angriffen der israelischen Armee auf Rettungskräfte seine Aktivitäten vorübergehend auf Gaza-Stadt begrenzt, will seine Arbeit nun aber wieder ausweiten. Auch die Vereinten Nationen wollen ihre am Donnerstag unterbrochenen Hilfsleistungen im Gazastreifen wieder aufnehmen.

Verzweifelt bitten Zivilisten bei den Hilfsorganisationen um Nahrungsmittel. (Foto: AP) [Bildunterschrift: Verzweifelt bitten Zivilisten bei den Hilfsorganisationen um Nahrungsmittel. ]

Dem UN-Bericht zufolge meldet das Welternäherungsprogramm, dass die Menschen im ganzen Gazastreifen sich nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgen könnten. Geflügel, Fisch, Früchte, Gemüse, Brot und Milch würden immer knapper. Um Brot kaufen zu können, müsse man oftmals vier Stunden anstehen. Und mit Ausnahme von Tomaten und Zwiebeln sei auf den Märkten nicht mehr viel zu haben.

Berichterstattung aus dem Krisengebiet: Die unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen war nie einfach - seit Beginn der israelischen Offensive aber ist sie extrem schwierig: Trotz eines Urteils des Obersten Gerichts verwehrt Israel ausländischen Journalisten den Zugang in den Gazastreifen. Damit bleiben ausländischen Journalisten nur sehr wenige unabhängige Quellen im Krisengebiet.
Stand: 10.01.2009 15:13 Uhr
 

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