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Gift im Futtermittel
Serbiens Spiel mit den Grenzwerten
Der mit Schimmel-Gift belastete Futtermais stammt aus Serbien, wo das Problem bereits bekannt ist. Um den Ruf der möglicherweise belasteten Milch zu retten, greift ein serbischer Minister selbst zum Glas - und setzt kurzerhand die Grenzwerte für die gefährlichen Aflatoxine herauf.
Von Ralf Borchard, ARD-Studio Südosteuropa
Seit Wochen sind in Serbien und benachbarten Ländern Schimmelpilze im Tierfutter und erhöhte Aflatoxin-Werte in der Milch Thema. Schon Anfang und Mitte Februar wurden in Serbien, Kroatien, Slowenien und Bosnien vorübergehend Milch-Kontingente aus den Regalen genommen - die Verunsicherung der Verbraucher war entsprechend groß. Angeblich handelte es sich bei der beanstandeten Milch zum Teil auch um Importe aus Ungarn und Deutschland.
So verunsichert die Verbraucher waren, so forsch handelte vor allem die serbische Regierung. Der serbische Landwirtschaftsminister Goran Knezevic trank demonstrativ vor den Fernsehkameras Milch verschiedener Marken und erklärte: "Die Milch in unseren Verkaufsregalen und in unseren Geschäften ist völlig sicher. Böswillig wird die Frage gestellt: Warum wurde ein Teil der Milch vom Markt zurückgezogen? Einige Kontingente wurden vorsorglich zurückgezogen, weil die Analysen gezeigt haben, dass bestimmte Mengen Grenzwerte aufzeigen."
Grenzwerte ums Zehnfache rauf
Im gleichen Atemzug erhöhte die serbische Regierung den Grenzwert für Aflatoxin in der Milch um das Zehnfache - von 0,05 Mikrogramm auf 0,5 Mikrogramm pro Liter. Zur Begründung hieß es, der strengere Grenzwert sei ja erst vor Kurzem mit Rücksicht auf die EU eingeführt worden. Vorher habe der Wert schließlich auch schon 0,5 betragen, und dieser höhere Wert sei auch in Ländern wie den USA oder Russland Standard.
"Weder in den letzten zwei Monaten noch in den letzten zwei oder zehn Jahren hat Aflatoxin bei irgendjemand negative Auswirkungen gehabt“, erklärte Knezevic und fügte hinzu: Die Grenzwert-Erhöhung sei notwendig, um die Existenz der serbischen Landwirte zu sichern. "Serbien ist nicht reicht genug, um es sich leisten zu können, täglich 300.000 bis 400.000 Liter Milch wegzuschütten."
Schimmelpilz-Skandal in Serbien
R. Borchard, ARD Wien
01.03.2013 20:26 Uhr
"Die Vergiftung wird legalisiert"
Gleichzeitig versicherte Knezevic, die Regierung habe 73 landwirtschaftliche Betriebe vorsorglich geschlossen und mit unbelastetem Futtermittel beliefern lassen. Offenbar hatte der Aflatoxin-Anteil dort auch über dem neuen höheren Grenzwert gelegen.
Von Seiten der Opposition und eines Teils der serbischen Medien geriet Knezevic allerdings unter Beschuss. Die Zeitung "Blic" etwa titelte: "Die Vergiftung mit Aflatoxin wird legalisiert". Auch Rücktrittsforderungen gegen Knezevic wurden laut.
Ursprung des Schimmelpilz-Problems war offenbar extreme Trockenheit und zugleich Feuchtigkeit rund um die jüngste Mais-Ernte in Serbien und anderen Balkan-Ländern im vergangenen Sommer. Feuchte Wärme begünstigt das Schimmelpilz-Wachstum. Über das aus Mais produzierte Tierfutter gelangt dann Aflatoxin in die Milch.
Stand: 02.03.2013 04:49 Uhr
