Atomruine Fukushima Sorge um verstrahltes Wasser

Stand: 07.08.2013 15:48 Uhr

Jeden Tag fließen Tonnen radioaktiven Wassers aus der Atomruine Fukushima in den Pazifik. Das hat die japanische Regierung eingeräumt. Eine Barriere im Boden soll verhindern, dass weiter Grundwasser in die Ruine eindringt.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Es sind Meldungen aus dem havarierten AKW Fukushima 1, die erschrecken, aber deren ganzes Ausmaß nur schwer einzuschätzen sind. Das japanische Wirtschaftsministerium gab bekannt, dass rund 300 Tonnen radioaktives Grundwasser pro Tag in den Pazifik fließen. Wie stark verseucht das Wasser ist und seit wann es austritt, vermag noch keiner zu sagen.

Die unendliche Sorge um das Wasser in Fukushima
P. Kujath, ARD Tokio
07.08.2013 14:57 Uhr

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In der vergangenen Woche musste der Betreiber Tepco einräumen, dass seit Mai 2011 zwischen 20 und 40 Billionen Becquerels an radioaktivem Tritium ins Meer geflossen sind, wobei 22 Billionen Becquerels pro Jahr erlaubt sind. Für die Fischer in der Präfektur Fukushima nimmt die Katastrophe auf jeden Fall kein Ende. Seit dem Atomunfall im März 2011 gehen sie vor der Küste nicht mehr ihrer Arbeit nach. Eigentlich wollte man ab Anfang September wieder testweise zum Fischen aufs Meer fahren, aber das hat man nun erst einmal vertagt. "Ich wünsche mir nichts mehr, als dass die Dinge wieder so sind wie vor der Katastrophe. Ich möchte fischen gehen. Tepco und die Regierung müssen etwas unternehmen", sagte ein Fischer am Rande einer Demonstration gegen Tepco.

Regierung sucht Lösungen für verseuchtes Trinkwasser
nachtmagazin 0:15 Uhr, 08.08.2013, Philipp Abresch, ARD Tokio

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Tepco überfordert

Die japanische Regierung unterstützt Tepco zwar mit Milliarden und erhält das Unternehmen so am Leben, die Aufräumarbeiten in der havarierten Anlage hat man aber bisher gerne dem ungeliebten Energiekonzern überlassen. Dabei war gerade in den letzten Monaten deutlich geworden, dass Tepco mit dieser Mammutaufgabe überfordert ist. Der japanische Premierminister Shinzo Abe ordnete nun in einer Kabinettssitzung an: "Es gibt große Sorgen seitens der Bevölkerung bezüglich des Problems des verseuchten Grundwassers. Die Aufgabe kann nicht allein Tepco überlassen bleiben. Wir müssen deshalb schnell handeln."

Interessanterweise beauftragte der Premierminister nicht das Umweltministerium mit der Problemlösung, sondern das Wirtschaftsministerium, das in Japan nach wie vor der Atomindustrie wohl gesonnen ist. Eine Möglichkeit besteht darin, eine Barriere um die havarierte Anlage zu schaffen, in dem der Boden durch besondere Chemikalien ausgehärtet wird. Auch über eine Vereisung des Bodens wird nachgedacht. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass weiterhin Grundwasser in die Reaktorgebäude fließt und radioaktiv verseucht weiter ins Meer.

Wassertanks auf dem Reaktorgelände von Fukushima (Bildquelle: AP)
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Hunderttausende Tonnen Wasser werden auf dem Reaktorgelände gelagert. Inzwischen wird dort der Platz knapp.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Für 2014 sollen im Wirtschaftsministerium entsprechende Haushaltsmittel eingestellt werden. Nach einer schnellen Lösung klingt das nicht. Tepco wollte die Zahl von 300 Tonnen radioaktiven Wassers, die pro Tag ins Meer fließen, auf einer Pressekonferenz nicht bestätigen. "Wir haben die Angaben noch nicht überprüfen können. Wir können leider nicht sagen, wie viel Grundwasser in den Pazifik fließt. Dafür müssen wir uns entschuldigen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Auch das Wirtschaftsministerium bezeichnete die 300 Tonnen nur als eine grobe Schätzung. Die japanische Atomaufsichtsbehörde hatte Ende letzter Woche angesichts der unzureichenden Informationen eine Expertengruppe zusammengestellt, die das Ausmaß und die Stärke der Verseuchung des Grundwassers genau bestimmen soll. Wie es dann weitergeht, bleibt schwierig.

Hohe Radioaktivität

Denn wegen der noch immer extrem hohen radioaktiven Werte in den Reaktorgebäuden, wo die Druckbehälter mit den geschmolzenen Brennelementen stehen, ist es für einen Menschen nicht möglich, einfach hineinzugehen, die Lecks, aus denen das Kühlwasser austritt und sich mit dem einfließenden Grundwasser mischt, zu finden und abzudichten. Dafür müssen erst entsprechende Roboter gebaut werden. Und all das wird trotz der Dringlichkeit sicher noch Jahre dauern.  

Korrespondent

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Peter Kujath, NDR

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