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Ausland

Israelis und Palästinenser setzen Angriffe fort

Waffenruhe offenbar beendet

Israelis und Palästinenser setzen Angriffe fort

Die Waffenruhe zwischen militanten Palästinensern und Israel ist offenbar so schnell beendet wie sie gekommen war. Extremisten beschossen das israelische Sderot aus dem Gaza-Streifen wieder mit Raketen. Zuvor hatte Israel fünf Palästinenser gezielt getötet. Verteidigungsminister Barak kündigte weitere Aktionen an.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Die Ruhe im Süden Israels ist vorüber. Der "Islamische Dschihad" begann heute wieder, Kassam-Raketen in Richtung Israel abzuschießen. Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert machte die in Gaza regierende Hamas für die Angriffe verantwortlich. Ohne die Mitarbeit der Hamas wären die Raketen-Attacken nicht möglich, erklärte der Regierungssprecher.

Dies sei nur der Anfang, hieß es in einer Erklärung des "Islamischen Dschihad". Man habe mit dem Abfeuern der Geschosse auf die Tötung von fünf Mitgliedern der Organisation im Westjordanland reagiert.

Israelische Agenten verkleideten sich als Araber

Gestern hatte die israelische Armee bei Tul Karem einen "Dschihad"-Aktivisten getötet. Am Abend schossen Angehörige einer israelischen Anti-Terror-Einheit in Bethlehem auf ein Auto, in dem sich vier Palästinenser befanden. Alle wurden getötet. Einer von ihnen war Muhamad Shahade, einer der meistgesuchten Mitglieder des "Islamischen Dschihad". Er war in Begleitung von zwei weiteren Männern des "Dschihad". Der vierte Tote gehörte dem militanten Arm der Fatah-Organisation an, den "Al Aksa-Brigaden".

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Während der Beerdigung der vier in Bethlehem getöteten Palästinenser]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ihre Leichen wurden zunächst in einem Raum aufgebahrt.]
Die Angehörigen der israelischen Spezialeinheit hatten sich als Araber verkleidet und überraschten die vier Palästinenser mit ihrer Attacke. Solche Agenten des israelischen Verfassungsschutzes in Bethlehem seien ein Problem, sagte Nasser Laham, Chefredakteur der palästinensischen Zeitung "Ma'an", im israelischen Rundfunk: "Wir wissen nicht, wer sie sind. Sie ziehen sich wie Araber an, sie haben ein Palästinensertuch auf dem Kopf, sie sind bewaffnet und richten die Waffen auf dich. Du weißt nicht, was du machen sollst. Wenn du fliehst, schießen sie. Wenn du stehen bleibst, weißt du nicht, was sie tun werden. Das hat gar nichts damit zu tun, ob du bewaffnet bist oder nicht." Es sei nicht das erste Mal, dass solche verkleideten Agenten so in Bethlehem vorgegangen sein, so Laham.

Aktive oder ehemalige Extremisten?

Die israelischen Behörden suchten die vier Männer seit acht Jahren. Sie wurden beschuldigt, zu Beginn des zweiten Palästinenseraufstands in mehrere Anschläge gegen Israelis verwickelt gewesen zu sein. Dabei seien sechs Israelis ums Leben gekommen. Nach israelischen Angaben gehörten die drei Vertreter des "Islamischen Dschihad" zur Führung der Gruppierung in Bethlehem. Der israelische Geheimdienst verdächtigte die Männer, sie hätten einem Netzwerk angehört, das weitere Terroranschläge plante.

Palästinensische Beobachter aus Bethlehem berichten dagegen, alle vier Getöteten hätten der Gewalt abgeschworen. Sie hätten bei der Palästinensischen Autonomiebehörde erklärt, sie wollten ihre Waffen ablegen und den Widerstand beenden.

Fortsetzung der Friedensbemühungen unklar

Kämpfer des "Islamischen Dschihad" trainieren den Abschuss von Kassam-Raketen auf Israel (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kämpfer des "Islamischen Dschihad" trainieren den Abschuss von Kassam-Raketen auf Israel. ]
Die Bemühungen der ägyptischen Regierung, eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln, sind durch den neuerlichen Ausbruch der Gewalt gefährdet. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak vermittelte in den vergangenen Tagen nicht den Eindruck, als sei er an einer anhaltenden Waffenruhe interessiert. "Wir befinden uns hier nicht im Zustand einer Einigung,", sagte er. Man sei in "anhaltender Aktivität", deren Ziel es sei, den Kassam-Beschuss zu stoppen und der Bevölkerung ihre Sicherheit wiederzugeben. "Wir sitzen nicht mit der Stoppuhr in der Hand da, das ist kein 'Hau drauf und fertig'. Was hier auf uns wartet, das sind weitere Aktionen, und diese jungen Männer werden in Kürze wieder dazu aufgerufen werden, aktiv zu werden und siegreich aus dieser Konfrontation hervorzugehen. Und das werden wir tun."

Ob die ägyptischen Vermittler trotz dieser Position des israelischen Verteidigungsgministers und der jüngsten Gewaltexzesse weiter versuchen, ein Abkommen zwischen Hamas und Israel zustandezubringen, ist bislang nicht bekannt.

Stand: 13.03.2008 15:48 Uhr
 

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