Ein zerstörtes Auto liegt im Juli 2015 in der verlassenen japanischen Stadt Naraha | Bildquelle: AFP

Atomkatastrophe in Fukushima Japan gibt ersten Ort für Bewohner frei

Stand: 05.09.2015 11:15 Uhr

Rund 7400 Einwohner aus dem japanischen Naraha dürfen gut viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima in ihre Heimat zurückkehren. Es ist die erste Ortschaft in der Region, die von den Behörden vollständig freigegeben wurde. Doch die Menschen bleiben wohl fern.

Dekontaminationsarbeiten im Juli 2015 im japanischen Nahara | Bildquelle: AFP
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Dekontaminationsarbeiten im Juli 2015 im japanischen Naraha

Mehr als vier Jahre ist die Atomkatastrophe von Fukushima her. Damals evakuierte die japanische Regierung die Ortschaft Naraha, die im Umkreis des betroffenen Kernkraftwerks liegt. Nun wurde die Evakuierungsanordnung aus dem Jahr 2011 aufgehoben, die knapp 7400 Einwohner dürfen in ihre Heimat zurückkehren.

Naraha ist damit die erste Gemeinde, in die alle Bewohner nach der Atomkatastrophe dauerhaft zurückkehren dürfen. "Der eigentliche Wiederaufbau unserer Stadt beginnt jetzt", sagte der Bürgermeister Yukiei Matsumoto in einer Fernsehansprache. "Lasst uns zusammenarbeiten für die Schaffung eines neuen Naraha."

Nur wenige Einwohner werden wohl zurückkehren

Die Rückkehr in den Ort wird als Pilotprojekt für andere Gegenden in der Nähe von Fukushima angesehen. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe will bis März 2017 eine Reihe von Evakuierungsanordnungen aufheben.

Doch angesichts verbreiteter Ängste vor einer noch bestehenden radioaktiven Verseuchung und der Sorge, dass nicht genügend Bürger zurückkehren könnten, um die Gemeinde wieder aufzubauen, werden nur etwa zehn Prozent der ehemals 7368 Einwohner von Naraha zurückerwartet. Viele junge Menschen haben an anderen, weit entfernten Orten neue Jobs gefunden. Die Zukunft Narahas ist somit ungewiss.

Jahrelange Dekontamination der Region

Strahlenmessung im Dorf Kawamata in der Präfektur Fukushima kurz nach Beginn der Atomkatastrophe im AKW am 11. März 2003. | Bildquelle: dpa
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Strahlenmessung im Dorf Kawamata in der Präfektur Fukushima kurz nach Beginn der Atomkatastrophe.

Die Regierung hat die betroffenen Gebiete um Fukushima einer aufwendigen Dekontaminierung unterzogen. Dadurch sei sei die Strahlenbelastung in vielen Regionen reduziert worden, erklärten die Behörden. Naraha sei nun sicher. Aktivisten beklagen jedoch, dass viele Gegenden nach wie vor hohe Strahlenwerte aufweisen und damit unbewohnbar seien.

Im Atomkraftwerk von Fukushima war infolge des schweren Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört, das Gebiet im Umfeld wurde radioaktiv verseucht. Durch das Erdbeben und den Tsunami kamen rund 18.000 Menschen ums Leben.

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