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In dem beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima hat es eine Kernschmelze gegeben. Das bestätigte die Nationale Behörde für Kernkraftsicherheit nach Informationen von ARD-Korrespondent Robert Hetkämper in Tokio. Der japanische Premierminister Naoto Kan ließ dagegen offen, ob es eine Kernschmelze gegeben habe.
Zuvor hatte die Atomaufsichtsbehörde erklärt, in einem Reaktor des AKW Fukushima 1 habe es "möglicherweise" eine Kernschmelze gegeben. Die zuständigen Behörden stellten derzeit entsprechende Untersuchungen an. Aber selbst wenn es eine Kernschmelze gegeben habe, gehe für Menschen außerhalb eines Radius von zehn Kilometern keine Gefahr aus. So seien die meisten der 51.000 Einwohner in diesem Umkreis evakuiert worden. Später wurde der Evakuierungsradius auf 20 Kilometer ausgedehnt.
Die Informationspolitik der japanischen Behörden ist widersprüchlich: Nach Angaben der Regierung wurde nach der Explosion keine erhöhte Strahlung im Umfeld des Reaktorgebäudes nachgewiesen. Das Stahlgehäuse, das den Reaktor schütze, sei beim Einsturz der umgebenden Wände nicht beschädigt worden, betonte Regierungssprecher Yukio Edano. Zudem nehme der zuletzt stark angestiegene Druck im Reaktor wieder ab. Wenige Stunden zuvor hatte Edano noch ein Entweichen von Radioaktivität aus Fukushima 1 bestätigt. Die freigesetzte Menge sei allerdings "sehr gering". Weil bereits Evakuierungen angeordnet seien und der Wind Richtung Meer wehe, "können wir Sicherheit garantieren".
Die Lage in dem Meiler hatte sich zuvor nach dem Ausfall des Kühlsystems dramatisch zugespitzt. In der Nähe des Atomkraftwerks sei radioaktives Cäsium festgestellt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Atomsicherheitskommission.
Zuvor war eine Explosion in der Anlage bestätigt worden. Die Präfektur Fukushima erklärte, das Dach der Anlage sei eingestürzt. Der japanische Fernsehsender NHK zeigte Bilder einer großen Trümmerwolke über der Anlage.
Die Betreibergesellschaft Tepco erklärte, die Explosion habe sich nach einem "Stoß" ereignet. Es sei möglicherweise Wasserstoff explodiert. Vier Arbeiter seien mit Knochenbrüchen und Prellungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es werde noch wochenlang Stromausfälle geben.
Japan hatte für den AKW Fukushima 1 den atomaren Notstand ausgerufen, nachdem dort das Kühlsystem ausgefallen war. Damit gilt nun für insgesamt fünf Reaktoren in zwei Atomkraftwerken der Notstand. Betroffen sind zwei Reaktoren im AKW Fukushima 1 und drei im nahe gelegenen AKW Fukushima 2. Alle fünf Reaktoren wurden nach dem schweren Erdbeben vom Freitag abgeschaltet.
Die Stadt Fukushima liegt etwa 240 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tokio. Ein Stromausfall kann für Atomkraftwerke gefährlich sein, weil für Turbinen, Ventile und die Zuleitung von Kühlwasser Energie benötigt wird - entweder von außen oder mit Hilfe eines eigenen Notstromaggregates. Bricht die Stromversorgung ganz zusammen, gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, den Reaktorkern zu kühlen.
Von dem Beben ebenfalls betroffen ist ein Turbinengebäude des Atomkraftwerks Onagawa in der Präfektur Miyagi. Dort brach ein Feuer aus, das aber laut der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA inzwischen gelöscht werden konnte. Nach Angaben der japanischen Behörden wurde hier keine ausgetretene Radioaktivität gemessen.
Das Beben der Stärke 8,9 hatte den Nordosten Japans am Freitag um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) erschüttert und einen bis zu zehn Meter hohen Tsunami ausgelöst, der insbesondere die Küste von Sendai im Nordosten der Hauptinsel Honshu erfasste. Es werden mehr als tausend Tote befürchtet.
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