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22 Tote bei Krawallen nach Todesurteilen

Angespannte Lage in Ägypten

Todesurteile lösen neue Gewalt aus

Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Auf die Todesurteile für ein Blutbad in einem Fußballstadion in Port Said folgt neue Gewalt. 27 Menschen sterben bei den Ausschreitungen, es gibt Hunderte Verletzte. Anders am Gerichtsort in Kairo: Hier jubeln die Angehörigen der Toten über die Urteile.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Die Todesurteile würden jetzt dem Großmufti, der höchsten religiösen Instanz des Landes, zur Überprüfung übergeben, erklärt der Richter, nachdem er die Namen der 21 Verurteilten verlesen hat. Am 9. März sollen die restlichen Urteile für weitere Angeklagte bekanntgegeben werden.

Angehörige der bei den Krawallen Getöteten jubeln über das Todesurteil.
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Angehörige der Opfer jubeln über das Todesurteil.

Die Angehörigen der Opfer brechen in Jubel aus. Auch einer ihrer Anwälte ist zufrieden: "Blut muss mit Blut bezahlt werden. Das gesamte Verfahren war transparent. Zum ersten Mal wurden alle Beweise so gründlich ausgewertet, dass die Urteile von heute verhängt werden konnten." Im Stadion des Fußballklubs Al-Ahly in Kairo feiern Tausende das Urteil mit Fangesängen.

Ließen Sicherheitsleute die Schläger gewähren?

74 Anhänger ihres Klubs waren es, die fast auf den Tag genau vor einem Jahr bei Krawallen und einer sich anschließenenden Massenpanik im Stadion von Port Said ums Leben kamen. Angeblich ließen Sicherheitskräfte Schlägertrupps gewähren, um eine alte Rechnung mit den Al-Ahly-Ultras zu begleichen.

Die Ultras gehörten zu jenen, die beim Volksaufstand von 2011 das Mubarak-Regime bekämpften. Viele Ägypter glauben deshalb, dass die tödlichen Krawalle in Port Said von Funktionären aus dem Innenministerium organisiert wurden.

21 Todesurteile wegen Krawallen in Fußballstadion
H. M. Ehl, ARD Kairo
26.01.2013 11:53 Uhr

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Die Todesurteile lösen Genugtuung aus, aber auch Zweifel. Zu den jetzt Verurteilten gehört keiner der angeklagten Sicherheitsbeamten. "Wenn bewiesen wurde, dass die Verurteilten getötet haben, dann sind das gute Urteile", sagt ein Mann auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

"Aber die Strafverfolger müssen herausfinden wer hinter den Krawallen stand, ob es das Innenministerium war oder die Regierung zusammen mit Vertretern des alten Regimes. Wir müssen die Hintermänner finden."

Rivalisierende Fans protestieren gegen das Urteil

Ausschreitungen in Ägypten
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Bei Protesten nach dem Todesurteil wurden 27 Menschen getötet.

In Port Said ziehen seit der Urteilsverkündung Hunderte durch die Straßen und protestieren gegen den Schuldspruch, unter ihnen Angehörige von Verurteilten sowie Fans des lokalen Fußballklubs Al-Masry, gegen den der Klub Al-Ahly vor einem Jahr angetreten war.

Sie versuchten, das Gefängnis zu stürmen, in dem die Angeklagten inhaftiert sind. Unbekannte sollen scharf auf die Polizei geschossen haben, die dann Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt. Inzwischen sind Truppen des Militärs zur Unterstützung der Sicherheitskräfte in Port Said eingetroffen. Es gab mehrere Tote darunter auch Polizisten.

Lage in Ägypten eskaliert

Präsident Mursi sagte unterdessen eine Reise nach Äthiopien ab - eine Reaktion auf die Gewaltausbrüche von gestern am zweiten Jahrestag der Revolution. Wütende Demonstranten hatten in mehreren Städten Büros der Muslimbruderschaft und Verwaltungsgebäude verwüstet oder in Brand gesteckt.

Das Oppositionsbündnis Nationale Rettungsfront drohte damit, die Parlamentswahlen im Frühjahr zu boykottieren, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Das Bündnis verlangt Verfassungsänderungen und die Bildung einer neutralen Regierung. Die gewalttätigen Proteste von gestern verurteilte es nicht, sondern gab allein den Sicherheitskräften die Schuld an den Eskalationen.

Zahlreiche Tote nach Ausschreitungen in Ägypten
tagesthemen 23:20 Uhr, 26.01.2013, Matthias Ebert, ARD Kairo

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Stand: 04.03.2013 03:14 Uhr

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