François Fillon | Bildquelle: REUTERS

Stichwahl bei französischen Konservativen Fillon siegt haushoch

Stand: 27.11.2016 22:15 Uhr

Bei der Präsidentschaftsvorwahl von Frankreichs Konservativen steuert Ex-Premier Fillon auf einen klaren Sieg zu. Laut Hochrechnungen kommt er auf fast 70 Prozent der Stimmen, sein Kontrahent Juppé nur auf 30 Prozent. Der räumte dann auch seine Niederlage ein.

Der Wirtschaftsliberale François Fillon wird die französischen Konservativen ins Rennen um die Präsidentschaft führen. Bei der Stichwahl entfielen auf ihn nach Auszählung von vier Fünfteln der Wahllokale mehr als 67 Prozent der Stimmen, während sein Rivale Alain Juppé nur auf rund 30 Prozent kam. Das endgültige Ergebnis wird im Laufe des Abend erwartet.

Fillon rief seine Partei in einer Siegesrede in Paris zum Zusammenhalt auf: "Ich werde alle brauchen", sagte er mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017. Er nannte neben Juppé auch Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, der in der ersten Runde der Vorwahl ausgeschieden war. Juppè räumte seine Niederlage ein. Zugleich versprach er seinem Rivalen seine Unterstützung.

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Kurzporträt François Fillon

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hatte für seinen damaligen Mitarbeiter François Fillon nicht so viel übrig - zumindest nicht, geht man nach der Betitelung: "Mein Mitarbeiter" nannte Sarkozy ihn stets. Nun hat Fillon seinen ehemaligen Chef aus dem Feld geschlagen und ist nicht weniger als der Hoffnungsträger der französischen Konservativen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

Der 62 Jahre alte Staatsrechtler kam bei der Kandidatenkür der bürgerlichen Rechten erst in letzter Minute aus der Deckung. Sein Kurs gilt als der eines Hardliners. Er will bei Wirtschaftsreformen besonders weit gehen, um Frankreich im internationalen Vergleich wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Er sieht dies auch als eine Voraussetzung an, um mit dem wichtigsten EU-Partner Deutschland wieder auf Augenhöhe sprechen zu können.

Der Vater von fünf Kindern setzt außerdem auf traditionelle Werte. Das kommt bei konservativen Wählern gut an, insbesondere in der Provinz. In der Außenpolitik will Fillon ein Verbündeter der USA bleiben, gleichzeitig aber die Beziehungen zu Russland stärken. Das riesige Land müsse enger an Europa gebunden werden, lautet sein Credo. Kreml-Chef Wladimir Putin lobte ihn dafür bereits als "anständigen Mann".

Fillon diente unter Sarkozy von 2007 bis 2012 als Premierminister - aus dieser Zeit kennt er Putin persönlich. Fillon zog bereits mit 27 Jahren als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten.

Duell mit Le Pen?

Der Sieg Fillons kommt wenig überraschend, der ehemalige Premierminister war als Favorit in die Abstimmung gegangen. Die Vorwahl des bürgerlichen Lagers galt als wichtige Weichenstellung für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr: Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen dem konservativen Bewerber und der Rechtspopulistin Marine Le Pen erwarten. Ihr werden bis zu 30 Prozent der Stimmen zugetraut. Dem sozialistischen Amtsinhaber François Hollande werden kaum Chancen auf eine weitere Amtszeit eingeräumt.

Fillon gilt als Wirtschaftsliberaler und Vertreter eines Sparkurses. Er will eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst kürzen und seine Landsleute länger arbeiten lassen. Frankreich sei im Zustand einer Fast-Pleite, warnte er. Fillon war unter dem damaligen Präsidenten Sarkozy von 2007 bis 2012 französischer Regierungschef.

Alain Juppe | Bildquelle: AP
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Räumt die Niederlage ein: Der französische Konservative Alain Juppé.

Anhänger von François Fillon | Bildquelle: AP
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Ausgelassener Jubel dagegen bei den Anhängern von Wahlsieger François Fillon.

Hohe Beteiligung

Es ist das erste Mal, dass die französischen Konservativen eine Vorwahl abhalten. An der Stichwahl nahmen nach Angaben der Organisatoren mehr Menschen teil als an der ersten Runde vor einer Woche. Damals hatten knapp 4,3 Millionen Anhänger der bürgerlichen Rechten ihre Stimmen abgegeben. Fillon hatte die erste Vorwahlrunde klar für sich entschieden. Zweiter wurde der lange als Favorit gehandelte Juppé. Frankreichs früherer Präsident Nicolas Sarkozy war überraschend nur Dritter geworden und damit ausgeschieden.

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