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Überraschungsvisite in Afghanistan
Gauck sieht "kriegsähnliche Zustände"
Bundespräsident Joachim Gauck ist zu Besuch in Afghanistan - erstmals in seiner Amtszeit. Mit seiner vorweihnachtlichen nicht-angekündigten Visite will er den dort stationierten Bundeswehrsoldaten seine und die Unterstützung des ganzen Landes deutlich machen. Der Bundespräsident wird von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet. Der Besuch Gaucks findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt.
Weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei
Vor deutschen und internationalen Soldaten im deutschen Hauptquartier bei Masar-i-Scharif schlug Gauck nachdenkliche Töne an. Er wünsche sich weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei. Eine realistische Einschätzung der Lage des Landes sei nötig. "In Afghanistan herrschen immer noch kriegsähnliche Zustände." Lange Zeit wollte die Bundesregierung den 2002 gestarteten Militäreinsatz nicht mit dem Wort Krieg in Verbindung gebracht sehen.
Bundespräsident Gauck besucht Bundeswehrsoldaten in Afghanistan
tagesschau 17:00 Uhr, 17.12.2012, Gabor Halasz, ARD Masar-i-Scharif
Zugleich lobte Gauck Aufbauerfolge in verschiedenen Teilen des Landes. "Wir sind nicht am Ziel - und doch spreche ich bewusst von Erfolg", sagte er. Leider interessierten aber Erfolge in Afghanistan oft medial weniger als Bilder und Worte des Scheiterns.
"Militärisch nicht zu gewinnen"
Ausdrücklich würdigte Gauck den harten Einsatz der Bundeswehrsoldaten. "Soldaten müssen sich in Gefechten und gegen Überfälle behaupten, müssen heimtückische Anschläge befürchten", sagte das Staatsoberhaupt. Doch sei in Afghanistan allein militärisch nichts zu gewinnen. Daher komme es auch auf Polizisten und Entwicklungshelfer an. "Sie alle können nur miteinander zum erfolgreichen Wiederaufbau des Landes beitragen."
Gauck war ebenso wie kürzlich Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit einer deutschen Regierungsmaschine direkt auf dem internationalen Flughafen von Masar-i-Scharif gelandet. Früher waren solche Reisen mit einem geschützten Transportflugzeug der Bundeswehr von Usbekistan aus erfolgt. Der Direktflug soll auch die verbesserte Sicherheitslage im Norden Afghanistans unterstreichen. Seit Sommer 2011 ist dort kein Bundeswehr-Soldat mehr ums Leben gekommen.
Auch Gaucks Vorgänger Christian Wulff und Horst Köhler hatten jeweils einmal während ihrer Amtszeit Afghanistan besucht. Zuletzt war Wulff im Oktober 2011 hier. Derzeit sind noch gut 4500 deutsche Soldaten in dem Land am Hindukusch stationiert. Bis Ende 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Streitkräfte übertragen werden.
Stand: 17.12.2012 17:34 Uhr
