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Der Zwischenbericht der japanischen Regierung zur Reaktorkatastrophe von Fukushima wirft sowohl dem Betreiber Tepco als auch den Behörden Versäumnisse vor. Die Gefahr eines Tsunami sei von beiden Seiten unterschätzt worden. Auch das Krisenmanagement habe versagt.
Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio
[Bildunterschrift: Das Atomkraftwerk wurde durch Erdbeben und Tsunami weitgehend zerstört. ]
Es war keine große Überraschung, was die unabhängige Kommission in ihrem Zwischenbericht zur Atomkatastrophe von Fukushima bekannt gab - aber ihre Aussagen stehen im klaren Widerspruch zur hauseigenen Untersuchung des Kraftwerksbetreibers Tepco. Der Energiekonzern hatte sich angesichts der vermeintlich unerwarteten Höhe des Tsunami in Folge des schweren Erdbebens am 11. März von jeglicher Verantwortung freigesprochen. Das unabhängige, aber rechtlich nicht bindende Gremium hält hingegen fest, dass es ausreichend Hinweise auf die Möglichkeit eines großen Tsunami gegeben hätte, Schutzmaßnahmen aber aus Kostengründen von Tepco nicht getroffen worden seien.
In dem 500 Seiten dicken Dokument werden eine Reihe von Versäumnisse aufgelistet. Dazu gehört auch die Kommunikation zwischen den Behörden und Tepco. Nach der Befragung von 456 handelnden Personen stellt das Gremium fest, dass die Regierung zu Beginn keine klare Evakuierungsaufforderung herausgab, weil das dafür vorgesehene Computerprogramm zur Simulation der radioaktiven Belastung, "Speedi", anfangs nicht genutzt wurde.
Generell fehlte bei den Aufsichtsbehörden, der Politik wie dem Betreiber der Blick für das große Ganze. Viele Kleinigkeiten seien genau geregelt, aber Maßnahmen für den Katastrophenfall seien vernachlässigt worden, weil man die Wahrscheinlichkeit als zu gering einschätzte. Dies müsse dringend geändert werden, heißt es im Zwischenbericht.
Professor Hisashi Ninokata vom Tokioter Institut of Technology gehen die Aussagen nach einer ersten Analyse nicht weit genug: "Im Krisenfall sollte der Premierminister mit seinen Leuten die Sache in die Hand nehmen. Aber die Situation blieb sehr unübersichtlich. Die Kommission sollte dieses Krisenmanagement genau untersuchen und im Abschlussbericht entsprechend bewerten. Der Zwischenbericht erwähnt kaum die Beschädigung und Situation im Reaktorblock 2. Viele Dinge bleiben im Dunkeln, gerade in Bezug auf die Frage, wie sich die Lage unmittelbar nach dem Unfall entwickelt hat. Ich wünsche mir deshalb eine weitergehende Untersuchung."
Einige Fehler brandmarkt die Kommission aber schon in ihrem Zwischenbericht. Sie bemängelt zum Beispiel, dass zur Krisenzeit zu wenige gut ausgebildete Arbeiter von Tepco in der Anlage von Fukushima 1 gewesen seien. Deshalb hätte man die Zeichen bezüglich der Notkühlsysteme im Block 1 und 3 falsch interpretiert. Wenn entsprechend geschultes Personal zur Verfügung gestanden hätte, dann hätten die Kernschmelzen zumindest begrenzt werden können. Hinweise, dass der Reaktorblock 1 bereits durch das Erdbeben schwer beschädigt worden sei, konnte das Gremium bisher nicht finden.
Die Untersuchungen werden noch bis zum Sommer nächsten Jahres fortgesetzt. Bis dahin soll auch die Befragung des früherer Premierminister Naoto Kan und anderer Minister abgeschlossen sein, um einen vollständigen Bericht veröffentlichen zu können.
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