Neymar Jr. | Bildquelle: REUTERS

Regulierung im Fußball Was tun gegen den Neymar-Wahnsinn?

Stand: 31.08.2017 08:00 Uhr

Im europäischen Fußball endet heute die Transferphase und noch immer ist die Rekordsumme für Neymar in aller Munde. Viele Seiten fordern nun von der EU eine stärkere Regulierung, um den Neymar-Wahnsinn zu stoppen.

Von Sebastian Schöbel, ARD-Studio Brüssel

Als Neymar Jr. Anfang August als neuer Spieler im Pariser Prinzenpark-Stadion vorgestellt wurde, bebte die französische Hauptstadt. Und nicht nur die, auch in der Welt des professionellen Fußballs, vor allem in den Finanzabteilungen, wackelten Wände und schlackerten Ohren: Rund 220 Millionen Euro hatte der Transfer des 25-Jährigen von Barcelona nach Paris gekostet. Das ist einsamer Rekord, wobei das Kleingedruckte des Deals die endgültige Rechnung auf bis zu einer halben Milliarde Euro ansteigen lassen könnte.

"Die Macht des Geldes ist grenzenlos" - dies stehe nicht umsonst in den großen, alten Büchern, sagte Freiburgs Trainer Christian Streich.

Liverpool-Coach Jürgen Klopp reagierte eher zynisch: "Financial Fairplay ist offensichtlich mehr ein Vorschlag als eine wirkliche Regel."

Gehaltsobergrenzen wie in den USA

VFB-Stuttgart-Fan und EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger schimpfte in der "Bild-Zeitung": Solche Transfersummen seien "wettbewerbsverzerrend".

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, nutzte daraufhin die Chance und forderte von der EU-Kommission gleich mal einen Sonderstatus für den Fußball ein. So könnten ähnlich wie in den USA Gehaltsobergrenzen festgelegt werden, so Rummenigge im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die EU-Kommission habe diesen Vorschlag schon einmal abgelehnt, erklärte Rummenigge. Aber das sei vor dem Neymar-Wahnsinn gewesen. Vielleicht sei Brüssel jetzt gesprächsbereit.

Vorstandschef Rummenigge bei der Jahreshauptversammlung seines Vereins
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Rummenigge fordert einen Sonderstatus für den Fußball.

Das Problem: Ungleichheit zwischen den Clubs

Dem würden viele Probleme entgegenstehen, sagt Jonas Baer-Hoffmann von der Spielergewerkschaft FIFPRO. Da sei einerseits das Wettbewerbsrecht, das nicht mal eben den Regeln des Fußballmarktes angepasst werden könne. Außerdem: "Es geht auch gegen das Interesse, eine sinnvolle Lösung zu finden. Weil die Gehälter nur ein Teil des Problems sind."

Baer-Hoffmann befürchtet, dass das Geld, das mit Gehaltsobergrenzen bei den Spielern gespart wird, am Ende in noch viel höhere Transfersummen und Boni für Berater fließt. Damit würde vom eigentlichen Problem abgelenkt.

"Tatsache ist ja, dass wir eine immer größere Ungleichheit an Geld haben, das verschiedenen Clubs und Ligen zur Verfügung steht", so Baer-Hoffmann.

Neymar Jr. | Bildquelle: REUTERS
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Bei Neymars Wechsel wurden die Unterschiede zwischen den Clubs deutlicher denn je.

Die reiche Elite des Sports, so der Fußballgewerkschafter, nutze das Geld, um mit hohen, teils völlig unrealistischen Transfersummen die mittelgroßen und kleinen Konkurrenten quasi auszusperren, dies dank stark regulierter Spielerverträge.

Einen Sonderstatus habe der Fußball schon, "und nur deswegen kann er den Transfermarkt so betreiben, wie er es momentan tut." Die FIFPRO forderte schon 2015 Reformen und reichte eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Sie wird dort derzeit geprüft wird, das ist Ende offen.

EU-Kommission schlägt Gehaltsobergrenze vor

Vielleicht gibt es ja im September etwas Neues. Dann will nämlich der neue UEFA-Chef Aleksander Ceferin in Brüssel vorstellig werden, um über Gehaltsobergrenzen im Profifußball zu reden. Das bestätigte die UEFA auf Nachfrage des ARD-Studios Brüssel. Mit wem genau sich Ceferin treffen will, ist bisher aber noch unklar. Allerdings hat der Slowene die wachsende Ungleicheit im Fußballgeschäft zum Kernthema seiner Amtszeit gemacht.

EU-Flaggen vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel
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Die EU-Komission beschäftigte sich bereits mit der Regulierung im Fußball.

Die EU-Kommission jedenfalls zeigte sich schon gesprächsbereit und arbeitete sogar vor: Schon 2013 stellte sie in einer unabhängigen Studie große Mängel im Transfermarkt fest und schlug Lösungen vor. Eine davon ist eine Gehaltsobergrenze bei Spielerverträgen.

Was tun gegen den Transfer-Wahnsinn?
Sebastian Schöbel, ARD Brüssel
30.08.2017 19:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Sportschau am 26. August 2017 um 18:00 Uhr.

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