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Was passiert zurzeit in einem der größten japanischen Atomkraftwerke? Klar ist derzeit nur, dass es in Fukushima 1 eine massive Explosion gegeben hat. Unklarheit herrscht dagegen über eine mögliche Kernschmelze in einem der Reaktorblöcke. Die zuständigen japanischen Behörden widersprechen sich oder halten sich bedeckt. Zunächst hatte ein Behördensprecher berichtet, dass eine "Kernschmelze begonnen" habe. Auf diese Aussage berufen sich mehrere japanische Fernsehsender und der ARD-Korrespondent Robert Hetkämper in Tokio. Inzwischen ist der Behördensprecher jedoch von der Bildfläche verschwunden.
Auch die Regierung und andere Behörden tragen nicht zur Aufklärung bei. Die Atomaufsichtsbehörde hatte erklärt, in einem Reaktor des AKW Fukushima 1 habe es "möglicherweise" eine Kernschmelze gegeben. Dagegen trat Premierminister Naoto Kan zwar vor die Presse, ließ aber offen, ob es eine Kernschmelze gegeben habe.
Gleichzeitig versuchte die Atomaufsichtsbehörde die Bürger zu beruhigen. Selbst wenn es eine Kernschmelze gegeben habe, gehe für Menschen außerhalb eines Radius von zehn Kilometern keine Gefahr aus. Später wurde der Evakuierungsradius dann auf 20 Kilometer ausgedehnt.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen vermutet, dass in dem japanischen Kernkraftwerk eine Kernschmelze begonnen hat. "Es gibt Indizien, die darauf hindeuten, dass der Prozess einer Kernschmelze stattfindet", sagte Röttgen in der Tagesschau.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) stufte den Vorfall in dem japanischen Reaktor in die Kategorie 4 auf der INES-Skala ein. Die "International Nuclear Event Scale" reicht von 0 bis 7. Zum Vergleich: Das Tschernobyl-Unglück wurde in die schwerste Kategorie 7 eingestuft, der Zwischenfall von 1979 auf Three Mile Island in den USA in die Kategorie 5.
[Bildunterschrift: Wie gefährlich ist es in der Umgebung des Reaktors? Polizeibeamte mit Atemschutzmasken nahe Fukushima 1 ]
Auch die Informationen der Regierung über Strahlungswerte widersprechen sich. Zunächst hieß es, dass erhöhte Strahlung im Umfeld des Reaktorgebäudes nachgewiesen wurde. Später verkündete die Regierung dann, dass keine erhöhte Strahlung im Umfeld des Reaktorgebäudes nachweisbar sei. Das Stahlgehäuse, das den Reaktor schütze, sei beim Einsturz der umgebenden Wände nicht beschädigt worden, betonte Regierungssprecher Yukio Edano. Zudem nehme der zuletzt stark angestiegene Druck im Reaktor wieder ab.
Am Nachmittag (MEZ) wurden erste genauere Angaben zur Strahlenbelastung öffentlich. In der Nähe von Block 1 seien 1015 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, berichtet der Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Präfektur Fukushima. Dieser Wert sei doppelt so hoch wie der Grenzwert, bei dem die Betreiber von Atomkraftwerken den Notfall erklären und die Regierung informieren müssten.
Drei Anwohner wurden nach übereinstimmenden Medienberichten verstrahlt und in ein Krankenhaus eingeliefert. Über den Gesundheitszustand wurden keine Details bekannt.
Die IAEA gab unterdessen bekannt, dass in der Umgebung des betroffenen Atomkraftwerks die Ausgabe von Jod vorbereitet wird. Die Tabletten werden eingenommen, um die durch die Atemluft aufgenommene Menge an Radioaktivität zu senken. Durch die Einnahme wird die Schilddrüsenbelastung durch Radioaktivität wesentlich reduziert.
Am Morgen (MEZ) hatte es eine Explosion in Fukushima 1 gegeben. Die Präfektur Fukushima erklärte, das Dach der Anlage sei eingestürzt. Auf Bildern des japanischen Fernsehsenders NHK ist zu erkennen, dass nur noch das Beton-Gerippe des ersten Reaktorblockes erhalten ist.
Nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco ereignete sich die Explosion nach einem "Stoß". Möglicherweise sei Wasserstoff explodiert. Vier Arbeiter seien mit Knochenbrüchen und Prellungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Fukushima 1 liefert bereits seit fast vier Jahrzehnten Strom - der Siedewasserreaktor ging im November 1970 ans Netz. Nach Angaben der internationalen Kraftwerks-Datenbank des slowenischen Nuclear Trainig Centre (ICJT) sollte der Reaktor noch in diesem Monat vom Netz gehen. Der März 2011 sei das "erwartete Datum der Stilllegung". Die anderen fünf Reaktoren wurden später gebaut. Die Blöcke 2 bis 6 gingen zwischen 1974 und 1979 ans Netz, zwei weitere Reaktoren sind in Planung.
Von dem Beben ebenfalls betroffen ist ein Turbinengebäude des Atomkraftwerks Onagawa in der Präfektur Miyagi. Dort brach ein Feuer aus, das aber laut der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA inzwischen gelöscht werden konnte. Nach Angaben der japanischen Behörden wurde hier keine ausgetretene Radioaktivität gemessen.
Das Beben der Stärke 8,9 hatte den Nordosten Japans am Freitag um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) erschüttert und einen bis zu zehn Meter hohen Tsunami ausgelöst, der insbesondere die Küste von Sendai im Nordosten der Hauptinsel Honshu erfasste. Es werden mehr als tausend Tote befürchtet.
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