Israelische Soldaten an der Grenze zu Gaza | Bildquelle: REUTERS

Gaza-Grenze Wie lange hält diese Waffenruhe?

Stand: 30.05.2018 13:25 Uhr

Nach den jüngsten Gefechten an der Gaza-Grenze spricht die Hamas von einer Waffenruhe mit Israel. Man gebe der Hamas die Chance, zur Normalität zurückzukehren, heißt es dazu aus Israel.

Von Sabina Matthay, ARD-Studio Tel Aviv

Kein schulfrei heute im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen. Doch so ganz trauen die Israelis der Ruhe in der Palästinenser-Enklave nicht, Schulausflüge sind gestrichen.

Ägyptische Vermittler haben offenbar erreicht, dass militante Gruppen im Gazastreifen den Beschuss Israels einstellen. Wohl mit dem Versprechen, sich für die israelische Lockerung der Blockade des Gebiets und die Erleichterung der Lebensbedingungen dort einzusetzen.

Der israelische Kabinettsminister Naftali Bennet sagte im israelischen Hörfunk, eine formelle Waffenruhe mit Israel gebe es nicht. Doch der Gegner wolle offensichtlich keine weitere Gewalt. Wenn die Palästinenser ihre Waffen schweigen lassen, will das israelische Militär das respektieren. Israel werde die Ruhe entsprechend beantworten, die Armee sei nicht an einer Eskalation interessiert, hatte Militärsprecher Jonathan Conricus zuvor gesagt.

Israelische Panzer an der Grenze zum Gaza-Gebiet | Bildquelle: AP
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Israelische Panzer an der Grenze zum Gaza-Gebiet.

Heftiger Beschuss an Gaza-Grenze

Rund 180 Raketen und Mörsergranaten waren nach Angaben des israelischen Militärs seit gestern früh aus dem Gazastreifen abgefeuert worden, viele fing die Luftabwehr ab. Israel zerstörte daraufhin einen Tunnel im Gaza-Grenzgebiet zu Ägypten und flog massive Luftangriffe auf Produktionsstätten für Raketen und Waffen sowie Trainingscamps und Drohnenlager der militanten Gruppe Islamischer Jihad und vor allem der radikalislamischen Hamas, die im Gazastreifen regiert.

"Wir machen die Hamas für jeden gegen Israel gerichteten Akt der Aggression aus dem Gazastreifen verantwortlich, egal von welcher Terrororganisation er begangen wird", sagte Militärsprecher Conricus. Denn die Hamas könne den Grad der Aggression kontrollieren. Nun gebe man der Hamas die Chance, zur Normalität zurückzukehren.

Machtkampf im Gazastreifen?

Experten deuten die gestrige Eruption der Gewalt jedoch als Indiz dafür, dass Hamas keineswegs so fest im Sattel sitzt wie vermutet. Die radikalen Islamisten hatten sich in den vergangenen Wochen darauf beschränkt, die Demonstrationen entlang des Grenzzauns zu Israel zu dirigieren. Obwohl mehr als 110 Palästinenser bei den Protesten gegen die israelische Blockade getötet und weit über 1000 verletzt wurden, untersagte Hamas anderen Gruppen dem Vernehmen nach großangelegte Vergeltungsschläge.

Die Hamas-Führung beharrte offenbar auf einer politischen Lösung des Konflikts. Doch der Islamische Dschihad hielt sich nicht daran.

Welche Rolle spielt der Iran?

Am Wochenende hatte ein israelischer Panzer einen Beobachtungsposten der Gruppe beschossen und drei Milizionäre getötet, nachdem Palästinenser Sprengsätze auf dem Zaun zu Israel angebracht hatten. Seine Gruppe wolle keinen Krieg, erklärte ein Sprecher des Islamischen Dschihad. Aber man habe Israel daran erinnern wollen, dass man über die Möglichkeiten verfüge.

Die hat sie wohl vor allem dank iranischer Unterstützung. Zwar brüstet sich auch Hamas mit guten Beziehungen zu Teheran, doch Israel betrachtet den Islamischen Dschihad als eigentlichen Stellvertreter Irans im Gazastreifen. So sollen die Mörsergranaten, die die Gruppe jetzt auf israelisches Gebiet abfeuerte, aus iranischer Produktion stammen. Nun wird spekuliert, dass Iran versucht, die Lage an Israels Südfront anzuheizen.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman reist heute nach Russland; Moskau soll in Syrien dafür sorgen, dass iranische Kräfte und Kämpfer der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah aus dem syrischen Grenzgebiet zu Israel abziehen. Anfang des Monats hatten iranische Truppen vor dort aus israelische Stellungen auf den Golanhöhen beschossen, Israel reagierte mit Gegenangriffen.

Ein erneuter Krieg im Gaza-Streifen scheint vorläufig abgewendet. Welche Normalität es ist, die Israel damit ermöglichen will, muss sich zeigen.

Gaza: Waffenruhe oder Eskalation?
Sabina Matthay, ARD Tel Aviv
30.05.2018 12:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Mai 2018 um 12:00 Uhr.

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