Gaddafis Sohn Seif al-Islam | Bildquelle: AP

Gerichtsentscheidung in Libyen Gaddafi-Sohn Saif al Islam zum Tode verurteilt

Stand: 28.07.2015 15:39 Uhr

Ein libysches Gericht hat den Sohn des ehemaligen Machthabers Gaddafi zum Tode verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich Saif al Islam wegen Mordes und Korruption schuldig gemacht habe. Zudem verurteilten sie weitere acht Gaddafi-Vertraute.

Ein Gericht in Libyen hat den Sohn des gestürzten Machthabers Muammar al Gaddafi, Saif al Islam, zum Tode verurteilt. Die Richter in Tripolis sprachen ihn schuldig, friedliche Proteste während der Revolution von 2011 unterdrückt und Kriegsverbrechen begangen zu haben. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. In Tripolis herrscht eine vom Westen nicht anerkannte islamistische Regierung.

Die Richter verurteilten zudem acht Vertraute des langjährigen Machthabers zur Hinrichtung durch ein Erschießungskommando, darunter der frühere Regierungschef Baghdadi al Mahmudi und der ehemalige Geheimdienstchef Abdullah Senussi. Auch ihnen wurden Verbrechen während des Aufstands gegen Gaddafi vorgeworfen.

In Westlibyen festgehalten

Saif al Islam wird seit seiner Gefangennahme Ende 2011 in der westlibyschen Stadt Al Sintan von einer Miliz festgehalten. Diese unterstützt die international anerkannte Regierung in Tobruk - und weigert sich, Gaddafi der Zentralregierung in Tripolis zu übergeben. Dieser erschien nie persönlich vor den Richtern in Tripolis, er nahm zeitweise per Videoschalte an den Verhandlungen teil.

Der UN-Menschenrechtsrat äußerte sich beunruhigt über die Urteile. "Wir haben die Haft und den Prozess genau verfolgt und festgestellt, dass internationale Standards verletzt wurden", teilte die Organisation mit. So sei die Arbeit der Verteidigung behindert und die individuelle Schuld der Angeklagten nicht festgestellt worden.

Streit mit Internationalem Strafgerichtshof

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte sich vergeblich um eine Auslieferung des Gaddafi-Sohns bemüht. Der IStGH erließ auf dem Höhepunkt der Revolte Haftbefehl gegen ihn und Geheimdienstchef Senussi wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Anschließend entbrannte ein Streit zwischen Tripolis und Den Haag darüber, vor welchem Gericht sich die beiden Männer verantworten sollten.

Seit dem Sturz Gaddafis tobt in Libyen ein Bürgerkrieg, in dem sich mittlerweile zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente gegenüberstehen. Zudem kämpfen mehrere Milizen um Einfluss in dem nordafrikanischen Land.

Verurteilter Gaddafi-Sohn erkennt Gericht nicht an
Peter Steffe, ARD Kairo
28.07.2015 16:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juli 2015 um 11:15 Uhr.

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