Rassismus in der EU laut Umfrage weit verbreitet

Rassismus in der EU laut Umfrage weit verbreitet

Jeder dritte Zuwanderer ist schon diskriminiert worden

Die Realität in Sachen Fremdenfeindlichkeit ist weitaus schlimmer als es die Polizeistatistiken vermuten lassen. Zu diesem Fazit kommt eine Umfrage der EU. Jeder dritte Zuwanderer ist demnach schon Opfer von Diskriminierungen geworden - und nur selten werden die Fälle angezeigt.

Von Michael Becker, MDR Hörfunkkorrespondent Brüssel

Mit rassistischen und rechtsextremen Parolen beschmierte Wand (Bildquelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
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Frauen säubern eine mit rassistischen Parolen beschmierte Wand. Laut einer Umfrage ist Fremdenfeindlichkeit in der EU weit verbreitet.

Die Zahlen sind ernüchternd: Mehr als die Hälfte der Befragten - Zuwanderer und Angehörige ethnischer Minderheiten in der EU - hat angegeben, dass Menschen in dem Land, in dem sie leben, wegen ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert werden. Ein Drittel der Befragten hat das in der jüngsten Vergangenheit auch am eigenen Leib erfahren.

Spitze des Eisbergs

Damit steht für Morten Kjaerum, den Direktor der EU-Grundrechteagentur fest, dass die amtlichen Zahlen über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nur die Spitze des Eisbergs sind. "Die Erhebung zeigt, wie hoch die Dunkelziffer bei rassistisch motivierten Straftaten und Diskrimierung in der EU tatsächlich ist", so Kjaerum.

Roma und Zuwanderer aus Afrika besonders betroffen

Allen voran Roma fühlen sich in der EU besonders diskriminiert. Für sie sei Diskriminierung "eine tägliche Erfahrung", erklärt Kjaerum. Die Untersuchung geht auf ihre Situation besonders ein: Sie wird als besonders dramatisch geschildert, da sie unter den befragten Gruppen die höchste Arbeitslosigkeit und das geringste Bildungsniveau aufwiesen. Die EU-Grundrechteagentur fordert deshalb auch, dass die gesellschaftliche Ausgrenzung der Roma "unbedingt beendet werden müsse".

Aber auch zahlreiche Zuwanderer aus Afrika berichteten über Fälle von Diskriminierung und Rassismus. Besonders bemerkenswert ist für die Experten der EU-Grundrechteagentur, dass die überwältigende Mehrheit von ihnen diese Fälle den Behörden nicht meldet. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben an, jüngste Vorfälle von Diskriminierung nicht angezeigt zu haben. Genau so viele wussten auch von keiner Organisation, an die sie sich hätten wenden können, um sich unterstützen oder beraten zu lassen.

"Tausende Fälle von rassistisch motivierten Straftaten und Diskriminierung bleiben unentdeckt", erklärte Kjaerum. Straftäter kämen ungestraft davon und Opfer erführen keine Gerechtigkeit. Der Grund dafür: Die meisten gehen offenbar davon aus, dass es ohnehin nichts ändert, wenn sie einen Vorfall melden.

Resignation bei vielen Minderheiten

Es herrsche bei Minderheiten und Zuwanderern ein gewisses Maß an Resignation, fasst der Bericht der Grundrechteagentur zusammen. Das führt  im Gegenzug aber auch dazu, dass die statistischen Erhebungen zu Rassismus und Diskriminierung die Realität gar nicht widerspiegeln können.

Für die Erhebung hat die EU-Grundrechteagentur 23.500 Zuwanderer in allen EU-Ländern befragt. Die Ergebnisse der Befragung zeigten, wie wichtig es sei, die Situation der Zuwanderer zu verbessern und Antidiskriminierungsgesetze umfassend anzuwenden - so das Fazit.

Stand: 22.04.2009 16:07 Uhr

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