Berufungsgericht ordnet Freilassung an Kloster statt Gefängnis für Dutroux' Ex-Frau

Stand: 28.08.2012 21:38 Uhr

Die ehemalige Frau des belgischen Kindermörders Marc Dutroux, Michelle Martin, ist nach 16 Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden. Die 52-Jährige verließ wenige Stunden nach einer entsprechenden Entscheidung des Berufungsgericht in Brüssel das Gefängnis in Berkendael in Richtung Malonne. Martin war zu einer Gefängnisstrafe von 30 Jahren verurteilt worden.

Noch im Gerichtssaal hatte sich der Vater eines der ermordeten Mädchen, Jean-Denis Lejeune, erneut gegen die geplante Freilassung Martins gewandt. "Wir lassen ein Monster an die Öffentlichkeit", klagte er. "Diese Frau ist verantwortlich für das Schlimmste. Sie ist eine Wiederholungstäterin." Leujeunes damals achtjährige Tochter Julie starb 1996 im Kellerverlies. Vor dem Justizpalast fand eine kleine Protestkundgebung statt. Einige Demonstranten hielten Plakate hoch, auf denen Slogans wie "Hängt die Kinderschänder" standen.

Freilassung unter Auflagen

Die Freilassung Martins ist an eine Reihe von Auflagen zum Aufenthaltsort, dem Verbot von Reisen und einer Psychotherapie geknüpft. Martin hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Anträge auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Erst jetzt genehmigte die belgische Justiz den Antrag, weil der Resozialisierungsplan vorsieht, dass sie künftig im Kloster lebt - ohne selbst Nonne zu werden. Sie wird im Kloster der "Armen Schwestern der heiligen Klara von Assisi" in Malonne bei Namur leben. Die Äbtissin hatte eine Erklärung abgegeben, in der es hieß: "Frau Martin ist ein menschliches Wesen und wie wir alle des Schlimmsten und des Besten fähig." Die Anwohner reagierten bereits mit Protesten auf die Entscheidung des Klosters. Um Übergriffe auf die Einrichtung und Martin zu verhindern, sollen 30 Polizisten künftig rund um die Uhr das Kloster bewachen.

Michelle Martin während ihres Prozesses 2004. | Bildquelle: AFP
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Michelle Martin kommt nach 16 Jahren aus dem Gefängnis frei. (Bild von 2004)

Katholisches Nonnen-Kloster in Malonne in Südbelgien | Bildquelle: REUTERS
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Sie wird künftig in diesem Nonnen-Kloster bei Namur leben - Anwohner sind erbost.

Martin war seit 1996 inhaftiert. Sie war als Mittäterin ihres damaligen Ehemannes Marc Dutroux verurteilt worden, der in den 1990er-Jahren sechs Mädchen entführt, in ein Verlies gesperrt und missbraucht hatte. Vier der Mädchen starben. Sie hatte das Auto gefahren, wenn das Ehepaar auf "Kinderjagd" ging. Vor Gericht hatte sich Martin als willenloses Werkzeug ihres Mannes dargestellt."Seine Gewalttätigkeit ließ mir keine andere Wahl", hatte sie zur ihrer Verteidigung vorgebracht. In den Augen des Gerichts trug sie jedoch eine Mitschuld an den Verbrechen ihres Mannes, weil sie die beiden Kinder Julie und Mélissa verhungern ließ.

Die Verbrechen hatten zu landesweiter Empörung geführt, weil Dutroux ebenso wie seine Frau schon in den 1980er-Jahren wegen Entführung und Vergewaltigung von Mädchen im Gefängnis saßen. Seit 2003 ist das Paar geschieden. Dutroux selbst sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab.

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