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Gerichtsentscheidung in Ägypten
30 Tote bei Unruhen nach Todesurteilen
Nach der Verhängung von 21 Todesurteilen wegen brutaler Ausschreitungen in einem Fußballstadion ist es in Ägypten zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Bei den Krawallen in Port Said wurden mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Darunter sollen zwei Polizisten sein, wie staatliche Medien unter Berufung auf das Innenministerium berichteten.
Todesurteile im Staatsfernsehen übertragen
Auslöser war das vom Staatsfernsehen aus Kairo übertragene Gerichtsurteil gegen 21 Angeklagte, die in die tödlichen Krawalle in einem Fußballstadion vor einem Jahr verwickelt waren. Fans des Fußballklubs Al-Ahli und Angehörige der Opfer begrüßten das Urteil. Beim Richterspruch riefen sie spontan "Allahu Akbar" ("Gott ist groß"). Sie hatten in den vergangenen Wochen mehrfach gewaltsam für eine hohe Bestrafung der Täter demonstriert.
Angehörige der Verurteilten randalierten dagegen. Die wütende Menschenmenge wollte die Verurteilten befreien, dabei kam es zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, Tränengas wurde eingesetzt. Zwei Polizisten und sechs Zivilisten kamen bislang ums Leben. Die Streitkräfte schickten Verstärkung in die Stadt.
21 Todesurteile wegen Krawallen in Fußballstadion
H. M. Ehl, ARD Kairo
26.01.2013 11:53 Uhr
Weitere Urteile im März
Nach den Todesurteilen warten 52 weitere Angeklagte auf den Richterspruch, der am 9. März fallen soll. Ihnen wird vorsätzlicher Mord und illegales Tragen von Waffen vorgeworfen. Bei dem Verfahren geht es um die die schlimmste Tragödie in der Fußballgeschichte Ägyptens, die sich am 1. Februar 2012 bei der Begegnung der Teams Teams Al-Ahli gegen Al-Masri abspielte. Nach der Partie waren Fans beider Vereine aufeinander losgegangen. 74 Menschen starben, 250 erlitten Verletzungen.
Alle Spiele der Fußball-Liga wurden ausgesetzt. Die Liga soll am 1. Februar aber wieder starten. Den Sicherheitskräften war vorgeworfen worden, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger Al-Ahlis zu bestrafen. Diese hatten sich immer wieder an die Spitze von Demonstrationen gegen die Regierung des früheren Präsidenten Hosni Mubarak gestellt.
Das Urteil fällt in eine ohnehin schon gespannte Situation einen Tag nach den Protesten gegen die neue ägyptische Führung. Gestern, am zweiten Jahrestag des Volksaufstands gegen Mubarak, waren in mehreren Städten Demonstranten und Sicherheitskräfte aneinandergeraten. Mindestens sieben Menschen starben.
Stand: 27.01.2013 00:39 Uhr
