Yahya Jammeh | Bildquelle: picture alliance / AA

Gambias Präsident Jammeh im Porträt Schwulenhasser und Aids-Heiler

Stand: 10.06.2015 14:49 Uhr

Er ist ein brutaler Diktator - Gambias Präsident Yahya Jammeh lehnt freie Medien ab, lässt Kritiker foltern. Weil die EU die staatliche Homophobie kritisiert hat, wurde die französische EU-Vertreterin Agnès Guillaud binnen 72 Stunden aus dem Land ausgewiesen.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Gambias Präsident Yahya Jammeh hält Schwule und Lesben für gefährlich. Sogar für "gefährlicher als Tsunamis und Erdbeben" - so jedenfalls durfte er es sogar vor der UN-Generalversammlung kundtun. Homosexuelle bezeichnet er öffentlich als "Ungeziefer", eigenhändig werde er ihnen "den Hals durchschneiden", töten solle man sie "wie Moskitos".

Homosexuelle Handlungen können in Gambia mit lebenslanger Haft bestraft werden. Der Europäischen Union gefällt das gar nicht, doch Präsident Jammeh verbittet sich Kritik. Deswegen musste Agnès Guillaud, die Vertreterin der EU in Gambia, gerade erst binnen 72 Stunden ihre Sachen packen und gehen.

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Vor der UN-Generalversammlung sagte Yahya Jammeh, Homosexuelle seien "gefährlicher als Tsunamis und Erdbeben".

"Meine Haltung ist klar", sagt Jammeh der britischen BBC. "Ich würde meinen Machtanspruch in Afrika sogar auf dem Mars verteidigen. Ich werde mich keinen menschlichen Wesen beugen - nur Allah gibt mir Befehle. Und diejenigen, die mir vorwerfen, ich würde Menschenrechte verletzen, die sollen doch zur Hölle fahren."

Folter und Hinrichtungen

Die Menschenrechtslage in Gambia ist katastrophal, die EU hat deshalb ihre millionenschwere Entwicklungshilfe gestoppt. Es werden nicht nur Homosexuelle verfolgt. Amnesty International berichtet von Oppositionellen und kritischen Journalisten, die in Haft gefoltert wurden. Vor drei Jahren hat Präsident Jammeh gleich ein Dutzend Todeskandidaten auf einmal hinrichten lassen - aus Gründen, die bis heute nicht klar sind. Höchstens ihm selbst: "Niemand ist hier exekutiert worden, der es nicht verdient. Aber wenn ich Menschen nicht hinrichten lasse, die nach dem Gesetz klar verurteilt sind - was würde dann die Bevölkerung in Gambia sagen?"

Doch das Gesetz beschließt ausschließlich er. Der 50-jährige Jammeh regiert Gambia als brutaler Diktator. Die 100.000 Europäer, die jedes Jahr in dem winzigen Land an weißen Stränden Urlaub machen, sollen davon nichts mitbekommen. In der ehemaligen britischen Kolonie rund um den Gambia-Fluss, eingerahmt vom Senegal, hält Jammeh alle Zügel fest in der Hand, seit er sich vor 21 Jahren an die Macht geputscht hat.

Der selbsternannte Wunderheiler

An der Macht will er auch noch lange bleiben. Das Schicksal seines ehemaligen Busenfreundes Muammar al Gaddafi in Libyen schreckt ihn nicht, Putschversuche hat er bisher alle überstanden. "Wenn es sein soll, werde ich dieses Land noch eine Milliarde Jahre lang regieren - wenn Allah es mir befiehlt."

Jammeh, genauer gesagt "Seine Exzellenz, Scheich, Professor, Lehrer, Doktor Alhaji Yahya Jammeh", wie er sich anreden lässt, trägt stets ein blütenweißes Gewand und hält bei Audienzen einen goldenen Stab in der Hand. Seine Macht hält Jammeh für unendlich, behauptet sogar, Bluthochdruck heilen zu können, Asthma, Diabetes, Epilepsie, AIDS und natürlich Ebola.

Karte: Gambia
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Gambia ist mit 11.295 Quadratkilometern der kleinste Staat des afrikanischen Festlands und hatte 2013 etwa 1,8 Millionen Einwohner. Präsident Yahya Jammeh ist seit 1994 im Amt, seine Partei APRC regiert seit langem mit absoluter Mehrheit. 2012 verweigerten internationale Beobachter der Parlamentswahl das Gütesiegel "frei und fair".

Jammehs große Pläne für Gambia

Für sein Volk hat er die Vier-Tage-Woche eingeführt, damit die Menschen mehr Zeit haben, ihm zu huldigen. Jammeh hat neben vielen Fantasie-Orden auch einen Ehrendoktor der St. Mary’s Universität im kanadischen Halifax - absurderweise für seinen Einsatz für Frieden und Verständigung. In Halifax sind alle Internet-Einträge zu Jammeh gelöscht.

Der Präsident indes hat noch Großes vor, so hörte sich das im Februar bei der Feier zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit jedenfalls an: "Gambia wird bis Ende 2015 die einzige noch übrige Supermacht sein. Die Zeit ist gekommen, dass wir Dubai, Singapur, die USA, Katar und andere überholen. In diesem Jahr noch werden diese Staaten zu Gambia aufschauen, zum reichsten Land der Welt". 

Da muss sich "Seine Exzellenz, Scheich, Professor, Lehrer, Doktor Alhaji Yahya Jammeh" allerdings beeilen. Denn das Jahr 2015 ist schon wieder halb vorbei.

Schwulenhasser und Aids-Heiler: Gambias Präsident Yahya Jammeh
A. Göbel, ARD Rabat
10.06.2015 12:13 Uhr

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