Ein Mann hält ein Plakat mit der Aufschrift "Game over Jammeh" in der Hand | Bildquelle: AP

Lage in Gambia Die Menschen fliehen vor Machtkampf

Stand: 20.01.2017 14:21 Uhr

45.000 Menschen sind seit Jahresbeginn aus Gambia geflohen. Wenn der Konflikt in dem westafrikanischen Land nicht bald gelöst wird, dürften es noch weit mehr werden, warnen die UN. Doch der abgewählte Präsident Jammeh weigert sich weiter zurückzutreten.

Wegen des Machtkampfes in Gambia sind seit Anfang Januar nach UN-Angaben 45.000 Menschen aus dem westafrikanischen Land in den benachbarten Senegal geflohen. "Die nächsten Tage werden entscheidend sein", heißt es in einer Mitteilung das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR. "Sollte die Krise nicht bald friedlich beigelegt werden, dürften weitere Menschen das Land verlassen."

Das Staatsgebiet Gambias wird - bis auf die Küste - komplett von Senegal umschlossen. Die Behörden dort halten Hilfe für 100.000 Flüchtlinge bereit.

Weiteres Ultimatum abgelaufen

Der langjährige gambische Staatschef Yahya Jammeh weigert sich zurückzutreten, obwohl sein Konkurrent Adama Barrow die Präsidentenwahl Anfang Dezember gewonnen hat. Ein Bündnis westafrikanischer Staaten (Ecowas) hatte gestern einen Militäreinsatz in Gambia gestartet, um Barrow ins Amt zu verhelfen.

Die Intervention wurde für einen letzten Vermittlungsversuch der Präsidenten Guineas und Mauretaniens unterbrochen. Dafür gab es erneut ein Ultimatum an Jammeh. Dieses lief um 12.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MEZ) ab, ohne dass er zurückgetreten wäre. Jammeh bat Ecowas darum, das Ultimatum bis zum späten Nachmittag zu verlängern.

Der abgewählte Präsident regiert Gambia seit einem Putsch 1994. Er ist wegen seines autoritären Herrschaftsstils seit langem umstritten.

Stichwort: Gambia

Gambia ist ein kleines Land im Westen Afrikas. Das Staatsgebiet wird - bis auf die Küste - komplett von Senegal umschlossen. Die 1,9 Millionen Einwohner Gambias leben mehrheitlich von der Landwirtschaft, Hauptexportgut sind Erdnüsse. Eine wichtige Rolle spielt auch der Tourismus. Die Strände Gambias ziehen viele Touristen an, auch aus Europa.

Gambia gehört den Vereinten Nationen zufolge zu den zwanzig ärmsten Ländern der Welt. Aus der früheren britischen Kolonie fliehen jedes Jahr Tausende Menschen ins Ausland. 2015 stellten etwa in Deutschland 3110 Gambier einen Asylantrag. Gambia war damit hinter Eritrea, Somalia und Nigeria das viertgrößte Herkunftsland afrikanischer Flüchtlinge in Deutschland. Mehr als 90 Prozent der Gambier sind Muslime. Ende 2015 hatte Präsident Jammeh das Land überraschend zu einer "Islamischen Republik" erklärt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2017 um 13:00 Uhr.

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