Friedensnobelpreis an tunesische Initiative (Archivbild):   Wided Bouchamaoui (Arbeitgeberverband),  Houcine Abbassi (Gewerkschaftsverband), Abdessattar ben Moussa (Menschenrechtsliga) und Mohamed Fadhel Mahmoud (Anwaltskammer). | Bildquelle: AFP

Friedensnobelpreis vergeben Tunesische Initiative ausgezeichnet

Stand: 09.10.2015 13:28 Uhr

Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das gab die norwegische Jury in Oslo bekannt. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, hieß es in der Begründung.

Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das gab die norwegische Jury in Oslo bekannt. Die Gruppe bemühte sich infolge des Sturzes des langjährigen tunesischen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali 2011, einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. "Sie begründete einen alternativen, friedlichen politischen Prozess in einer Zeit, in der das Land am Rande des Bürgerkriegs stand", hieß es in der Begründung der Nobel-Jury.

Tunesiens Weg zur Demokratie sichern

Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Das Nobel-Komitee äußerte seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Der Preis solle aber auch "Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen".

Der Friedensnobelpreisträger wird bei einer Pressekonferenz in Oslo bekanntgegeben. | Bildquelle: AP
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Die Friedensnobelpreisträger werden bei einer Pressekonferenz in Oslo bekanntgegeben.

Tunesien war Ausgangsland des sogenannten Arabischen Frühlings, bei dem in Volksaufständen mehrere Machthaber arabischer Länder gestürzt wurden. Die noch junge und fragile Demokratie des Landes wurde in diesem Jahr von zwei blutigen Terroranschlägen auf Touristen erschüttert.

"Hoffnung für die arabische Welt"

Der Friedensnobelpreis für das tunesische Quartett ist aus Sicht der UNESCO eine Anerkennung für alle Kämpfer für Demokratie, Pluralismus und Rechtsstaat. "Wenn diese Prinzipien angegriffen werden, müssen wir sie umso mehr stützen durch sozialen Dialog und Mobilisierung der Jugend, ohne Unterschied von Geschlecht, Herkunft oder Glauben", sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa nach Angaben der Kulturorganisation der Vereinten Nationen. "Tunesien steht für Hoffnung für die arabische Welt und darüber hinaus und dieser Preis spornt uns an, unsere volle Unterstützung zu geben."

Clas Oliver Richter, ARD Stockholm, zur Begründung der Jury
tagesschau 12:00 Uhr, 09.10.2015

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"Freude über eine sehr gute Entscheidung"

Als ausgezeichnete Entscheidung bezeichnete die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel die Wahl des Komitees. "Die Bundesregierung gratuliert den Mitgliedern des nationalen tunesischen Dialogquartetts herzlich", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Es ist der verdiente Lohn für eine Arbeit an der Demokratie, für ein Festhalten an der Idee, dass ein Volk, das eine Diktatur abgeschüttelt hat, etwas besseres verdient als eine neue Diktatur."

Auf die Frage, ob Merkel erleichtert sei, dass sie entgegen mancher Spekulationen den Preis nicht bekommen hat, sagte Seibert: "Sie hören Freude über eine sehr gute Entscheidung und großen Respekt vor der Preisträgern." Die Spekulationen seien im übrigen ausschließlich von den Medien betrieben worden und nicht von der Bundesregierung.

"Ansporn für zivilgesellschaftliches Engagement überall"

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier meldete sich zu Wort. "Es ist dem Quartett zu verdanken, dass die Entwicklungen in Tunesien bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen so gut verlaufen sind", sagte er. Ohne dessen Engagement hätte der Wandel in Tunesien keine Chance bekommen. "Das ist ein Ansporn für zivilgesellschaftliches Engagement überall, aber besonders in der arabischen Welt."

Dialogquartett kämpft gegen islamistische Gefahr in Tunesien
tagesschau 16:00 Uhr, 09.10.2015, Jörg Rheinländer, ARD Madrid

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Verliehen wird der mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, in Oslo. Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt.

Friedensnobelpreis für Tunesiens Dialog-Quartett
J. Borchers, ARD Rabat
09.10.2015 13:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Oktober 2015 um 10:45 Uhr.

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