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[Bildunterschrift: Als einzig verbliebenes G8-Land steht Deutschland der Atomkraft skeptisch gegenüber. ]
Deutschland muss sich auf dem G8-Gipfel auf harte Vorwürfe zu seiner Atompolitik gefasst machen. US-Präsident George W. Bush will sich nachdrücklich für einen Ausbau der Atomkraft einsetzen. Er nannte sie "eine erneuerbare Energie ohne jegliche Treibhausgase" und sprach von der "Schönheit der Atomkraft". Es gebe zwar noch in manchen Ländern Vorbehalte, aber immer mehr Länder entdeckten auch die Qualitäten der Kernenergie, sagte Bush kurz vor seiner Abreise in Washington.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erinnerte Deutschland an die Bedeutung der Atomenergie. Barroso sagte der "Bild am Sonntag": "Wir wissen, dass die Kernenergie in Deutschland ein heikles Thema ist. Andererseits sehen immer mehr Länder in der Kernenergie eine - zumindest vorübergehende - Lösung, um den Klimawandel zu stoppen und unsere Abhängigkeit von Öl und Gas zu verringern." Die sieben anderen G8-Länder befürworten die Kernkraft.
Auf dem G8-Gipfel in Japan, der am Montag beginnt, ist Deutschland damit in der Frage der Nutzung der Kernenergie ziemlich isoliert. Bislang hatte zwar auch Italien der Atomkraft ablehnend gegenübergestanden - als einziges der G8-Länder verzichtet es völlig auf Atomenergie. Allerdings kündigte Regierungschef Silvio Berlusconi jüngst den Bau neuer Atomkraftwerke an.
Hintergrund:
[Bildunterschrift: Atomkraftwerk Gundremmingen bei Ulm ]
Entsprechend dem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD würde der letzte der derzeit 17 deutschen Meiler bis 2022 abgeschaltet. Aber die Koalitionäre sind sich in der Frage schon lange nicht mehr einig. Der Streit um längere Laufzeiten ist in den letzten Wochen allerdings voll entbrannt. Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion, Katherina Reiche, warf der SPD am Wochenende vor, zur "Partei der Strompreiserhöhung" zu werden, wenn sie sich weiter einer Verlängerung der Laufzeiten widersetze. SPD-Fraktionschef Peter Struck wies die Forderungen nach längeren Restlaufzeiten einmal mehr zurück.
Der SPD-Politiker Erhard Eppler sagte dem Magazin "Der Spiegel", es sei notwendig, die Atomenergie weltweit auslaufen zu lassen. Gleichwohl seien Konzessionen an die Union denkbar: Wenn die Union bereit sei, keine neuen Atomkraftwerke mehr zu bauen, können die SPD sich dazu bereit erklären, einige Meiler länger laufen zu lassen. Der Vorschlag Epplers stieß aber bereits in seiner eigenen Partei auf Widerstand.
Die Atomenergie wird weltweit in 31 Staaten genutzt. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums arbeiten insgesamt 444 Kernkraftwerksblöcke, 23 sind im Bau. Der Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung liegt weltweit bei 17 Prozent. Mit 77 Anteil Prozent an der gesamten Stromerzeugung liegt Frankreich an der Spitze.
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