Flüchtlingslager Saatari in Jordanien | Bildquelle: dpa

Staaten stocken Flüchtlingshilfe auf 1,8 Milliarden Dollar mehr

Stand: 30.09.2015 08:34 Uhr

Fluchtursachen bekämpfen - die hehren Worte der Industriestaaten hatten mit der Realität bislang wenig zu tun. Immer wieder mussten Lebensmittelhilfen in den Lagern in Jordanien und Libanon gekürzt werden, weil das Geld fehlte. Jetzt soll es 1,8 Milliarden Dollar zusätzlich geben.

Vier Millionen Syrer sind auf der Flucht. 1,5 Millionen Menschen leben in Flüchtlingslagern in Syrien oder rund um das Bürgerkriegsland - in Jordanien, dem Libanon und der Türkei. Versorgt werden sie auch von UN-Hilfsorganisationen oder der Welthungerhilfe. Das kostet Geld - für Syrien beziffern UN-Hilfsorganisationen den diesjährigen Finanzbedarf auf 7,4 Milliarden Dollar. Überwiesen oder versprochen wurden für die Nothilfe innerhalb des Landes bislang nur 37 Prozent. Für Syrer in den Nachbarländern waren bislang 41 Prozent der erbetenen 4,5 Milliarden Dollar finanziert.

Internationale Gemeinschaft stockt Flüchtlingshilfe auf
tagesschau 12:00 Uhr, 30.09.2015, Isabel Schayani, ARD New York

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) musste deshalb die Lebensmittelhilfe für die Menschen streichen oder dramatisch kürzen. Für 850.000 von ihnen musste das WFP den Wert von Lebensmittelgutscheinen halbieren, im Libanon auf monatlich 13,50 Dollar und in Jordanien auf monatlich 14 Dollar pro Person.

Die katastrophalen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern sind mit ein Grund für den derzeitigen Flüchtlingsandrang nach Europa. Fluchtursachen bekämpfen - wie ein Mantra wiederholen europäische Politiker diese Worte - und es ändert sich doch wenig.

G7-Staaten versprechen Milliarden

"Wir müssen ihnen helfen, in den Regionen zu bleiben und nicht eine weitere Fluchtdynamik in Gang zu setzen", so nun auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach dem G7-Außenministertreffen in New York. Die reichen Industrienationen sowie die Golfstaaten versprachen dabei, die Flüchtlingshilfe aufzustocken. Konkret geht um die Summe von 1,8 Milliarden Dollar, Deutschland allein wird laut Steinmeier zusätzlich 100 Millionen Euro bereitstellen. Bislang hatte die Bundesregierung nach offiziellen Angaben bereits eine Summe von einer Milliarde Euro zugesagt, davon 500 Millionen für humanitäre Hilfe.

"Es darf nicht passieren, dass das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen oder das Welternährungsprogramm, Gesundheitsstationen schließen und Zelte nicht gegen Kälte isolieren können, weil ihnen dafür in diesem Jahr schlicht und einfach das Geld fehlt", unterstrich Steinmeier. Die Unterfinanzierung sei "dramatisch".

Außenminister Steinmeier in New York | Bildquelle: dpa
galerie

Auch Deutschland stellt 100 Millionen Euro zusätzlich bereit: Außenminister Steinmeier in New York

Die Gelder sollen an Organisationen der Vereinten Nationen gehen, insbesondere das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das Welternährungsprogramm. Aber auch Länder wie die Türkei, der Libanon oder Jordanien, die in der Syrien-Krise Flüchtlinge aufgenommen haben, sollen damit unterstützt werden, sagte Steinmeier.

Zu den weiteren sieben Ländern, die Geld geben, gehören zum Beispiel die Niederlande (123 Millionen US-Dollar), Saudi-Arabien (100 Millionen), die Schweiz (71,7 Millionen) und Österreich (10 Millionen). Die USA sagten 419 Millionen US-Dollar zu. Unklar blieb bei mehreren Ländern allerdings, ob es sich tatsächlich um neue Mittel handelt.

UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres lobte Deutschland für seine Flüchtlingspolitik und auch für die neue Initiative. Die internationalen Hilfsorganisationen seien "pleite" und könnten nicht einmal mehr das "absolute Minimum" für die Flüchtlinge leisten. Die Vereinten Nationen klagen allerdings immer wieder darüber, dass das Geld nicht ausreicht und Zusagen auch nicht eingehalten werden.

Gerade eingetroffene Flüchtlinge im Flüchtlingslager Saatari (Jordanien) | Bildquelle: REUTERS
galerie

Nach Jordanien sind rund 630.000 Syrer geflohen, viele leben im Flüchtlingslager Saatari.

Darstellung: