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10.02.2010

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Ausland
Menschenrechtler: 773 tote Zivilisten im Gaza-Krieg
Bericht von israelischen Menschenrechtlern

773 tote Zivilisten im Gaza-Krieg?

Der Gaza-Krieg hatte unter den Palästinensern mehr zivile als militärische Opfer - zu diesem Befund kommt die israelische Menschenrechts-Organisation B'Tselem in einem Bericht. Streitkräfte und Journalisten halten die Zahlen für falsch: Sie glauben, dass viele getötete Milizen als zivile Opfer eingestuft wurden.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Zerstörte Häuser im Gaza-Streifen (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Dezember 2008: Suche nach Habseligkeiten in einem zerstörten Häuserblock in Gaza ]
Die Mehrzahl der Palästinenser, die im Verlauf der dreiwöchigen israelischen Militäroperation im Gazastreifen getötet wurden, seien Zivilisten gewesen und nicht bewaffnete Kombattanten - zu diesem Ergebnis kommt die israelische Menschenrechtsorganisation  B’Tselem in ihrem heute veröffentlichten Bericht. Insgesamt seien 1382 Palästinenser getötet worden, darunter 774 Menschen, die nicht an den Kämpfen teilgenommen hätten, 325 Kombattanten und 245 Mitglieder der Hamas-Polizeimiliz, die größtenteils bei einem der ersten Luftangriffe während einer Vereidigungsfeier getötet worden seien.

Alle Toten werden namentlich genannt

Ihre Daten, so schreibt die Menschenrechtsorganisation B’Tselem in ihrem Report, basierten auf monatelangen intensiven Recherchen: So seien unter anderem überlebende Familienmitglieder befragt sowie Todesurkunden überprüft worden. Alle 1382 Toten werden in dem Bericht mit Namen genannt. Hinter den trockenen statistischen Daten würden sich schockierende Einzelschicksale verbergen, wie es in dem B’Tselem-Report weiter heißt. Ganze Familien seien getötet worden, Eltern hätten mit ansehen müssen, wie ihre Kinder vor ihren Augen erschossen worden seien, ganze Stadtteile seien ausgelöscht worden.

Armee widerspricht der Einordnung als Zivilisten

Die israelischen Streitkräfte bezifferten in einer bereits im März veröffentlichten Erhebung die Anzahl der getöteten Palästinenser mit 1166, von denen zwei Drittel bewaffnete Hamas-Kämpfer gewesen seien. Im israelische Rundfunk warf Reserve-General  Yaacov Amiidror der Menschenrechtsorganisation am Morgen  vor, die Öffentlichkeit bewusst in die Irre zu führen: "B’Ttselem hat eine lange Tradition von Lügen, Irreführungen, Betrügereien. Sie  veröffentlichen zum Beispiel, dass 248 Polizisten getötet wurden. Die Hamas sagt selbst, dass ein Grossteil dieser Polizisten ihre Leute waren, Mitglieder ihres militärischen Arms. Aber sie muss das gar nicht zugeben, man muss nur die Fatah-Leute fragen."

Hat B’Tselem Fakten ignoriert?

B’Tselem habe bei ihren Untersuchungen nicht die Namenlisten der Toten mit denen verglichen, die die im Gazastreifen herrschende Hamas veröffentlicht hätte, bemängelte heute der israelische Journalist Ben Dror Yamini von der Tageszeitung "Ma’ariv". So hätte die Menschenrechtsorganisation feststellen können, dass viele derjenigen getöteten Personen, die bei B’Tselem als Zivilisten aufgeführt würden, tatsächlich Hamas-Kämpfer gewesen seien: "Wie kann es sein, dass B’Tselem  nicht an diese Informationen kommt, es wurde ja schon veröffentlicht. Wie kann das sein? Aber in allen Nachrichtensendungen, in Kol Israel und anderen und auch in den Zeitungen kriegen wir jetzt eingebläut, in Israel und im Ausland, dass mehr als 700 der Getöteten Zivilisten waren. Das ist einfach nicht wahr."

B’Tselem ruft in ihrem Bericht die israelische Regierung dazu auf, angesichts der außergewöhnlich großen Schäden, die die Streitkräfte im Gazastreifen angerichtet hätten, eine unabhängige und glaubwürdige Untersuchung durchzuführen. Erklärungen der Streitkräfte reichten nicht aus.

Stand: 09.09.2009 15:44 Uhr
 

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