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Mexikos Kampf gegen den internationalen Handel

Drogen - nur illegal ein gutes Geschäft?

Beim G20-Gipfel wird er kein Thema sein, obwohl er sich direkt vor der Tür abspielt: Der in Mexiko tobende Drogenkrieg. Sogar der Einsatz der Armee konnte die Geschäfte der Kartelle nicht stoppen. Einige Politiker fordern deshalb ein Umdenken - eine begrenzte Legalisierung.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Wenn es um die Sicherheit geht, ist Los Cabos wohl eine gute Wahl. An der Südspitze der Halbinsel Baja California gelegen, lässt sich die Gegend rund um den Badeort komplett abriegeln. An Land sollen Tausende Polizisten und Soldaten dafür sorgen, dass vom Norden her alles dicht ist. Vor der Südküste patrouilliert die mexikanische Marine. Alles bestens also.

Dabei würde es sich lohnen, auch beim G20-Gipfel genauer auf das Thema Sicherheit zu schauen. Denn Mexiko und die Region befinden sich in einer Art Krieg - dem Krieg gegen den internationalen Drogenhandel.

Ein mexikanischer Polizist an einem Kontrollpunkt in Los Cabos
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Rund um den Tagungsort gelten strenge Sicherheitsregeln: Zu Lande...

Ein mexikanischer Polizeihubschrauber überfliegt den mexikanischen Badeort Los Cabos
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... aber auch aus der Luft wird der G20-Gipfel in Los Cabos überwacht.

Ein lukratives und blutiges Geschäft

Nicht nur Otto Perez, der Präsident Guatemalas, hat davon langsam genug: "Natürlich müssen wir weiter gegen Drogenverbrechen kämpfen. Aber gleichzeitig müssen wir eine ernsthafte Debatte beginnen. Was haben wir bereits für diese Strategie ausgegeben? Wie viele Menschenleben hat sie gekostet und was hat sie tatsächlich gebracht, um den Drogenkonsum zu verringern?"

320 Milliarden US-Dollar werden nach UN-Schätzungen jedes Jahr mit Drogen umgesetzt. Das ist mehr als doppelt so viel Geld, wie das Euro-Rettungspaket für Spaniens Banken vorsieht. Der Drogenhandel ist somit ein besonders lukrativer Teil der globalisierten Wirtschaft - wenn auch ein illegaler und blutiger. 50.000 Menschen wurden alleine in Mexiko in den vergangenen fünf Jahren im Drogenkrieg getötet.

Mexiko vor dem G20-Gipfel - Der globale Drogenhandel
M. Polansky, ARD Mexiko City
15.06.2012 16:19 Uhr

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Unbehelligte Konsumenten, bekämpfte Produzenten

Es ist ein merkwürdiger Krieg: Während die Konsumenten der begehrten Waren wie Kokain, Marihuana und Partypillen vor allem in den USA und Europa sitzen und meist unbehelligt bleiben, soll in den Produktions- und Transitländern des Südens der Drogenhandel mit fast allen Mitteln unterbunden werden. Vor allem die USA stellen dafür viel Geld und militärische Ausrüstung bereit. Im Norden wird gekokst und gekifft, im Süden wird geschossen.

Polizisten bewachen sichergestelltes Marihuana in Tijuana.
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Immer wieder gelingen der Polizei spektakuläre Drogenfunde - im Oktober 2010 wurden 105 Tonnen Marihuana sichergestellt - das Problem wird dadurch aber nicht gelöst.

Sollten Drogen entkriminalisiert werden?

Darum fordern immer mehr in Lateinamerika, dass die bisherige Strategie überdacht und Drogen entkriminalisiert werden müssen. Der mexikanische Ex-Präsident Ernesto Zedillo und Kolumbiens früherer Staatschef Carlos Gaviria befürworten dies.

Und auch der mexikanische Politologe Jose Antonio Crespo findet, dass die Staaten des Nordens sich selber um ihr Drogenproblem kümmern sollen: "Wir zahlen hier den Preis der Gewalt und der Unsicherheit, für eine Strategie aus Washington, nicht für unsere eigene. Deshalb sollten sich unsere Länder zusammentun und erst einmal Marihuana legalisieren, um auch den Druck auf die USA zu erhöhen. Als Signal an Washington, dass die jetzige Strategie nicht funktioniert."

"Die Prohibition ist das eigentliche Geschäft"

Gedenken an die 49 Toten in Monterrey.
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Gedenken in Monterrey (Archiv): Allein in Mexiko starben in den vergangenen Jahren 50.000 Menschen im Drogenkrieg.

Die Befürworter einer begrenzten Drogenfreigabe verweisen immer wieder auf die Prohibition in den USA, das totale Alkoholverbot der 1920er-Jahre. Die brutalen Kämpfe um den Gin- und Whisky-Nachschub stoppten erst, als Alkohol wieder freigegeben wurde. Der kolumbianische Drogenexperte Camilo Gonzales meint: "Das ist kein Krieg, das ist ein Geschäft. Und so muss man es sehen. Die Gewinnspannen von Drogen sind deshalb so enorm, weil das Geschäft illegal ist. Die Prohibition ist das eigentliche Geschäft."

Der internationale Drogenhandel ist ein wahrhaft globales Problem, das neue globale Antworten braucht, finden zumindest viele Experten und Politiker in Lateinamerika. Die Gipfel-Teilnehmer in Los Cabos werden sich derweil anderen drängenden Themen der Weltwirtschaft zuwenden - vor allem der Euro-Krise. Gut abschirmt - und wohl unbehelligt vom Drogenkrieg in Mexiko.

Stand: 17.06.2012 17:04 Uhr

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