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06.09.2010

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Ausland
Elektronische Fußfesseln sind in den USA Standard
Elektronische Fußfesseln in den USA

Von der Spiderman-Fantasie zum Justizstandard

Die USA sind das Mutterland der elektronischen Fußfessel. Anfang der 80er-Jahre soll sie ein Richter nach einer Comic-Lektüre erfunden haben. Die aktuelle deutsche Debatte dürfte die Amerikaner eher erstaunen: Die Fußfesseln sind dort seit langem Standard. Ihr Erfolg ist trotzdem unklar.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

Im Jahr 1983 soll ein Spiderman-Comic einen Richter in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexiko auf die Idee mit der elektronischen Fußfessel gebracht haben. Wilson Fisk - einer der Superbösen in dem Comic - hatte Spiderman eine solche Fußfessel angelegt, um jeden seiner Schritte verfolgen zu können.

Elektronische Fußfessel (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mit der elektronischen Fußfessel spart die US-Justiz viel Geld. ]
Inspiriert durch den Spiderman-Comic ließ der Richter ein solches elektronisches Überwachungsinstrument entwickeln. Er war der erste, der die Fußfessel in den USA eingesetzt hat. Kurz darauf zeigte der Staat Florida Interesse. Inzwischen gehört der elektronische Klotz am Bein zum Standardrepertoire in der US-Strafgesetzgebung.

Den Verurteilten zu Hause seine Strafe absitzen zu lassen statt im Gefängnis, spart Geld, weiß Laure Sullivan, die Gerichtsexpertin des Radiosenders NPR: "Es kostet den Steuerzahler jeden Tag nur ein paar Dollar, im Vergleich zu im Schnitt 60 Dollar im Gefängnis. In New York kostet die Unterbringung sogar 198 Dollar pro Nacht."

Nur noch Prominenten-Fußfesseln sind ein Thema

Verurteilte Schwerverbrecher bekommen die Fußfessel nicht - aber viele, die wegen geringer Delikte bestraft werden. Eine verlässliche Zahl derjenigen, die in den USA mit einem elektronischen Band um den Fuß ausgestattet sind, gibt es nicht.

Fußfesseln sind aber nichts besonderes mehr, berichtet wird nur noch über Prominente wie die Fernsehfrau Martha Stewart, die wegen Insiderhandels und Meineids zu fünf Monaten Gefängnis und fünf Monaten Hausarrest mit Fußfessel verurteilt wurde.

Martha Stewart (Foto: AP) [Bildunterschrift: Am Fuß gefesselt: Die prominente TV-Moderatorin Martha Stewart und ... ]
NASA-Astronautin Lisa M. Nowak, 07.03 2005 (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ... NASA-Astronautin Lisa Nowak machte Erfahrungen mit dem kleinen Gerät.]
 

Abschürfungen beim Schlafen

Eine weitere prominente Trägerin ist die ehemalige NASA-Astronautin Lisa Nowak. Sie hatte vor drei Jahren für weltweites Aufsehen gesorgt, als sie aus Eifersucht versucht hatte, einen Astronauten-Kollegin zu entführen. Gegen eine Kaution und die Auflage, eine elektronische Fußfessel zu tragen, kam sie frei und konnte auch arbeiten.

Sie empfand das Gerät aber als sehr störend, wie sie 2007 bei einer Anhörung einem Richter erzählte: "Wenn die Fußfessel mitten in einer Konferenz anfängt zu piepen, muss ich schnell rausgehen und die Batterie wechseln." Und das elektronische Band um den Fuß tut offensichtlich auch von Zeit zu Zeit weh: "Wenn Du die Fußfessel nicht mit einem Pflaster festklebst, kommt es zu Abschürfungen am Knöchel. Das passiert auch schnell mal während des Schlafens."

Erfolgreich? Oder nicht?

Wie erfolgreich der Einsatz von elektronischen Fußfesseln ist, dazu gibt es einige Studien, aber keine einhellige Meinung. Klar ist, dass dadurch weniger Menschen im Gefängnis sitzen. Erwiesen ist auch, dass die Menschen - während sie sie tragen - weniger kriminell sind. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass sich die Verurteilten ihrer Fußfessel entledigen und einfach abhauen.

Stand: 31.07.2010 13:54 Uhr
 

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