Fukushima-Jahrestag: Japans Rückkehr zur Atomenergie

Demonstration gegen Atomkraft in Tokio (10.03.2013) (Bildquelle: dpa)

Zweiter Jahrestag der Fukushima-Katastrophe

Japans langsame Rückkehr zur Atomenergie

Seit der Katastrophe von Fukushima vor genau zwei Jahren sind die Japaner mehrheitlich gegen Atomkraft. Den ursprünglich angestrebten Atomausstieg will Japans neue Regierung dennoch kippen. Stillgelegte Reaktoren werden aber so schnell nicht wieder hochgefahren. Dafür sorgen neue Sicherheitsstandards.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Im September 2012 hatte die damalige japanische Regierung beschlossen, bis zum Ende der 2030er-Jahre aus der Atomkraft auszusteigen. Allerdings ist seit Anfang dieses Jahres ein neuer Premierminister im Amt. Und Shinzo Abe hat angekündigt, an der Kernenergie festzuhalten. Er will in den nächsten Jahren ein neues Energiekonzept vorstellen.

Zwei der 50 verbliebenen Reaktoren sind derzeit in Betrieb, obwohl die Bevölkerung seit der Atomkatastrophe mehrheitlich gegen die Kernenergie ist. Das weiß auch Abe und ist deshalb vorsichtig.

"Basierend auf den Dingen, die wir aus dem Atomunfall von Fukushima gelernt haben, wird die Regierung gemeinsam mit der Atomaufsichtsbehörde Bedingungen schaffen, die es nicht mehr erlauben, dass man in Bezug auf die Atomsicherheit Kompromisse eingeht. Wenn die Sicherheit der Atomanlagen bestätigt ist, dann werden wir sie wieder anfahren", sagte Premierminister Abe.

Fukushima zwei Jahre nach der Katastrophe
tagesschau 11:00 Uhr, 11.03.2013, Philipp Abresch, ARD Tokio

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Das Verschweigen der Risiken und eine fehlende, effektive Kontrolle waren mit für die Katastrophe am 11. März 2011 verantwortlich. Mittlerweile ist die alte Atomaufsichtsbehörde aufgelöst und eine neue gegründet worden. "Aus meiner Sicht sind die Rückmeldungen der Atomkraftwerksbetreiber noch nicht zufriedenstellend. Wir werden ihnen noch etwas Zeit geben, damit sie weitere Untersuchungen anstellen", sagt Kunihiko Shimazaki von der Atomaufsichtsbehörde.

Verschärfte Sicherheitsbedingungen

Bisher hat sich die Atomaufsichtsbehörde als kritischer und entschiedener erwiesen. Nach ihren neuesten Untersuchungen stehen einige der japanischen Atomkraftwerke auf aktiven Erdbebenspalten und dürfen deshalb nicht wieder ans Netz gehen. Die neuen Sicherheitsbestimmungen machen es zudem unwahrscheinlich, dass noch in diesem Jahr einer der anderen Reaktoren wieder in Betrieb genommen wird.

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Zweiter Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima

Gedenken an die Opfer

Japan gedenkt der Opfer der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor zwei Jahren. Bei der schwersten Naturkatastrophe in der Nachkriegsgeschichte des Landes am 11. März 2011 kamen fast 19.000 Menschen ums Leben. Nach Erdstößen der Stärke 9,0 prallten bis zu 30 Meter hohe Flutwellen auf die Küsten im Nordosten des Inselstaates. Das Kernkraftwerk in Fukushima wurde schwer beschädigt. In drei Reaktoren kam es zur Kernschmelze und damit zur größten Atomkatastrophe seit der Explosion im AKW Tschernobyl 1986. (Foto: REUTERS)

Was die Atomruine in Fukushima angeht, ist die Lage zwei Jahre danach zwar stabil, aber viele Probleme bleiben ungelöst, wie Akio Komori von Betreiber Tepco einräumen muss: "Wir müssen um die Gebäude einen Graben bauen, damit das Grundwasser nicht mehr hinein fließen kann. Jeden Tag kommen bisher so etwa 400 Tonnen radioaktives Wasser hinzu."

Weiterhin erhöhte Strahlungswerte

Angesichts von mittlerweile 320 Tausend Tonnen radioaktiven Wassers wird der Stauraum auf dem Gelände langsam knapp. Vor kurzem durften Journalisten die havarierte Anlage besuchen. Die Strahlungswerte sind nach wie vor hoch - besonders in der Nähe der Blöcke 1, 2 und 3. Der Reaktor Nummer 4 war nicht in Betrieb, als der Tsunami die Stromversorgung komplett lahmlegte und zur mehrfachen Kernschmelze führte. Hier lagern aber viele gebrauchte Brennstäbe, und die Wasserstoffexplosionen haben das Gebäude schwer beschädigt.

Japan gedenkt der Tsunami-Opfer
P. Kujath, ARD Tokio
11.03.2013 08:37 Uhr

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Derzeit wird auf der einen Seite eine Konstruktion errichtet, mit deren Hilfe am Ende des Jahres mit der Bergung der Brennelemente begonnen werden soll. Bis die Entsorgung der Anlage komplett abgeschlossen ist, dürften aber noch vier Jahrzehnte vergehen. "Bevor man mit der Bergung der geschmolzenen Brennelemente anfangen kann, müssen viele technologische Probleme gelöst werden. Es ist zum Beispiel wichtig, ferngesteuerte Roboter zu entwickeln, die in dieser Umgebung arbeiten können", sagt Komori von Tepco.

Angesichts dieser Schwierigkeiten ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der japanischen Bevölkerung mittlerweile gegen die Atomkraft ist und auch die neue Regierung zumindest Alternativen schaffen will. "Wir werden auch daran arbeiten, die Abhängigkeit von der Atomkraft zu reduzieren, in dem wir unsere Anstrengungen beim Stromsparen maximieren und die erneuerbaren Energien fördern", verspricht Premier Abe.

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Beben, Tsunami, Super-GAU: Chronologie der Katastrophen, 11.03. bis 15.04.2011

Chronologie der Katastrophen in Japan (11. März bis 15. April 2011)

Tsunami

11. März: Das stärkste jemals gemessene Erdbeben in Japan mit einer Stärke von 9,0 erschüttert die Nordostküste des Landes. Kurz nach dem Beben erreicht eine bis zu zehn Meter hohe Tsunami-Welle die Küste. Das Bild ist bei Minamisoma in der Präfektur Fukushima aufgenommen worden. (Foto: AFP)

Stand: 11.03.2013 04:25 Uhr

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