Sigmar Gabriel und ein Minenräumexperte in Baschika | Bildquelle: dpa

Gabriel im Nordirak Vortasten im Minenfeld

Stand: 20.04.2017 19:50 Uhr

Was kommt nach der Besatzung durch den IS? Bei seinem Besuch im Nordirak erfährt Außenminister Gabriel, welche Probleme und Nöte bleiben - Minen müssen geräumt, Tausende Geflüchtete versorgt werden. Bei Kurden-präsident Barzani bedankte sich Gabriel für den Kampf gegen die Terrormiliz.

Von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio, zurzeit Nordirak

Nur 15 Kilometer von Mossul entfernt, über der hügeligen Wiesenlandschaft, scheint die Sonne. Die Stadt Bashiqa ist nicht weit, hier lebten einmal 35.000 Menschen. Ihr Vieh graste in den saftigen Weiden, hier waren Felder. Heute sind die Flächen leer, niemand betritt das Gebiet, es ist ein Minenfeld. 50 Kilometer lang, alle zwei Meter eine Sprengfalle, gelegt von der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), als diese abzog.

Eine Hilfsorganisation ist mit der Räumung beschäftigt. Im Boden stecken weiße Stäbe. Wer die gezeichneten Wege verlässt, begibt sich in Todesgefahr. Außenminister Sigmar Gabriel lässt sich von einem Mitarbeiter erklären, wie die Räumung vonstatten geht und fragt, ob es Erfahrungen gebe, wie viele Minen hier liegen.

Gabriel würdigt Anti-Terror-Kampf der Kurden
tagesschau 20:00 Uhr, 20.04.2017, Sabine Rau, ARD Berlin, zzt. Erbil

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Mehr als 3000 Minenfelder

Das Ausmaß der Kontaminierung mit Sprengkörpern habe man vorher so noch nicht gesehen, sagt ein Mitarbeiter. Derzeit arbeiteten 90 Teams im Irak an der Minenräumung. Viel sei noch zu tun - es ist Handarbeit: mit langen Metallstäben die Minen ertasten, dann unschädlich machen. An anderer Stelle helfen Räumfahrzeuge. Es gebe aus Kriegen vor der Besetzung durch den IS noch mehr als 3000 Minenfelder.

"Auf diesem kleinen Stück hier sind in vier Monaten ein paar hundert Minen gefunden worden", sagt Gabriel. Aber es sei nur ein kleiner Teil dessen, was geräumt werden müsse. Wenn das nicht geschehe "gibt es keine Elektrizität, weil hier die Leitung drüber verläuft und zerstört wurde". Die Bundesregierung finanziert die Minenräumung mit 15 Millionen Euro. Viel mehr wäre nötig.

Massud Barzani und Sigmar Gabriel | Bildquelle: AFP
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Lob für die Offensive gegen den IS: Gabriel würdigte beim Treffen mit Kurden-Führer Barzani den Kampf der Peschmerga.

Ein Flüchtlingslager für 8000 Iraker

Nur wenige Kilometer weiter stehen weiße Zelte in einer Senke: das Flüchtlingslager Hasansham. 8000 Iraker leben hier, die aus West-Mossul fliehen mussten. Als das Camp eröffnet wurde, war es innerhalb einer Woche voll, sagt Frederic Cussigh vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR).

Gabriel besucht ein Areal, in dem Helfer mehrere Zelte für Kinder eingerichtet haben. Hier können Mädchen und Jungen spielen, malen, tanzen. "Hier merken wir natürlich auch, wenn Kinder traumatisiert sind" sagt Cussigh. "Dann können wir sie in eine psychologische Betreuung geben."

Gabriel geht in ein Zelt, in dem Kinder singen. Ein kleiner Junge kommt auf ihn zu. Er trägt ein Dortmund-Trikot. Gabriel lacht, sein Daumen zeigt nach oben.

"Der Kampf der Peschmerga gegen den Islamischen Staat (IS) verteidigt zugleich die Sicherheit Deutschlands." Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in Erbil

"Das hier ist natürlich das beeindruckendste, wenn Sie so ein Mädchen sehen, das von Geburt an taub ist, dann eine schwere Brandverletzung hat und dann auch noch in einem Flüchtlingslager leben muss, weil ihre Heimat zerstört ist", sagt Gabriel. "Kann man sich kaum vorstellen, was das bedeutet, und wie dieses Kind mal in ein normales Leben zurückfinden soll."

Deswegen finde er die Arbeit, die im Lager gemacht werde, so wichtig. Dass Deutschland dabei ein wenig helfen könne, sei ein gutes Werk.

713 Millionen Euro von 2014 bis 2016

Die Bundesrepublik hilft mit Millionen, 2014 bis 2016 insgesamt 713 Millionen Euro für den Wiederaufbau und für humanitäre Hilfe. Für 2017 hat die Bundesregierung für den Irak und Syrien zusammen noch einmal 235 Millionen Euro überwiesen. Weitere Hilfen sind nicht geplant.

Außerdem bilden 140 Bundeswehrsoldaten Peschmerga-Kämpfer aus. Die Bundeswehr lieferte zudem 20.000 Sturmgewehre und 400 Panzerfäuste. Eine Ausweitung des Engagements ist nicht geplant.

Gabriel im Nordirak
C. Prössl, ARD Berlin
20.04.2017 19:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. April 2017 um 17:00 Uhr.

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