Israelische Panzer an der Grenze zum Gaza-Gebiet | Bildquelle: AP

Eskalation in Nahost Heftige Gefechte an Gaza-Grenze

Stand: 30.05.2018 07:39 Uhr

Im Grenzgebiet zum Gazastreifen liefern sich das israelische Militär und militante Palästinenser heftige Gefechte. Medien berichten von den schwersten Zusammenstößen seit dem Gazakrieg von 2014.

Von Sabina Matthay, ARD-StudioTel Aviv

Bis in die Nacht hinein wurde der Süden Israels aus dem Gaza-Streifen heraus mit Mörsergranaten beschossen, in vielen Orten heulten die Sirenen, suchten die Menschen Zuflucht in Schutzräumen. Die Lage an der Gaza-Grenze eskaliert wie seit dem Krieg 2014 nicht mehr.

Islamistische Gruppen feuerten seit gestern mehr als 70 Mörsergranaten auf Israel ab und verletzten dabei fünf Menschen. Die israelische Armee reagierte mit massiven Luftangriffen auf Stellungen der militanten Gruppe Islamischer Jihad und der radikalislamischen Hamas an. Dabei zerstörte sie auch einen Angriffstunnel an der Grenze zu Ägypten. Opfer in dem Küstenstreifen wurden zunächst nicht gemeldet.

Hamas dreht an Eskalationsschraube

Die Verantwortung für die Eskalation trage die Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, erklärte Armee-Sprecher Jonathan Conricus. "Wir wissen, dass die Hamas den Grad der Gewalt kontrollieren kann", sagte Conricus und kündigte an, Gewalt werde entsprechend beantwortet, Ruhe werde ebenso entsprechend beantwortet. Israels Armee sei nicht an einer Eskalation interessiert, werde sich jedoch gegen die Bedrohung verteidigen.

Tatsächlich hatte Yahya Sinwar, der starke Mann der Hamas im Gaza-Streifen, kürzlich signalisiert, dass die radikalen Islamisten sich nicht mehr auf das Dirigieren der Palästinenser-Proteste entlang der Grenze zu Israel beschränken, sondern die Eskalationsschraube anziehen könnten: "Wir versprechen, dass wir Israel im Fall einer Konfrontation viele Überraschungen bereiten werden", sagte Sinwar im arabischen Fernsehen, wo er auch die finanzielle und materielle Unterstützung Irans für den bewaffneten Flügel der Hamas lobte.

Bereitschaft zur Feuerpause?

Der engste Verbündete Irans im Gaza-Streifen ist allerdings der Islamische Jihad. Nach Angaben des israelischen Militärs stammen die Mörsergranaten, die auf die Stadt Sderot abgefeuert wurden, aus iranischer Produktion, wurden sie von Teheran an den Islamischen Jihad geliefert. Am Wochenende hatte ein israelischer Panzer einen Beobachtungsposten der Gruppe beschossen und drei Milizionäre getötet, nachdem Palästinenser Sprengsätze auf dem Zaun zu Israel angebracht hatten.

Der Angriff des Islamischen Jihads auf Israel legt nun nahe, dass die Kontrolle der Hamas über den Gaza-Streifen doch nicht absolut ist. Es war denn auch ein Sprecher der Militanten, der am Abend eine Einigung auf eine Waffenruhe ankündigte. Israel dementierte eine solche Vereinbarung jedoch.

Eskalation an der Gaza-Grenze
Sabina Matthay, ARD Tel Aviv
30.05.2018 07:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Mai 2018 um 07:00 Uhr.

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