China droht der französischen Journalistin Ursula Gauthier mit der Ausweisung. | Bildquelle: AP

Wegen kritischer Berichterstattung China will französische Reporterin ausweisen

Stand: 26.12.2015 22:24 Uhr

Seit 2009 berichtet die Journalistin Gauthier als China-Korrespondentin für die Pariser Wochenzeitung "L'Obs". Und das auch mit kritischem Blick. Gerade deswegen droht die chinesische Regierung ihr nun mit der Ausweisung.

Am 13. November sorgen die Anschläge in Paris durch islamistische Extremisten für weltweite Bestürzung. Auch die chinesische Regierung sichert Frankreich nach den Attentaten Solidarität zu. Wenige Tage später - am 18. November - erscheint ein Artikel der französischen Journalistin Ursula Gauthier, die in China als Korrespondentin für die Pariser Wochenzeitung "L'Obs" arbeitet. Es ist dieser Artikel, wegen dem der Reporterin nun die Ausweisung droht.

In ihrem Bericht hinterfragt Gauthier die Solidaritätsbekundungen Pekings. Diese seien nicht ohne Hintergedanken geäußert worden, schreibt sie und zieht eine Verbindung zu den gewaltsamen Unruhen in der chinesischen Provinz Xinjiang. Dort lebt die muslimische Minderheit der Uiguren. Immer wieder kommt es zwischen Uiguren und den in der Region von China angesiedelten Han-Chinesen zu blutigen Auseinandersetzungen, oft mit zahlreichen Toten.

Nach den Anschlägen in Frankreich habe die chinesische Regierung versucht, die Gewalt in Xinjiangals Teil des globalen islamistischen Terrors einzuordnen, analysiert Gauthier in ihrem Artikel. Mit dem Versprechen auf Unterstützung für Frankreich wolle Peking erreichen, dass das eigene umstrittene Vorgehen gegen die Uiguren bei anderen Staaten auf Verständnis stoße.

Gauthier soll mit Artikel "Terrorismus und grausame Akte" unterstützt haben

Nun bekommt Gauthier die Folgen ihrer kritischen Analyse zu spüren. Als sie Ende November ihren für das kommende Jahr beantragten Presseausweis abholen will, verlässt sie das Außenministerium in Peking mit leeren Händen. Nun hat sie sich schließlich entschieden, mit ihrer Situation an die Öffentlichkeit zu gehen und eine schriftliche Erklärung zu der Ausweise-Drohung Pekings veröffentlicht.

Der Vorwurf der chinesischen Regierung: Gauthiers Berichterstattung sei nicht mehr tragbar, da sie "Terrorismus und grausame Akte" unterstützt habe. Peking habe die Rechte ausländischer Medien und Korrespondenten immer geschützt, heißt es weiter aus dem chinesischen Außenministerium. "Aber China toleriert nicht die Freiheit, Terrorismus zu ermutigen."

Peking verlangt von der französischen Journalistin, sich für ihren Artikel bei der chinesischen Bevölkerung zu entschuldigen und sich im Voraus von sämtlichen Organisationen zu distanzieren, die Chinas Reaktion als Einschränkung der Pressefreiheit darstellen könnten.

"Schwere Bedrohung für Korrespondenten"

Gauthier weist diese Forderung und die gegen sie vorgebrachten Anschuldigungen als "absurd" zurück. Peking bezwecke mit seinem Handeln lediglich, "ausländische Journalisten in der Zukunft im Zaum zu halten". Ihren eigenen Worten zufolge bereitet sich Gauthier auf ihre Ausreise am 31. Dezember vor.

Das französische Außenministerium äußerte in einer Erklärung Bedauern, dass das Visum für Gauthier nicht verlängert werde. In Peking direkt fiel die Reaktion bei der Vereinigung der Auslandskorrespondenten heftiger aus. Sie wies die Vorwürfe Pekings als "besonders ungeheuerlichen persönlichen und professionellen Affront zurück, der von keinen Tatsachen gestützt wird". Das Handeln Chinas sei eine "schwere Bedrohung für ausländische Korrespondenten".

Gauthier wäre die erste ausländische Korrespondentin seit 2012, die China wegen ihrer Berichterstattung verlassen muss. Damals wurde die Amerikanerin Melissa Chan ausgewiesen.

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