Ein israelischer Kampfpanzer auf dem Weg zum Gazastreifen (Bildquelle: AP)

Weitere Eskalation im Gazastreifen Israel intensiviert Angriffe

Stand: 02.08.2014 06:07 Uhr

Auf der Suche nach dem mutmaßlich von Extremisten entführten Soldaten Hadar Goldin hat das israelische Militär seine Offensive im Gazastreifen abermals ausgeweitet. Mit Unterstützung von Panzern und Luftwaffe drangen Truppen tiefer in den Süden der von der Hamas kontrollierten Region vor.

In der Nacht kam es in der Gegend um Rafah zu Gefechten. Palästinensischen Angaben zufolge wurden dabei 70 Menschen getötet.

Eigentlich sollte am Freitag eine 72-stündige Waffenruhe in Kraft treten, doch die Hoffnung auf eine humanitäre Atempause für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen hielt nicht einmal zwei Stunden. Die Konfliktgegner beschuldigten sich wenig später, sie gebrochen zu haben.

Dramatische Eskalation in Nahost
nachtmagazin 00:55 Uhr, 02.08.2014, Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv

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Verwirrung über Verschleppung von Soldaten

Nach israelischer Darstellung wurde anderthalb Stunden nach Beginn der Feuerpause der 23-jährige Leutnant Goldin von einem Hamas-Kommando entführt, als seine Einheit einen Tunnel der radikalen Palästinenser zerstören wollte.

Die Al-Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, erklärte hingegen, sie hätten "keine Information" zum Schicksal Goldins. "Wir haben den Kontakt zu einer unserer Kampfgruppen verloren, die in der Gegend gekämpft haben, in der der Soldat verschwunden ist", hieß es.

Es sei möglich, dass der vermisste Soldat sowie die eigenen Kämpfer tot seien. Die Brigaden erklärten außerdem, dass die tödlichen Zusammenstöße bei Rafah eine Stunde vor der geplanten Waffenruhe stattgefunden hätten.

1942 Tage in den Händen der Hamas

Die Hamas hatte bereits 2006 einen israelischen Soldaten entführt und mehr als fünf Jahre lang im Gazastreifen festgehalten. Auch Gilad Schalit war nach einem Überfall durch einen Tunnel verschleppt worden. Nach langen Verhandlungen kam er 25-jährig im November 2011 wieder frei. Im Gegenzug entließ Israel mehr als 1000 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen - darunter auch viele, die blutige Anschläge verübt hatten.

Internationale Appelle

Die USA bezeichneten die mutmaßliche Entführung als "barbarisch" und verurteilten den Bruch der Waffenruhe durch radikale Palästinenser. US-Präsident Barack Obama verlangte die sofortige und bedingungslose Freilassung Goldins. Die gleiche Forderung stellte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Hamas warf er den Bruch der Waffenruhe vor.

Die israelische Justizministerin Zipi Livni sagte, die Hamas werde einen "hohen Preis" zahlen und warf ihr vor, für das Verschwinden Goldins verantwortlich zu sein.

Der saudi-arabische König Abdullah kritisierte in einer Rede nach der gescheiterten Waffenruhe das "unentschuldbare" Schweigen der internationalen Gemeinschaft zu Israels Vorgehen im Gazastreifen. Das Land begehe vor den "Augen und Ohren" der Welt Kriegsverbrechen in dem Palästinensergebiet, beklagte der Monarch und forderte humanitäre Feuerpausen.

Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv, zur Lage im Gazastreifen
tagesthemen 21:45 Uhr, 01.08.2014

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Palästinenser wollen verhandeln

Trotz der neuen Auseinandersetzungen kündigte die Palästinensische Autonomiebehörde an, heute eine Delegation zu Verhandlungen über eine Beruhigung der Lage in die ägyptische Hauptstadt Kairo zu entsenden. Die Vertreter würden dort auch über eine Feuerpause beraten, sagte der Chefunterhändler der Palästinensischen Autonomiebehörde, Saeb Erekat, dem US-Sender CNN. Er appellierte an die Israelis, auch eine Delegation zu entsenden.

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