Zwei Piloten arbeiten auf dem Flughafen in Hamburg im Cockpit eines Lufthansa-Airbus A380 | Bildquelle: dpa

"Fume Events" im Cockpit Wenn Piloten der Job stinkt

Stand: 23.05.2018 02:18 Uhr

Das Problem ist lange bekannt - aber schwer in den Griff zu bekommen: "Fume Events", übel riechende und möglicherweise gesundheitsschädliche Dämpfe im Flugzeug. Neue Filter sollen Abhilfe schaffen.

Von Sebastian Kisters, HR

Es geschieht auf einem Flug am 28. Juli 2014 nach Barcelona: Regen, schlechte Sicht. "Plötzlich dieser beißende, unangenehme Geruch im Cockpit", erinnert sich Flugkapitän Jörg Handwerg. "Es riecht nach alten, nassen Socken, tritt wie ein Schwall auf. Und dann kommen schon die ersten Symptome: Übelkeit, Kopfschmerzen, starkes Aufstoßen."

Für den Piloten ist klar: ein sogenanntes "Fume Event". Öldämpfe seien in die Cockpitluft gelangt. Handwerg erlebt das nicht zum ersten Mal. Noch 30 Minuten bis zur Landung. Er setzt die Sauerstoffmaske auf und landet den Lufthansa-Airbus sicher in Barcelona. Kein Einzelfall - im vergangenen Jahr wurden der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung 203 "Fume Events" gemeldet. 2016 waren es 228.

Debatte über belastete Luft in Flugzeugen
tagesschau 12:00 Uhr, 23.05.2018, Sebastian Kisters, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Lufthansa gründet Arbeitsgruppe

Bei der Lufthansa gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Luftqualität in Flugzeugen beschäftigt. Der Leiter, Robert Nyenhuis, sagt: "Wir haben 2012 Probleme gehabt mit der Luftqualität an Bord. Wir haben die Entscheidung getroffen, dass wir dieses Thema sehr ernst nehmen werden. Nicht versuchen, es zu verneinen, sondern als Herausforderung annehmen."

Ein eigenes Testgerät wurde entwickelt, das rund 130 Mal mit Lufthansa-Maschinen in die Luft ging. "Es gab ganz viele Flüge, da war gar nichts. Und es gab einzelne Flüge mit unterschiedlichen Smell Events." Geringste Substanzen habe man nachweisen können. "Zum Beispiel, wenn ein Pilot ein Erfrischungstuch genommen hatte. Dann gab es mehr flüchtige, organische Stoffe in der Luft. Aber wir haben nichts gemessen, was gefährlich ist oder an Grenzwerte heran reichen würde", sagt Nyenhuis.

Agentur für Flugsicherheit testet Luftqualität

Zum gleichen Ergebnis kommt eine Studie der Europäischen Agentur für Flugsicherheit. Auch sie ließ mehrfach Kabinenluft auf giftige Stoffe untersuchen. Das Ergebnis: Die Luftqualität in Flugzeugen ist nicht schlechter als in normalen Büros.

Jörg Handwerg, der Vorstandsmitglied der Pilotenvereinigung Cockpit ist, sagt, es seien zu wenige Proben genommen worden. Er schätzt, bei einem von 2000 Flügen käme es zu einem "Fume Event", wie er es beim Flug nach Barcelona erlebte.

Blick in die Economy-Class eines Lufthansa-Airbusses A300-600 | Bildquelle: picture-alliance/ ZB
galerie

Die Luft in der Kabine - offenbar nicht schlechter als im Büro.

Ursache oft unbekannt

Hauptstreitpunkt ist: Wo liegt die Ursache für schlechte oder potenziell giftige Luft an Bord eines Flugzeugs? Der Leiter der Lufthansa-Arbeitsgruppe für Luftqualität an Bord der Maschinen sagt: "Es geht um Gerüche aus der Küche, Kunststoffe oder Fracht, die ausgelaufen ist. Nur sechs Prozent haben mit den Triebwerken zu tun."

Das ist der größte Streitpunkt, denn in fast allen großen Flugzeugen wird die Luft während der Reise in den Triebwerken abgezapft. Zwar vor den Brennkammern - dennoch sei das der falsche Ort, bemängeln Kritiker.

"Typischer Öldampfgeruch"

"Nicht jeder Geruchsvorfall ist mit Öl verbunden", sagt Pilot Handwerg, "aber es gibt diesen typischen Öldampfgeruch. Wenn der auftritt, weiß man, es kann nur aus den Triebwerken kommen. Es ist auch nahe liegend. Triebwerke werden mit Öl geschmiert. Es gibt Dichtungen, die ein Mindestmaß an Öl durchlassen müssen. Und wenn sie defekt sind, lassen sie eben größere Mengen durch." Dann käme es zu Situationen, wie er sie beim Anflug auf Barcelona erlebt habe.

Gibt es bleibende Schäden?

Es gibt einige wenige Piloten und Stewardessen, die von bleibenden Schäden berichten. Eine neue Berufskrankheit? Die Berufsgenossenschaft will heute auf dem Verkehrspilotentag der Vereinigung Cockpit Stellung beziehen. Es gibt unterschiedliche Studien.

Klar scheint nur: "Fume Events" beeinflussen Menschen unterschiedlich stark und mögliche Wirkungen wie Kopfschmerzen oder eine eingeschränkte Wahrnehmung klingen unterschiedlich schnell ab.

Ein Pilot kontrolliert das Triebwerk seines Airbus auf Beschädigungen: Öl im Triebwerk war vermutlich die Ursache des Germanwings-Vorfalls.
galerie

Ein Pilot kontrolliert das Triebwerk eines Airbus.

Lufthansa installiert Filter

Obwohl die Lufthansa bei eigenen Tests keine potenziell giftigen Stoffe an Bord ihrer Maschinen gemessen hat, verwendet die Gesellschaft in vielen Flugzeugen neue Filter mit Aktivkohle. Sie wirken gegen unterschiedliche Gerüche, aber auch gegen Viren.

Noch aber filtern sie nur Luft, die an Bord einer Maschine umgewälzt wird. Nicht aber die, die an den Triebwerken entnommen wird. Weitere Entwicklungen sind aber geplant.

Die Gewerkschaft Cockpit lobt die Lufthansa dafür als europäischen Vorreiter. Jörg Handwerg: "Bei Herstellern wie Airbus und Boeing ist in den vergangenen Jahr so gut wie nichts geschehen. Deshalb ist gut, dass Airlines das jetzt in die Hand nehmen und zusammen mit Herstellern Techniken entwickeln, die Luft filtern, bevor sie in die Kabine kommt."

Im kommenden Jahr will die Lufthansa erstmals Filter testen, die die Luft direkt nach dem Ansaugen an den Triebwerken reinigt. Handwerg hofft, das könne Situationen, wie er sie 2014 beim Anflug auf Barcelona erlebte, verhindern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Mai 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: