Fragen und Antworten

Wie könnte es weitergehen? Die Optionen im Gazastreifen

Stand: 28.12.2008 15:12 Uhr

Israel
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Drei Jahre nach seinem Abzug hat Israel den Gazastreifen mit den schwersten Angriffen seit Jahren überzogen. Die israelische Regierung sagt, sie habe keine andere Möglichkeiten gehabt als zu handeln. Der im Juni in Kraft getretene Waffenstillstand mit der Hamas begann bereits Anfang November zu bröckeln, nach einem israelischen Vorstoß über die Grenze. Seitdem haben palästinensische Extremisten zahllose Raketen abgefeuert. Israel hielt sich mit einer Reaktion zunächst zurück, offenbar auch in der Hoffnung, einen neuen Waffenstillstand erreichen zu können. Nun, auch mit Blick auf die Wahl am 10. Februar, wollte die Regierung nicht länger als entschlussunfähig dargestellt werden. Die Koalitionsparteien der zentristischen Kadima und der Arbeitspartei Baraks sehen sich mit einer erstarkenden Opposition des Hardliners Benjamin Netanjahu konfrontiert. Welche Strategie könnte Israel nun weiter verfolgen? Im Wesentlichen bieten sich drei Optionen.

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OPTION INVASION

Was spricht dafür?

Israel hat im Nahen Osten die am besten ausgerüstete Armee und kontrolliert den Luftraum über dem Gazastreifen vollständig. Dem gegenüber stehen rund 35.000 Extremisten unter Hamas-Kommando oder aus verbündeten Gruppen. Der Raketenbeschuss südisraelischer Städte und Gemeinden setzt die Regierung in Jerusalem unter hohen Druck, entschlossen durchzugreifen. Die Hamas könnte Raketen mit größerer Reichweite einsetzen, sie erreichen Großstädte wie Aschkelon und Beerscheba.

Was spricht dagegen?

Trotz der militärischen Übermacht würde eine Eroberung des städtischen Dschungels aus Flüchtlingslagern im Gazastreifen Verluste auf israelischer Seite verursachen. Im Libanon-Krieg 2006 gegen die Hisbollah wurden in einmonatigen Kämpfen 114 israelische Soldaten getötet. Die Hamas hat noch immer den israelischen Soldaten Gilad Schalit in ihrer Hand, den sie 2006 entführt hatte.

Was sagt die Politik?

Außenministerin Zipi Livni, Spitzenkandidatin der regierenden Kadima-Partei, hat offen gelassen, wie weit die jetzige Offensive gehen soll. Verteidigungsminister Ehud Barak, Chef der mitregierenden Arbeitspartei, hält es für möglich, dass auch ein umfangreicher Bodeneinsatz den Raketenbeschuss nicht vollständig beendet. Sollte eine Bodenoffensive scheitern, wäre dies ein schwerer Rückschlag für die politischen Parteien, die im Wahlkampf für die Parlamentswahl am 10. Februar 2009 stehen.

Welche Risiken gibt es?

Heftige Kämpfe würden viele Zivilisten im Gazastreifen töten. Die Hälfte der 1,5 Millionen Bewohner im Gazastreifen sind Kinder. Israel riskiert damit scharfe internationale Verurteilungen und möglicherweise sogar Sanktionen. Ein Blutbad in Gaza würde Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas von der moderateren Fatah-Bewegung unter Druck setzen, die Friedensgespräche abzubrechen.

Wie könnte es weitergehen?

Nach einer Eroberung würde sich die Frage stellen, ob Israel anders als bislang erklärt das Gebiet nach dreijähriger Pause wieder besetzen will. Vorschläge für eine internationale Friedenstruppe wie im Libanon sind bislang auf zurückhaltende Reaktionen bei Staaten gestoßen, die dafür in Frage kämen.

OPTION BEGRENZTE OFFENSIVE

Wie könnte das aussehen?

In Israel wird die Möglichkeit schneller Vorstöße in begrenzte Gebiete des 45 Kilometer langen Küstenstreifens diskutiert: im Süden in den relativ dünn besiedelten "Philadelphi-Korridor", um die Hamas von ihren Schmuggeltunnels nach Ägypten abzuschneiden, sowie im Norden in die Gebiete, von denen aus die Raketen abgeschossen werden. Die Vorstöße könnten von Luftangriffen und Kommandoeinsätzen gegen die Hamas-Führung begleitet werden, damit Anhänger der von Abbas geführten Fatah-Fraktion wieder die Kontrolle in Gaza übernehmen können.

Was spricht dafür?

Vor der Wahl im Februar kommenden Jahres würde die Regierung Entschlussfähigkeit beweisen und den andauernden Raketenangriffen aus Israel nicht tatenlos zusehen.

Was spricht dagegen?

Dagegen spricht die immense Popularität der Hamas in dem Küstengebiet. So könnte der Plan nicht aufgehen: Die Extremisten haben die Fatah im innerpalästinensischen Machtkampf 2007 geschlagen, und die Hamas hat die Fatah als Kollaborateur Israels verschrien.

OPTION SANKTIONEN

Was könnte das bringen?

Israel hat den Gazastreifen wiederholt vollständig von der Außenwelt abgeschlossen. Gleichzeitig floss viel internationales Geld in das von den moderaten Kräften unter Abbas kontrollierte Westjordanland. Ein Ziel der Strategie war, die Bevölkerung im Gazastreifen gegen die Extremisten aufzubringen. Bislang sind aber keine größeren Konsequenzen für die Hamas erkennbar.

Was spricht dagegen?

Israel wurde für die Strafaktionen international scharf kritisiert, unter anderem wurde dem jüdischen Staat ein Verstoß gegen das Völkerrecht vorgeworfen. Das Embargo hat israelischen Unternehmen geschadet, die mit dem Gazastreifen Handel treiben, unter anderem mit Früchten und Blumen.

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